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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Foto: Martin Strmiska / Alamy Stock Photo
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Im Laufe des Lebens können dem Salzwasserkrokodil bis zu 3.000 Zähne nachwachsen.
Gefährliches Großmaul
Die größten und für uns Menschen wohl gefährlichsten Reptilien sind die Salzwasser- oder auch Leistenkrokodile. Sie werden mehr als sechs Meter lang und können bis zu einer Tonne wiegen. Und was sie einmal zwischen ihren Zähnen haben, lassen sie nie wieder los.
Ihre Bewegungen sind pfeilschnell, und zwar in solchem Grade, dass man von Menschen, welche durch sie einen gewaltsamen Tod erleiden, nur selten einen Schrei vernimmt“, schrieb der Naturforscher Alfred Brehm (1829–1884) über die Gefährlichkeit der Salzwasserkrokodile.

Und das liegt vor allem an der großen Klappe des mächtigsten Reptils unserer Zeit. „In dem kräftigen Kiefer
stecken 60 bis 70 Zähne, die wie Kegel geformt und extra scharf sind. Ideal, um ein Beutetier festzuhalten“, berichtet der australische Krokodil-Experte Grahame Webb.

Kauen können die Tiere mit ihren Beißern, die fast ein Leben lang nachwachsen, zwar nicht – aber jagen. Ihrer Beute lauern sie dabei meist untergetaucht am Gewässerrand auf, bis sie in Reichweite gelangt.

„Das Herz des Reptils steht unter Wasser beinahe still. Nur noch alle vierzig Sekunden schlägt es, so kann ein Salzwasserkrokodil ohne Weiteres eine Stunde lang komplett abtauchen“, erklärt Webb. Bei der eigentlichen Attacke schnellen die wechselwarmen Tiere dann mithilfe ihres muskulösen Schwanzes blitzschnell aus dem Wasser. Und wenn das völlig überraschte Opfer dann nicht schon durch den enormen Bissdruck von 12.000 Newton pro Quadratzentimeter (Mensch etwa 800) getötet worden ist, benutzen Krokodile ihre außergewöhnliche Kraft, um es ins Wasser zu ziehen und zu ertränken.

„Wehrt sich eine kräftige Beute dagegen erfolgreich, so dreht sich das Krokodil um seine Längsachse, es wendet also die Todesrolle an. Selbst große Tiere wie Gnus, Zebras und kleine Flusspferde sind dann hoffnungslos verloren“, so der Fachmann.

Bedauerlicherweise fallen immer wieder auch Menschen – die von der Reaktionsschnelligkeit der Salzwasserkrokodile nichts ahnen – diesen geschickten Jägern zum Opfer. Solche Angriffe gelten jedoch als extrem selten. „Die Wahrscheinlichkeit, im Urlaub beim Baden von einem Krokodil gefressen zu werden, ist bedeutend niedriger, als zu ertrinken“, heißt es beim „Crocbite“-Projekt der australischen Charles-Darwin-Universität. Dort werten Wissenschaftler seit Jahren Berichte über weltweite Krokodilattacken aus: „Seit 1995 registrierten wir in unserer Datenbank knapp 1.100 Angriffe von Salzwasserkrokodilen auf Menschen. Etwa die Hälfte davon war tödlich.“

Bekannt sind Salzwasserkrokodile vor allem aus Australien, Indonesien und Papua-Neuguinea. Aber ihr eigentlicher Lebensraum ist noch viel größer. „Er reicht von der indischen Ostküste und Sri Lanka bis nach Mikronesien, mitten im Pazifik. Das ist eine Gesamtfläche von mehr als zehn Millionen Quadratkilometern“, erzählt der Experte. Was erstaunlich ist, denn als besonders versierter Schwimmer gilt dieses Reptil nicht.

„Lange Wasserwege legen Krokodile mit Hilfe der Gezeiten zurück. Geduldig warten sie, bis die Meeresströmung günstig ist, und lassen sich dann von ihr treiben. Wechseln die Gezeiten, so pausieren die Tiere in einer Bucht, bis die Strömung sie wieder in die gewünschte Richtung bringt“, berichtet Grahame Webb.

Es heißt, dass ein ausgewachsenes Männchen auf diese Art sogar eine Strecke von 1.400 Kilometern durch das Meer zurückgelegt hat. Hwie
  • Die Ordnung der Krokodile besteht aus drei Familien – den dünnschnäuzigen Gavialen, den Echten Krokodilen und den Alligatoren, zu denen auch die Kaimane gehören.
  • Dank spezieller Drüsen auf der Zungenoberfläche können Salzwasserkrokodile überschüssiges Salz wieder ausscheiden. Auf Grund dieser Eigenschaft haben sie auch das größte Verbreitungsgebiet aller Echten Krokodile.
  • Wenn die Tiere ihre Beute verzehren, weinen sie. Dabei trauern die Reptilien freilich nicht mit den Angehörigen ihrer Mahlzeit. Sie müssen beim Fressen schnaufen, weshalb sie so stark Luft durch die Nasenhöhlen pressen, dass sie damit ihre Tränendrüsen entleeren.
  • Bei grellem Sonnenlicht verengen sich die Pupillen zu einem schmalen, senkrechten Schlitz. In der Dämmerung weiten sie sich. So können Krokodile während nächtlicher Raubzüge gut sehen.
  • Bis zu einem Jahr können die Reptilien ohne Nahrung auskommen. Denn die Tiere futtern sich in guten Zeiten Fettreserven an und speichern sie im Schwanz. Manche Tiere werden bis zu 100 Jahre alt.
  • An Land erreichen Krokodile nur eine Geschwindigkeit von bis zu 17 Stundenkilometern, im Wasser sind sie fast doppelt so schnell.
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