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Ausgabe Nr. 28/2021 vom 13.07.2021, Fotos: Universal Music
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Helge Schneider hat den Humor in der Corona-Krise nicht verloren.
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Ab Freitag im Handel. Das Doppelalbum enthält verschiedene Stile wie Swing, Blues, Bebop und Klassik.
„Witz wird immer gebraucht“
Der fünffache Vater Helge Schneider, 65, ist nicht nur ein Sänger. Der Multi-Instrumentalist und Musikclown („Katzenklo“) schraubt in seiner Freizeit gern an seinem Oldtimer-Traktor der Marke Deutz (15 PS) herum. Jetzt hat er aber wieder einmal ein neues Werk fertiggestellt. Es ist ein Doppelalbum und heißt „Die Reaktion: The Last Jazz II“.
Warum darauf sein erst elfjähriger Sohn Charly als Schlagzeuger zu hören ist, erklärte Schneider dem WOCHE-Reporter Olaf Neumann im Gespräch.
Herr Schneider, das Doppelalbum „Die Reaktion: The Last Jazz II“ (ab Freitag im Handel) ist bereits Ihre zweite Produktion während der Corona-Pandemie. Wollen Sie mit der Platte zeigen, wer Sie wirklich sind?
Ich habe immer schon Jazz-Musik gemacht. Ich will eigentlich gar nichts damit zeigen, sondern einfach nur machen. Ich habe im Lauf der Zeit einiges aufgenommen und das hörte sich auch ganz gut an. Ende November bekam ich einen Auftrag, eine Filmmusik zu komponieren und zwar für einen französischen Dokumentarfilm. Und dann bin ich dabei geblieben und habe ein Sammelsurium verschiedenster Ideen zu einem Brei geflochten.
Wie kam es, dass Ihr Sohn Charly Ihr Schlagzeuger wurde?
Erst wollte ich ihn nur eine Viertelstunde lang trommeln lassen, aber als mein Schlagzeuger einmal nicht konnte, fragte ich Charly, ob er sich auch ein ganzes Konzert zutrauen würde. Er meinte: „Ja sicher.“ Er spielt langsamen Blues wie ein Opa. Henrik, der Gitarrist, und ich waren von den Socken.
Ist Charly mit Ihrer Musik aufgewachsen?
Als Charly ein halbes Jahr alt war, kam er mit mir auf Tournee. Seither ist er immer wieder dabei gewesen. Er spielte schon mit eineinhalb Jahren mit mir zusammen Modernen Jazz. Aber auch nur mit mir. Wenn er daheim in Berlin (D) ist und in die Schule geht, fasst Charly das Schlagzeug nicht an.
Wie macht er sich?
Er hat ein völlig unvoreingenommenes Klangbild und klingt unheimlich gut. Das liegt auch an seiner Größe. Wenn ein kleiner Mensch so einen Knüppel auf ein Becken haut, schlägt er da für seine Verhältnisse ziemlich fest drauf. Aber es klingt anders als bei einem Erwachsenen, der dieselbe Kraft aufwendet. Irgendwie ist der Mensch auch ein Resonanzkörper.
Haben Sie während der vergangenen Monate mit Ihrem Sohn daheim auch für die Schule gelernt?
Ich habe es versucht. Es ist nicht so einfach. Ich bin mit Charly neun Stunden an seinen Mathematikaufgaben gesessen. Ich finde, ein Elfjähriger muss nicht neun Stunden am Tag Mathe lernen. Wenn er den Stoff nicht versteht, müssen wir eben so lange warten, bis er soweit ist. Jemand, der gut rechnen kann, ist nicht zwangsläufig intelligent – und umgekehrt. Denn die Logik in der Mathematik ist manchmal verschlüsselt. Wer sagt denn, dass zwei plus zwei gleich vier ist?
Sind Sie enttäuscht, wenn Ihre Kinder mit schlechten Noten nach Hause kommen?
Das ist mir egal. Dem Charly sind Noten auch gleichgültig.
Waren Sie als Schüler auch so?
Ich hatte einen Freifahrtschein in Französisch. Mein Lehrer sagte zu mir: „Es wäre gut, wenn du gar nicht kommst. Ich gebe dir sofort ein ‚Nicht genügend‘. Bist du damit einverstanden?“ Ja klar, da hatte ich frei. Das könntest du heute nicht mehr machen, denn dann würden die Eltern zu einem Anwalt gehen. Meine Eltern haben das aber nicht gewusst.
Werden Sie heuer noch Konzerte geben?
Meine Prognose lautet: Heuer wird wohl nichts in normaler Form ablaufen. Vielleicht werden wir im Sommer vor Strandkörben spielen.
Corona hat Ihnen also nicht den Humor verdorben …
Humor baut auf so etwas auf. Ich bevorzuge jetzt keinen schwarzen Humor, aber Witz wird immer gebraucht. Er ist das Blut des Lebens. Bei jeder Beerdigung sind die Menschen ja irgendwie auch lustig.
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