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Ausgabe Nr. 28/2021 vom 13.07.2021, Foto: stock.adobe.com (2)
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Der Klimawandel stört die Symbiose zwischen Korallen und Algen erheblich, was zur gefürchteten Korallenbleiche führen kann, einem Massensterben am Riff.
Auf Tauchgang mit den Rettern des Riffs
Die tropischen Korallenriffe gehören zu den kostbarsten und zugleich bedrohtesten Ökosystemen auf unserer Erde. Sie sind jedoch nicht nur hübsche Lebensräume für Fische. Sie sind auch für uns Menschen von großer Bedeutung. Vor der Küste Mexikos versuchen engagierte Umweltschützer, die empfindliche Unterwasserwelt vor dem drohenden Untergang zu retten. In mühevoller Handarbeit.
Seitdem der herzige Clownfisch für den Hollywood-Animationsfilm „Findet Nemo“ den Ozean durchquert hat, weiß nahezu jeder, dass Korallenriffe die schützende Kinderstube zahlreicher Meeresbewohner und der Mittelpunkt der maritimen Artenvielfalt sind.

Sterben die Korallen, so geht dieser wertvolle Lebensraum verloren. Aber auch uns selbst würde das empfindlich treffen. Denn die Fische, die darin leben, sind Nahrungsgrundlage und Einnahmequelle für viele Millionen Menschen. „Außerdem schützen die farbenfrohen Riffe auch die Küstenlinien vor Erosion durch Stürme und fungieren als Barriere für den Anstieg des Meeresspiegels“, weiß Maria Rivas. Die anerkannte Meeresbiologin leitet deshalb am Riff vor Puerto Morelos auf der Halbinsel Yucatán (Mexiko) eine Gruppe von engagierten Umweltschützern, die sich auf die Unterwasserrettung von verletzten Korallen spezialisiert hat.

„In diesem Gebiet kommt es häufig zu heftigen Hurrikans. Durch die Kraft der Wellen brechen dann aber auch zahlreiche Korallen vom Riff ab, fallen in den Sand und werden dort begraben“, berichtet Maria Rivas.
Sobald sich also die See wieder etwas beruhigt hat, fährt die Wissenschaftlerin mit ihren Mitstreitern hinaus, sammelt die Bruchstücke auf und klebt sie in liebevoller Kleinarbeit mit einer speziellen Paste wieder ans Riff.

Eine echte Knochenarbeit. Immerhin müssen die „Korallensanitäter“ einen fast 60 Kilometer langen Abschnitt ständig überwachen, um die Schäden des mehr als tausend Kilometer langen Mesoamerikanischen Riffsystems halbwegs einschätzen zu können. „Wir können mit unserer Arbeit natürlich nicht das ganze Korallenriff retten, aber dazu beitragen, dass zumindest ein kleiner Teil der Schäden ausgeglichen wird“, erklärt die Expertin. Besonders erfreut zeigt sich Maria Rivas, wenn sie bemerkt, dass all ihre mühevollen Klebearbeiten die nächsten Stürme überleben. „Und das“, sagt die Biologin, „gibt doch Hoffnung.“

Heftige Meeresstürme sind freilich nicht die einzige Gefahr für die Korallen. Auch der steigende Stickstoffwert, rücksichtslose Bautätigkeiten, verschmutztes Abwasser, die Überfischung sowie der Massentourismus bedrohen die Riffe. Zudem sind Korallen extrem temperaturempfindlich. Steigt die Wassertemperatur auf mehr als 30 Grad, sterben die mikroskopisch kleinen Algen an den Korallen ab, die zum Großteil für den Stoffwechsel der fantasievollen Gebilde aus Kalk zuständig sind. „Was danach übrigbleibt, sind farblose, bröckelnde Ruinen, in denen Fischschwärme kaum noch Nahrung finden“, erklärt Maria Rivas.

Gesunde Riffe können sich zwar in wenigen Jahren von der sogenannten „Korallenbleiche“ erholen. Doch die Abstände zwischen den Hitzewellen sind kürzer geworden. „Zu kurz, als dass die schon seit Urzeiten existierenden Ökosysteme Zeit zum Nachwachsen hätten“, bedauert die Meeresbiologin.
Laut Angaben verschiedener Umweltschutzorganisationen ist in den vergangenen 30 Jahren bereits die Hälfte aller tropischen Riffe verschwunden. „Wir sind auf Kurs, bis 2050 knapp 90 Prozent aller Korallenriffe zu verlieren“, warnt Maria Rivas und macht sich sogleich wieder zum Tauchgang bereit.

Diese Welt darf nicht untergehen
Korallenriffe sind Heimat für mehr als eine Million Lebewesen und ein Viertel der weltweiten Fischpopulation. Sie gehören auch zu den ältesten Ökosystemen der Welt – es gibt sie seit mehr als 500 Millionen Jahren.
Die Koralle selbst, von der es 4.000 Arten gibt, gehört zu den Blumentieren. Die wiederum gehören zum Stamm der Nesseltiere, genau wie die Quallen.
Korallen haben keine Lebensspanne. Sie existieren, solange es die Bedingungen und die Umwelt erlauben.
Die optimale Temperatur für die meisten Korallenarten liegt zwischen 20 bis 30 Grad. Schon ein Temperaturanstieg von einem bis zwei Grad kann verheerende Folgen haben.
Jahr für Jahr verblassen immer größere Teile der bunten Unterwasserwelt. Und auch beim australischen „Great Barrier Reef“ – das mit 2.000 Kilometern längste Riff der Welt – bleibt die Lage weiterhin angespannt.
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