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Ausgabe Nr. 28/2021 vom 13.07.2021, Foto: stock.adobe.com (2)
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Im Osten Hitze und Trockenheit, im Westen kühl und nass.
Das geteilte Land
Während zuletzt der Osten in der Hitzewelle schwitzte, wurden etwa in Bregenz (V) Temperaturen unter 20 Grad gemessen. Schuld daran ist eine „Omega-Wetterlage“, die das Land geteilt hat. Doch auch im Osten dürfte die extreme Hitze fürs Erste vorbei sein.
Mehr als 34 Grad meldeten Meteorologen in der vergangenen Woche am Polarkreis. Im Norden Europas war es so heiß wie selten zuvor. Doch nicht nur die Skandinavier schwitzten. Auch Niederösterreich, Wien und das Burgenland stöhnte unter der Hitzewelle.
Wobei die Wetterkarten die enormen Gegensätze im geteilten „Temperatur-Land“ offenbarten. Denn während in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) das Thermometer am bisher heißesten Tag, dem 8. Juli, auf 37,5 Grad kletterte, lagen in Vorarlberg und Tirol die Temperaturen unter 20 Grad.
„Wir haben ein beständiges Hochdruckgebiet über Skandinavien und Westrussland“, erklärt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) die Wetter-Zweiteilung. „In dessen Einfluss liegt der Osten unseres Landes. Der Westen liegt im Einfluss der Tiefdruckgebiete, die nördlich oder südlich daran vorbeiziehen müssen.“

Diese „Omega-Wetterlage“ heißt so, „weil das Hochdruckgebiet in einer Form umströmt wird, die dem griechischen Buchstaben Omega ähnelt“, sagt der ZAMG-„Wetterfrosch“. „Wobei wir am Südrand eher in die Tiefdrucktätigkeit hineinkommen und ein Auf und Ab bei den Temperaturen haben werden. Auch die Möglichkeit für Unwetter besteht weiterhin.“ Im Osten bleibt es zwar weiterhin wärmer, die Hitzewellen dürften aber fürs Erste vorbei sein.

Die Unwetter-Serie mit schwerem Hagel hat in der Landwirtschaft schon mehr als 70 Millionen Euro Schaden verursacht. Doch insgesamt regnete es in weiten Teilen unseres Landes im Juni zu wenig. „Im Osten des Landes war es bisher viel zu trocken“, bestätigt Martin Templin vom Wetterdienst Ubimet. In Wien und in Eisenstadt (B) sind bisher erst rund ein Fünftel des zu erwartenden Niederschlages für den gesamten Sommer gefallen. Obwohl wir schon mehr als ein Drittel des meteorologischen Sommers hinter uns haben.

Viel Regen im Inn- und Mühlviertel
Deutlich zu nass war es hingegen zuletzt im Inn- und Mühlviertel (OÖ). „Dort ist teilweise bis zu 50 Prozent mehr Niederschlag gefallen als üblicherweise im gesamten Sommer. Ende Juni hat es Gewitter mit kräftigem Regen und teils großem Hagel gegeben.“
Schon unsere Vorfahren folgten dem Wetter. Die Prophezeiungen zu den Lostagen fußen auf jahrhundertlangen Beobachtungen. So trifft die Bauernregel „Das Wetter am Siebenschläftertag sieben Wochen bleiben mag“ in sieben von zehn Jahren zu. Allerdings nicht für sieben, sondern lediglich für drei bis vier Wochen.

Der Sommer im Osten wird wieder zu warm
Offiziell ist der Siebenschläfertag am 27. Juni. Doch durch die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582 hat sich das „Wetter-Orakel“ auf den 7. oder 8. Juli verschoben. Dass die Prophezeiung heuer zutrifft, ist unwahrscheinlich. Denn von den Ausläufern des Azorenhochs und seinen Auswirkungen, auf das sich die Bauernregel bezieht, ist derzeit bei uns nichts zu merken.
Nach dem kalten Frühling ist der Juni „landesweit rund drei Grad zu warm ausgefallen und auch der Juli deutet im Osten an, dass er überdurchschnittlich verläuft“, sagt der Ubimet-Experte Templin. „Wir können davon ausgehen, dass der Sommer in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland wieder zu warm sein wird.“

Anders als der bisherige Juli brachte der Juni im ganzen Land Hitzetage von mehr als 30 Grad. Einige Regionen erlebten sogar die längste Serie an „30er-Tagen“ in Folge. In Linz waren es sechs, in Innsbruck acht und in St. Pölten sieben. Insgesamt hat sich die durchschnittliche Zahl der Hitzetage in den vergangenen drei Jahrzehnten überall vervielfacht. Aber es ist nicht nur die Temperatur, die ein Indiz des Klimawandels ist. „Die lange anhaltende Kälte im April und Mai ist zum Teil auf den Klimawandel zurückzuführen“, erklärt Alexander Orlik. „Denn im Zuge dessen erfolgen die Wetterwechsel nicht mehr so schnell, die Abfolge von Hoch- zu Tiefdruckgebieten hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt.“

Mittelmeer und Atlantik dämpfen Hitzespitzen
Den Hitzerekord in Kanada von fast 50 Grad Ende Juni führen Forscher auf den Klimawandel zurück. Er ist ebenfalls das Ergebnis einer „Omega-Wetterlage“ mit demselben Wetter für lange Zeit. Doch „von Werten um 50 Grad sind wir in Mitteleuropa, glaube ich, noch weit entfernt“, gibt der Meteorologe Orlik Entwarnung. „In Nordamerika gibt es mit den Rocky Mountains eine von Süden nach Norden verlaufende Bergkette, sie beeinflusst die Luftströmung anders als die von Westen nach Osten verlaufenden Alpen. Im Süden haben wir noch das Mittelmeer, das dämpfend wirkt auf extreme Temperaturspitzen. Auch der Atlantik ist relativ nah, der extreme Temperaturen abschwächen kann.“
Dass hierzulande das Thermometer wieder auf mehr als 40 Grad klettert, ist nicht auszuschließen. 2013 wurde dieser Wert an drei Messstationen überschritten. „Dass wir in Mitteleuropa auf Temperaturen von mehr als 45 Grad kommen, wird wahrscheinlich in näherer Zukunft aber nicht der Fall sein.“

Immer öfter heiße Tage mit mehr als 30 Grad
Auch wenn es zuletzt im Westen deutlich kühler war als im Osten unseres Landes, steigt im Durchschnitt die Zahl der Hitzetage mit 30 Grad oder mehr.
Jährliche heiße Tage im Schnitt, in Grad Celsius
von 1961 bis 1990 von 1991 bis 2020

Eisenstadt 11,4 21
Wien 9,6 20,9
St. Pölten 11,8 17,9
Graz 3,7 17,4
Linz 6,6 15,8
Klagenfurt 6,2 18,8
Salzburg 5,8 13,1
Innsbruck 9 22,6
Bregenz 2,7 8,5
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