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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Fotos: Schloss Seggau, Burg Lockenhaus
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Das Schloss Seggau thront über der steirischen Stadt Leibnitz.
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Die Burg Lockenhaus ist ein Baujuwel aus dem Mittelalter.
Burgherren auf der Spur
Die Schlösserstraße verbindet Burgen und Schlösser im Burgenland und in der Steiermark miteinander. Ursprünglich zum Schutz der Bevölkerung errichtet, haben die historischen Gebäude heute einen anderen Zweck. Die meisten Häuser können besichtigt werden und beherbergen Ausstellungen. Führungen sowie Weinverkostungen für Besucher bieten zusätzliche Anreize. In einigen Gebäuden kann auch übernachtet werden.
Die Pfeilburg ist eines der ältesten Gebäude der steirischen Stadt Fürstenfeld. Der Gebäudekern, der sogenannte „Schwarzturm“, stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist einer der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Wohntürme der Steiermark. Die Bezeichnung „Pfeilburg“ stammt von Hans Pfeilberg, einem der ersten Besitzer.

„Eine Burg im eigentlichen Sinn war die Pfeilburg nie. So wie sie sich heute zeigt, ist sie ein Edelmannsitz aus der Renaissance“, erzählt Gaby Jedliczka, die Leiterin des Museums Pfeilburg.

Starker Tobak in der Pfeilburg in Fürstenfeld
Das historische Gebäude ist Teil der Schlösserstraße, die zu 37 Burgen und Schlössern im Burgenland, in der Steiermark und in Slowenien führt. Die geschichtsträchtigen Gemäuer können auf verschiedenste Weise erkundet werden. Die Pfeilburg lädt Besucher ein, auf drei Etagen die wechselvolle Geschichte der Stadt Fürstenfeld zu besichtigen.

In ihrem Inneren ist ein Museum mit zwei Dauerausstellungen untergebracht (Eintritt 6 Euro p.P.). Im „Kruzitürkenmuseum“ wird die Zeit der kriegerischen Einfälle von Türken und Kuruzzen dokumentiert.

Das „Tabakmuseum“ widmet sich der Tabakverarbeitung. Mehr als 300 Exponate dokumentieren die Rauchkultur in der steirischen Stadt. „Die Pfeilburg ist eine der ältesten Tabakfabriken der Welt. Von 1693 bis 1780 wurde hier Tabak verarbeitet. Der Rohtabak für die Produktion in Fürstenfeld stammte zum Teil aus dem Fürstenfelder Anbau, kleinere Mengen lieferten auch Tabakbauern aus Feldbach und Fehring. Der größte Anteil wurde aus Ungarn geliefert“, informiert Jedliczka. Die Burg wurde aufgrund des wertvollen Bestandes mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet.

Die Pfeilburg ist auch ein idealer Ausgangspunkt des Fürstenfelder Festungsweges. Der 3,5 Kilometer lange Pfad führt rund um den mit imposanten Wehrmauern eingefassten Stadtkern. Die Spaziergänger kommen an der Schlossbastei, dem Feistritzwall und dem Grazertor vorbei.

Schwere Glocken und viel Wein im Schloss Seggau
Ein prachtvolles Gebäude ist auch das Schloss Seggau in der Südsteiermark. Es thront weithin sichtbar auf einem bewaldeten Hügel über der Bezirksstadt Leibnitz. Die Geschichte des Schlosses reicht zurück bis zu den Römern, wovon ein Lapidarium zeugt. Das ist eine Wand mit Römersteinen.

Die sehen Besucher während einer Führung (7 Euro p.P.), die am Samstag ab 14 Uhr sowie am Sonntag und an Feiertagen ab 11 Uhr abgehalten wird. Beim Spaziergang durch das Schloss kommen die Besucher auch bei der „Seggauer Liesl“ vorbei, der größten historischen Glocke der Steiermark. „Sie hat einen Durchmesser von zwei Metern und wird jeden Sonntag und Feiertag um 12 Uhr geläutet“, erzählt Janine Überbacher vom Hotel Schloss Seggau. Vier Männer sind notwendig, um die 5.400 Kilo schwere Glocke in Schwung zu bringen.

Im Bischöflichen Weinkeller lagern edle Tropfen aus der Südsteiermark. Am Samstag gibt es ab 15.30 Uhr eine Weinverkostung, bei der drei verschiedene Weine (9 Euro p.P.) probiert werden können. Im Schloss kann auch übernachtet werden.

Fledermäuse in der Ritterburg Lockenhaus
Eine Zeitreise ins Mittelalter ist auf der Ritterburg Lockenhaus in der gleichnamigen burgenländischen Gemeinde möglich. Das historische Gebäude liegt inmitten des waldreichen Naturparks Geschriebenstein. Die Besucher können die Burg täglich selbstständig erkunden (Eintritt 9 Euro p.P.) oder mittels Führung die Geschichte der Burg und ihrer Bewohner erfahren.

Die Besucher entdecken den oberen und unteren Burghof, die Folterkammer, die Kapelle, den Kultraum, die Rauchküche, den Burgbrunnen und den Festsaal. Für Kinder gibt es eine Erlebnis-Waffenkammer, in der sie mit Pfeil und Bogen schießen sowie Kettenhemden anprobieren können. Die Burg, die um das Jahr 1200 gebaut wurde, beherbergte einst Tempelritter und die Blutgräfin Elisabeth Báthory, die 650 junge Frauen ermorden ließ. Heute sind es tierische Bewohner, die im Sommer den Dachboden bevölkern.

„Auf Burg Lockenhaus leben Wimpernfledermäuse. In der Burg gibt es eine der größten Kolonien Mitteleuropas. Derzeit beheimatet sie 800 Weibchen, die hier ihren Nachwuchs aufziehen. Ende Juli werden sie uns wieder verlassen“, sagt Doris Ferenczy von der Ritterburg Lockenhaus.

Den fliegenden Säugetieren ist eine Ausstellung gewidmet. In sechs Räumen erfahren Besucher mehr über die nachtaktiven Tiere. „Im Kassabereich können die Gäste die Fledermäuse mithilfe einer Kamera beobachten. Die Übertragung läuft in Echtzeit.“

Dass die Ritterburg überhaupt besichtigt werden kann, ist dem Ehepaar Margaret und Paul Anton Keller zu verdanken. Als sie die Burg im Jahr 1968 erwarben, war das Gebäude eine Ruine. Sie renovierten das Baujuwel. Wer nach dem Besuch der Burg noch bleiben möchte, kann direkt in der Burg in einem der Burgzimmer übernachten. widlak
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