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Ausgabe Nr. 29/2021 vom 20.07.2021, Fotos: zVg
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Die Guntramsdorfer (NÖ) Florianis Michael Schinko, Kommandant Roman Janisch und Barbara Schiffner (v. li.).
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Der Kärntner Landesjugendchor verlegte die Proben ins Internet.
Vereine in Not
Die Pandemie trifft auch die rund 126.000 heimischen Vereine hart. Weil in der Krise etliche Feste und Veranstaltungen abgesagt wurden, fehlen wichtige Einnahmequellen. Die Hilfen von der Bundesregierung sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
In der Corona-Krise sind uns viele Einnahmen weggefallen“, beklagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Guntramsdorf (NÖ), Roman Janisch. „Normalerweise stellen wir zu Weihnachten Punschstände auf und veranstalten das ‚Warten aufs Christkind‘.“ Dabei können sich Kinder die Zeit vor der Bescherung im Feuerwehrhaus mit Basteln vertreiben. „Natürlich spenden die Eltern immer brav. Da kommt einiges zusammen.“

Während der Corona-Krise fiel jedoch alles ins Wasser. Hilfe kam von der Regierung aus dem NPO-Fonds für gemeinnützige Vereine (Non-Profit-Organisationen). Für die Guntramsdorfer Floriani-Jünger gab es für das Jahr 2020 rund 10.000 Euro. „Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das deckt nur einen kleinen Teil des Verlustes.“ Und die laufenden Kosten sind enorm. „Eine komplette Feuerwehruniform kostet schon rund 1.000 Euro.“

Zudem muss bald ein neues Feuerwehrauto um eine halbe Million Euro angeschafft und das Feuerwehrgebäude um zwei Millionen Euro ausgebaut werden. „Dafür kommt Geld vom Bund, vom Land und von der Gemeinde, aber auch die Feuerwehr zahlt mit.“ Der Kommandant hofft daher, dass das große Feuerwehrfest, das alle fünf Jahre stattfindet und eine wichtige Einnahmequelle ist, 2022 nicht ins Wasser fällt.

Janisch betont die Bedeutung der Feuerwehr, zumal sie auch bei den Testungen und beim Impfen mithilft. „Wenn wirklich Not am Mann ist, sind die Florianis diejenigen, die
mit viel Mannstärke zur Stelle sind und helfen.“

„Millionen für Konzerne, aber zu wenig Geld für Vereine“
Wie die Feuerwehren trifft die Corona-Krise viele der heimischen Vereine mit voller Härte. Weil Feste und Veranstaltungen ausgefallen sind, fehlen für sie wichtige Einnahmequellen. Vielen Vereinen steht das Wasser daher bis zum Hals. Und das Geld, das es von der Regierung als Hilfe gibt, deckt oft nur einen Bruchteil der Verluste. Wenngleich die Zahl der Vereine in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, vom Jahr 2017 von rund 124.000 auf mehr als 126.000 im Vorjahr, ist es nun ungewiss, wie viele die Krise überstehen.

Der stellvertretende SPÖ-Klub-obmann Jörg Leichtfried, 54, betont die Bedeutung der Vereine für das soziale und kulturelle Leben und übt Kritik an der türkis-grünen Regierung. „Sie hat die Vereine in der Corona-Krise wie Stiefkinder behandelt. Konzerne bekamen Millionen aus Steuergeld als Corona-Hilfen und konnten sogar Gewinne ausschütten. Viele Vereine mussten hingegen lange auf Unterstützung warten. Der NPO-Fonds, also der Topf, aus dem die Vereine unterstützt wurden, wurde erst Monate nach den ersten Ausgangsbeschränkungen eingerichtet. Auch die Auszahlung des Geldes dauert viel zu lang, für den Frühling 2021 kann erst ab jetzt um Geld angesucht werden. Und vielfach reicht die Corona-Hilfe nicht, um die Vereinsarbeit weiterzuführen. Wir fordern deshalb mehr Unterstützung und dass die Arbeit der Ehrenamtlichen besser sozial abgesichert wird.“

Über Einbußen klagt auch der Trachtenverein „Edelraute“ in St. Johann in Tirol, wie Obmann Josef Huter, 44, erklärt. „Normalerweise veranstalten wir zwei Vereinsfeste und 20 Tirolerabende pro Jahr. Daraus lukrieren wir unsere Einnahmen, die sich aber durch das Bezahlen von Gagen wieder verringern. Wegen Corona konnten die Veranstaltungen nicht stattfinden.“

Aus dem NPO-Fonds gab es 1.800 Euro. „Es ist zwar ein Loch in der Vereinskassa geblieben, da wir aber weniger Ausgaben hatten, hält es sich in Grenzen.“ Jedoch macht er sich Sorgen, ob der Verein nach der Krise noch so viele Mitglieder hat wie zuvor. „Unsere Hauptversammlung, die normalerweise im Frühjahr stattfindet, werden wir am 31. Juli abhalten. Da sehen wir dann auch, wie viele wiederkommen werden.“

Chor probt im Internet
Eine Durststrecke war die Corona-Zeit auch für den Verein „Schach ohne Grenzen“. „Wir konnten während Corona zwar Internet-Turniere veranstalten, ältere, nicht computererprobte Mitglieder sind uns deswegen aber verlorengegangen. Neue Mitglieder zu finden, ist schwer. Außerdem ist es fad geworden, im Internet zu spielen. Wir wollen nun endlich wieder am Brett spielen“, erklärt die Obfrau Ina Anker, 59.

Auch finanziell sieht es trist aus. „Wir haben durch den NPO-Unterstützungsfonds ein Viertel dessen zurückbekommen, was wir normalerweise durch Veranstaltungen eingenommen hätten, drei Viertel des Geldes sind in der Corona-Zeit aber unwiederbringlich verlorengegangen. Das bedeutet, dass wir künftig auf Sponsorensuche gehen und Mitglieder anwerben müssen, um unsere zwei Bundesligamannschaften zu finanzieren.“

Lange her ist auch der letzte Auftritt des „Kärntner Landesjugendchores“. „Im Dezember 2019 gaben wir unser letztes Konzert in Völkermarkt“, sagt die organisatorische Leiterin Eva Hoffmann, 33. Normalerweise hat der Chor, der 2005 gegründet wurde, mit seinen 50 Mitgliedern, alle im Alter zwischen 15 und 28 Jahren, ungefähr zehn Auftritte im Jahr. Doch in der Corona-Pandemie gab es auch keine Proben mehr. „Das war eine schwierige Zeit. Wir haben daher einen Videochor im Internet gegründet und die Mitglieder haben von zuhause ihre Stimmen eingesungen“, sagt Hoffmann.

„Um finanzielle Unterstützung wollten wir nicht extra ansuchen, weil wir unsere schon geplanten Reisen kostenfrei stornieren konnten und unsere Chorleiter auf ihre Gage verzichtet haben. Normalerweise bekommt unser Chor 25.000 Euro Jahres-Förderung, doch das deckt unsere Kosten bei Weitem nicht ab. Wenn wir etwa einen Auftritt in Deutschland haben und dort übernachten müssen, zahlt jedes Mitglied an die 30 Euro Selbstbehalt dazu“, erklärt Hoffmann.

Der Sprecher des Chorverbandes Salzburg, Florian Grabner bestätigt, dass Corona eine „schwierige Zeit“ für Chöre ist. „Tatsächlich haben sich aufgrund der Pandemie in Salzburg bis jetzt rund fünf Chöre aufgelöst. Meist handelt es sich um Vorzieheffekte, das heißt, die betroffenen Chöre sind überaltert oder waren bereits weniger aktiv und nehmen die Pandemie zum Anlass, die Zusammenkünfte endgültig zu beenden.“

Eine Unterstützung von gerade einmal 1.500 Euro hat der Sportverein (SV) Antau im Bezirk Mattersburg im Burgenland erhalten. „Wir sind natürlich dankbar, aber das deckt nur einen Bruchteil unserer laufenden Ausgaben“, erklärt der Obmann Karl Gerdenich. „Unsere Einnahmen kommen von den Mitgliedern, kleinen Sponsoren sowie den Kantinen. Sie machen jeweils schon 25.000 bis 30.000 Euro Umsatz im Jahr. Jetzt kann man sich ausrechnen, was 1.500 Euro sind. Zum Vergleich kostet eine Mannschaftsgarnitur Dressen für rund 20 Sportler schon 1.500 Euro. Wir haben aber fünf Mannschaften zu versorgen.“ rb/reiter/morri
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