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Ausgabe Nr. 26/2021 vom 29.06.2021, Foto: AdobeStock
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Corona-Impfung bei den Zwölf- bis 15jährigen. Fragen und Antworten zur Sicherheit und Notwendigkeit.
Genesene Kinder sind eine Zeit gut geschützt
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gilt die Impfung als stärkstes Mittel. Doch davon ist nicht jeder überzeugt. Ein Viertel der Menschen in unserem Land, darunter auch viele Ärzte, ist skeptisch. Sie bezweifeln den Nutzen, fürchten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Impfung, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.
Ende Mai gab das heimische Nationale Impfgremium, kurz NIG, grünes Licht für die Corona-Schutzimpfung bei Kindern von zwölf bis 14 Jahren. Verimpft wird der neuartige mRNA-Impfstoff der Firma Pfizer, der derzeit einzige Corona-Impfstoff mit Zulassung von der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Diese Entscheidung stößt nicht überall auf Zustimmung. Laut einer Gallup-Umfrage ist jeder Vierte im Land skeptisch, was den Nutzen und die Wirkung der Corona-Impfung betrifft. Dazu hat sich eine Gruppe von (nach eigenen Angaben) dreihundert Medizinern formiert, die unter dem Motto „Wir zeigen unser Gesicht“ ihre Bedenken, Sorgen und Zweifel über die CoronaSchutzimpfung für Minderjährige äußert.

Ihre Sorgen gelten den Nebenwirkungen und möglichen Langzeitfolgen. Dazu gibt es Kritik. Die bisherige Studie mit 2.000 Kindern sei zu klein und zu kurz gewesen, um „zuverlässige Aussagen über die Langzeitsicherheit und -effektivität der Impfung bei Kindern abzuleiten“, meint der Internist Univ.-Prof. Andreas Sönnichsen. Die Kinderärztin Dr. Christine Saahs sagt, „Die Nebenwirkungen der Impfung zeigen sich in den Studien umso stärker, je jünger die Probanden sind.“

Kritik übte vor wenigen Wochen der Vorsitzende der deutschen „Ständigen Impfkomission“, kurz STIKO, der Virologe Prof. Thomas Mertens, an der Aufforderung, alle Kinder ab zwölf Jahren gegen Corona impfen zu lassen. „Je geringer die Gefährdung durch eine Krankheit, desto sicherer muss die Imfpung sein. Wenn die Kinder und Jugendlichen ein sehr geringes Krankheitsrisiko haben, dann müssen wir auch verdammt sicher mit der Impfung sein. Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Altersgruppe zu machen.“ Die STIKO empfehle daher die Corona-Impfung vorerst nur für Kinder, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung haben.
„Zusätzlich wird die Impfung Kindern ab zwölf Jahren empfohlen, in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden, die selbst nicht geimpft werden können oder bei denen der begründete Verdacht auf einen nicht ausreichenden Schutz nach Impfung besteht.“

Prof. Lukas Weseslindtner: „Ohne Pandemie hätte man auf zusätzliche Studien mit mehr Kindern als Teilnehmer warten können“
Das 18-köpfige Nationale Impfgremium, kurz NIG, in unserem Land, darunter zwei Kinderinfektiologen, haben sich einstimmig für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren ausgesprochen. Der Nutzen der Impfung gegenüber dem Risiko überwiege auch in dieser Altersgruppe, heißt es aus dem NIG. Die WOCHE bat den Virologen Prof. Dr. Lukas Weseslindtner, Laborleiter für Antikörperdiagnostik am Zentrum für Virologie, MedUni Wien, um Antworten auf häufige Kritikpunkte.
Herr Professor Weseslindtner, die Zulassungsstudie für den Pfizer-Corona-Impfstoff für Kinder wurde mit 2.262 Teilnehmern gemacht. Kritiker sagen, das seien zu wenige …
Kinder sind eine schützenswerte Gruppe, daher gibt es bei Medizinstudien mit Kindern immer weniger Teilnehmer als bei Studien mit Erwachsenen. Eine Teilnehmerzahl von 2.000 Kindern ist nicht außergewöhnlich wenig, aber eher die untere Grenze. Wäre nicht die Pandemie, die es zu bekämpfen gilt, hätte man auf zusätzliche Studien mit höheren Teilnehmerzahlen warten können.
Kinder leiden nach der Corona-Impfung aber häufiger an stärkeren Nebenwirkungen als Erwachsene …
Ja, das Immunsystem von Kindern kann stärker „antworten“. An sich ist das normal für ein junges Immunsystem. Kinder bekommen allgemein schneller und häufiger Fieber als Erwachsene. Die Corona-Impfung ist eine „spürbare“ Impfung, aber von den Nebenwirkungen her nicht gefährlich.
Warum soll ein Kind gegen Corona geimpft werden, wenn Kinder kaum erkranken und wenn, meist mild?
Es stimmt, Kinder und Jugendliche waren zahlenmäßig bisher die am wenigsten betroffene Gruppe für schwere Krankheitsverläufe. Zudem waren sie durch die Maßnahmen relativ geschützt. Sie hatten oft Heimunterricht, wenig Kontakt zu anderen. Kinder haben nun wieder viele soziale Kontakte. Das Corona-Virus ist aber nicht verschwunden und die neue Mutation, die Delta-Variante, ist viel ansteckender als das Ursprungsvirus. Sie dürfte auch häufiger schwere Verläufe verursachen. Es kann passieren, dass im Frühherbst Kinder die am wenigsten durch die Impfung geschützte Gruppe ist. Das Risiko einer Corona-Ansteckung in Schulen oder anderen Einrichtungen ist dann hoch und kann überproportional viele Kinder treffen.
Viele sorgen sich, dass Viren-RNA der Impfung in die Zellkerne eindringt und damit in unsere DNA?
Die Menge RNA, die für die Impfung verwendet wird, ist ein winziger Bruchteil von jener RNA, mit der das Corona-Virus im Falle einer Infektion den Körper des Kindes „überflutet“. Die Sorge, dass die Corona-RNA in den Kern der Körperzellen eingebaut wird, ist unberechtigt. Dafür haben Zelle und Virus schlichtweg keine „Werkzeuge“.
Von Corona genesene Kinder müssten doch geschützt sein?
Kinder, die eine Infektion mit Symptomen durchgemacht haben, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit einige Zeit vor schweren Reinfektionen geschützt. Bei Kindern, die eine symptomlose oder milde Corona-Infektion hatten, sind allerdings oft nur geringe Antikörpermengen messbar. Da ist es fraglich, ob sie vor dem Virus und seinen Varianten geschützt sind. Wichtig ist die Impfung bei Kindern, die selbst eine Risikogruppe sind. Weil sie Diabetes haben, Herzschwäche, Adipositas oder eine andere Erkrankung. Eine Corona-Erkrankung kann bei ihnen einen schweren Krankheitsverlauf mit Spitalsaufenthalt bedeuten.
Es gibt keine Studie über mögliche negative Langzeitfolgen der Impfung …
Die Impfung gibt es ja auch noch nicht so lange. Bis jetzt ist jedenfalls nichts aufgefallen. Die Sicherheit der Impfung wird auch weiterhin sehr genau unter die Lupe genommen. Die dramatische Lage der Pandemie und das Ziel, so viele Menschen wie möglich zu retten, die Spitäler nicht weiter zu überlasten, das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder zu ermöglichen, hat den Zulassungsprozess natürlich beschleunigt, aber das heißt nicht, dass die Impfung nicht ausreichend sicher ist.
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