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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Foto: © HISTORY / JASON ELIAS 2020
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„Es macht stolz, Altes zu reparieren“
Er wurde als „Heimwerkerkönig“ berühmt. Nicht, weil er mit dem Werkzeug so gut umgehen konnte, sondern weil ihm ständig irgendwelche Hoppalas passiert sind, die den Zuschauer zum Lachen, seinen Partner aber an den Rand der Verzweiflung brachten. Tim Allen und sein Freund Richard Karn wurden Publikumslieblinge. Jetzt kehren sie mit einer neuen Show zurück.
Mit „Hör mal, wer da hämmert“ (original: „Tool Time“) gelang Ihnen ein weltweiter Serien-Hit. Nun kehren Sie mit „Tim Allen – Wettkampf der Heimwerkerkönige“ ins Fernsehen zurück. Ihr Freund Richard Karn ist ebenfalls wieder mit
dabei. Worum geht es dieses Mal?

Tim Allen: Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Daher habe ich eine Show entwickelt, um daran zu erinnern, wie stolz es machen kann, Gegenstände selbst zu reparieren. In zehn einstündigen Episoden treten darin begabte Bastlerinnen und Bastler gegeneinander an, mit dem Ziel, Alltagsgegenständen neues Leben einzuhauchen. (Anm.: Der Auftakt findet am Donnerstag, dem 29. Juli, ab 20.15 Uhr auf HISTORY Channel statt. Die weiteren Folgen werden jeweils donnerstags zur gleichen Zeit gezeigt.)

Lag es für Sie auf der Hand, eine ähnliche Show zu entwickeln, wie es „Hör mal, wer da hämmert“ vor gut 30 Jahren war?
ALLEN: Ich bin jetzt 68 Jahre alt und habe tatsächlich lange daran gedacht, etwas Ähnliches noch einmal zu machen. Wir kaufen, zerbrechen, ersetzen. Deshalb wollte ich eine neue Show produzieren, die Zufriedenheit hervorruft, wenn jemand etwas allein repariert hat. Albert Einstein sagte einmal: „Ich bin kein Genie. Ich bin lediglich leidenschaftlich neugierig.“ Nun: Lasst auch uns neugierig werden. Selbst Schimpansen zeigen Interesse an Dingen. Halt! (lacht): Gerade habe ich eine Idee für eine andere Show bekommen …

Und Ihr alter Freund Richard Karn, 65, hat sofort mitgemacht?
ALLEN: Das hatte ich nicht erwartet. Es gab keinen Grund dafür. Wir sind Freunde und sehen uns oft, hatten aber nie über meine Idee gesprochen. Und dann meinte eines Tages ein Mitglied meines Teams: „Warum fragen Sie nicht Richard Karn, ob er mit an Bord kommt?“ Zuerst wollte ich die Beschämung vermeiden, falls er ablehnen würde. Aber er nahm mein Angebot sofort an. Plötzlich waren wir wieder zu zweit.

Ihre Erfolgs-Show wurde von 1991 bis 1999 erstausgestrahlt. Haben Sie den 30. Geburtstag gefeiert?
ALLEN: Eigentlich nicht. Es war in der Tat ein Meilenstein. Und Richard war immer dabei. Wir mögen einander. Vielleicht sehen wir uns sogar zu oft (lacht).

RICHARD KARN: Es fühlt sich auch gar nicht so an, als wären schon 30 Jahre vergangen.

Warum glauben Sie, dass Ihre neue Serie bei der heutigen Generation gut ankommen wird?
KARN: Viele Eltern sind heute nicht mehr in der Lage, ihren Kindern zu zeigen, wie Gegenstände auseinandergenommen und wieder zusammengefügt werden. Sie können sich die Sendung zusammen mit ihrem Nachwuchs ansehen. In der Show geht es immer um die Familie.

Was ist das Besondere der neuen Show?
ALLEN: Sie schafft Konkurrenz unter den Teilnehmern und zwingt sie zum Nachdenken. Sie fordert Männer und Frauen auf, Probleme zu lösen. Sie sollen nicht vor Schwierigkeiten davonlaufen. Wegwerfen ist verboten. Das ist gut fürs Hirntraining. Schau dir kaputte Gegenstände genau an und zerlege sie. Dann wirst du dahinterkommen, was mit ihnen los ist und kannst sie reparieren.

Wie war es für Sie beide, wieder zusammen zu
werkeln?
KARN: Wir verstehen uns wunderbar. Tim ist ausgezeichnet im Argumentieren. Eines Tages hatte ich die Nase voll und ging nach Hause. Fünfzehn Minuten später rief er an und sagte: „Richard, ich bin so froh, dass wir diskutieren können. Mit meiner Frau kann ich das nicht.“ Ich weiß nicht – vielleicht hat er seine Frau müde diskutiert.

ALLEN: Richard hat einen beruhigenden Einfluss auf mich. Ich hatte keine Erfahrung darin, ohne Drehbuch zu produzieren, so wie in der neuen Show. Er dagegen legte einfach unbekümmert drauflos. Er sagte: „Okay, okay, lasst uns anfangen.“ Seine Ausgewogenheit hat mich manchmal vor dem Durchdrehen gerettet.

Reparieren Sie daheim selbst auch, wenn etwas kaputt ist?
ALLEN: Meine jüngste Tochter, ich habe zwei, geht gern zelten. Im vorigen Sommer kaufte ich ihr eine Taschenlampe, aber die gab das Leben bald auf. Im Internet wurde für dieses Ding eine lebenslange Garantie versprochen. Als ich reklamierte, hieß es, lebenslang bedeute nicht, „so lange, wie ein Leben dauert“. Also öffnete ich die Taschenlampe, fixierte ein loses Kabel, und sie funktioniert immer noch.

Herr Karn, Sie tragen immer noch Bart, wie vor 30 Jahren …
KARN: Ja und Tim war schon immer neidisch auf meine Gesichtsbehaarung. Hauptsächlich, weil sein Bart, wenn er ihn wachsen lässt, einfach nicht richtig aussieht. Aber die Show war eine der besten Ideen aller Zeiten. Mit Tim zu arbeiten, war eine der wenigen Lichtblicke in diesem schwierigen Jahr. Wir sind uns in vielen Dingen einig, aber diese Show offenbart unsere unterschiedlichen Geschmäcker, wenn es ums Design geht. Und angesichts der Kreativität unserer Teilnehmer muss ich sagen, dass es mir große Freude bereitet, Teil davon zu sein.

Wie sind Sie über die vergangenen, Corona-beeinflussten Monate hinweggekommen?
ALLEN: Es war hart. Ich bin Darsteller und liebe Komödien mehr, als sich jemand vorstellen kann. Die Pandemie und das quasi Einstellen des öffentlichen Lebens haben auch mich völlig überrascht. Ich begann eine Tour – und plötzlich war sie zu Ende. Ich musste auch aufpassen beim Witzemachen, durfte nicht ausrutschen. Vor Menschen mit Maske aufzutreten, macht aber keinen Spaß.

Zu den Personen
Tim Allen wurde am 13. Juni 1953 in Denver, US-Staat Colorado, geboren. Im Alter von 25 Jahren wurde er wegen Drogen-Besitzes verhaftet und saß 28 Monate im Gefängnis. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Töchter.

Richard Karn wurde am 17. Februar 1956 in Seattle, US-Staat Washington, geboren. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Karn gilt als einer der bestverdienenden Schauspieler der Welt. Zwischen Juni 2020 und Juni 2021 soll er 90 Mio. Euro verdient haben. Vor allem durch Aktien, Immobilien, seine eigene Mode-Linie und Restaurants.
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