Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 26/2021 vom 29.06.2021, Fotos: Dominik Butzmann
Artikel-Bild
Der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen, 53, verfolgt ein hehres Ziel.
Artikel-Bild
Eckart von Hirschhausen zeigt, was die globalen Krisen unserer Zeit für unsere Gesundheit bedeuten. In seinem Buch stellt der „Kabarett-Arzt“ Ideen für eine bessere Welt vor.
„Ich möchte Mutter Erde heilen“
Der Klimawandel ist wahrlich nicht zum Lachen. Doch der „Kabarett-Arzt“ Eckart von Hirschhausen zeigt, wie sich der größten Krise unserer Zeit auch gut gelaunt begegnen lässt. In seinem neuen Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ gibt er, mit einer Prise Humor, Empfehlungen, wie wir es schaffen könnten, das Ruder noch herumzureißen.
Seit Kindertagen liebe ich Sommerurlaube in Österreich, die Berge, die Natur, die Seen und den Kaiserschmarrn. Aber diese Idylle bekommt zunehmend einen Knacks. In den Alpen bröckelt es. Hoch oben werden Berge im Inneren durch Kälte zusammengehalten. In den Spalten und Rissen im Stein wirkt das Wasser wie ein Kitt. Wenn es wärmer wird, schmilzt es, dehnt sich aus, und der Verbund, der Millionen Jahre gehalten hat, geht verloren. Die Einschläge kommen immer näher“, schreibt Eckart von Hirschhausen in seinem Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ (dtv, ISBN 978-3-423-28276-5).
Seit 20 Jahren vermittelt der deutsche Arzt, Kabarettist, Fernseh-Moderator („Frag doch mal die Maus“, Quiz-Sendung) und Buchautor („Lachen, wenn der Arzt kommt“, „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“) Wissen auf unterhaltsame Weise.

Was er auch in seinem neuen Buch versucht. „Botschaften, die nur Angst erregen und schockieren, tragen wohl kaum dazu bei, dass die Menschen ihr Handeln ändern. Humorvoll verpackt, kommen fachliche Informationen leichter an den Schallschutzmauern unserer Gehirne vorbei. Deshalb sollten wir gut gelaunt und mit einer Prise Humor über die Klimakrise reden“, ist der 53jährige überzeugt.
Am 25. August 1967 in Frankfurt am Main (D) als Sohn des Chemikers Heinrich von Hirschhausen geboren, stammt der Mediziner aus einer deutsch-baltischen Gelehrtenfamilie. Als „Kabarett-Arzt“ wurde er mit seinen Programmen, in denen er Medizin, Spaß und Magie miteinander verbindet, bekannt. Schon während seines Studiums sammelte er Bühnenerfahrung als Zauberkünstler. „Zaubertricks mochte ich schon als Kind, ebenso Witze. Für meine Eltern habe ich sogar kleine Witz-Bücher geschrieben“, erzählt er.
Auch in seinem neuen Buch, das alles andere als ein witziges Thema behandelt, kommt der Humor nicht zu kurz. „Ich möchte Mutter Erde heilen“, verfolgt er ein hehres Ziel. Der Klimawandel ist für ihn die größte Gesundheitsgefahr der Gegenwart und Mutter Erde liege bereits auf der Intensivstation.

Im Kapitel „Heißer Scheiß“ fragt er schelmisch, ob er denn 30-Grad-Wäsche bei 40 Grad aufhängen darf. „Ab einer Körpertemperatur von fieberhaften 40 Grad fangen wir an zu halluzinieren. Ab 42 Grad fällt unser Hirn dann komplett aus. Böse Zungen behaupten, das würde im Fitnessstudio kaum auffallen“, witzelt er.
Er selbst habe Hitze noch nie gut vertragen und fühle sich gar nicht wohl, wenn es den ganzen Tag mehr als 30 Grad hat. „Dachbegrünung, Pflanzen an der Fassade sowie Grünanlagen und Gewässer in der Umgebung helfen, die Temperaturen zu senken. Aber unsere Städte sind mit Beton und Stein versiegelt. Nirgendwo kann Wasser im Boden langsam versickern und verdunsten und damit das tun, was die Haut für uns tut – kühlen“, kritisiert er die immer größeren „Betonwüsten“, durch die auch kein Wind weht, weil bei der Planung nicht auf Frischluftschneisen geachtet wurde.

Weniger lustig werden die Haustier-Liebhaber das Kapitel finden, in dem Hirschhausen fragt, „Sollen wir Hunde hüten oder häuten?“. „Den Spruch ‚Überlassen wir das Denken den Pferden, die haben die größeren Köpfe‘ habe ich schon als Schüler gehasst“, schreibt er. Er fragt sich, was Pferde über uns Menschen denken, wenn wir regelmäßig auf ihrem Rücken herumturnen, und ob das auch für die Pferde das Glück der Erde bedeutet. Worüber sich ein Pferd den großen Kopf noch nie zerbrochen hat, ist die eigene CO2-Bilanz. „Gut, die ist den meisten Menschen auch egal“, sagt Hirschhausen und er regt an, darüber nachzudenken, was für Umweltsäue all die Haustiere sind. In seiner Heimat Deutschland habe sich die Anzahl der Hunde seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Zehn Millionen Hunde und 15 Millionen Katzen leben dort. „Leider werden die Bedürfnisse der Tiere nicht berücksichtigt. Sie gelten als Unterhaltungsobjekt“, kritisiert er. „Oder auch Prestige-Objekt. Die verletzte Katze von Cristiano Ronaldo wurde mit dem Privat-Jet zum Tierarzt gebracht. Und Lady Gaga stellte für ihre gestohlenen Hunde 500.000 Dollar als Finderlohn in Aussicht“, hinterfragt der Arzt die Tierliebe. Der Trend zu einer Vermenschlichung der Haustiere beinhalte weiters, dass in Tierfutter vermehrt Fleisch enthalten sei. „Fairerweise muss ich sagen, dass Haustiere nicht unser größtes Problem im Hinblick auf den CO2-Ausstoß sind. Das sind nach wie vor Mobilität, Konsum und Wohnen. Aber wie auch beim Auto gilt, ein kleiner Hund ist für das Klima und die Umwelt besser als ein großer. Also lieber Dackel als Dogge“, empfiehlt er zum Wohl der Umwelt.

Abschließend sinniert Eckart von Hirschhausen im Kapitel „Mein Traum 2050“ darüber, wie es sein könnte, wenn es uns doch gelingt, das Ruder gerade noch rechtzeitig herumzureißen. Er lebe gern im 21. Jahrhundert und es solle nicht „unser letztes gutes Jahrhundert“ sein, meint er. „Wir essen mindestens doppelt so viel Fleisch, als es gesund wäre. Hören wir auf, Nutztiere umzubringen, denn damit bringen wir uns gleichzeitig selber um“, sagt Hirschhausen.
Denn industrielle Massentierhaltung sei einer der ganz großen Faktoren der Klimakrise, verantwortlich für mehr Treibhausgase, als durch die Ausstöße aller Autos, Schiffe und Flugzeuge der Welt zusammen erzeugt werden.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung