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Ausgabe Nr. 23/2021 vom 08.06.2021, Fotos: Cajetan Perwein, Oliver Wolf
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Leonore Gewessler, Josef Herk
Kurzstrecken-Flug von Graz nach Wien streichen?
Gut eine halbe Stunde sind Flugreisende zwischen Graz und Wien in der Luft. Mit dem Zug dauert die Fahrt aus der Steiermark zum Flughafen Wien derzeit etwas mehr als drei Stunden. Noch, denn mit dem Ausbau der Südbahn verringert sich die Zeit auf der Schiene. Beim Corona-Hilfspaket für die AUA wurde festgelegt, Kurzstreckenflüge auf die Bahn zu verlagern, wenn unter anderem „eine direkte Erreichbarkeit deutlich unter drei Stunden nach Wien Flughafen sichergestellt ist“.
JA:
Leonore Gewessler,
Klimaschutzministerin (Grüne)

„Der Kampf für mehr Klimaschutz und gegen die zunehmende Erhitzung unserer Erde ist unsere gemeinsame Aufgabe. Wir müssen heute dafür sorgen, dass unsere Kinder und Enkel morgen auf unserer Erde noch ein gutes und schönes Leben führen können. Gerade im Verkehr haben wir hier einiges zu tun. Ein wichtiger Beitrag ist der Ausbau der Bahn. Denn wenn wir in den Zug einsteigen, anstatt zu fliegen, schützen wir das Klima. Damit das noch öfter möglich wird, müssen wir die Bahn ausbauen. So, dass sie auf immer mehr Strecken zur besseren und schnelleren Alternative wird. Innerhalb Österreichs ist das heute schon oft der Fall. Von Linz oder Salzburg nach Wien wird nicht mehr geflogen, weil es mit dem Zug einfacher geht. Ich habe mit der AUA vereinbart, dass wir alle kurzen Inlandsflüge einstellen, wenn der Zug auf der gleichen Route nicht länger als drei Stunden braucht. Wenn der Ausbau der Südbahn abgeschlossen ist, wird das auch für den Flug Graz-Wien gelten. Dann ist der Zug dort einfach bequemer. Und man erspart sich den Weg zum Flughafen, die Sicherheitskontrolle und das Einchecken. So schützen wir das Klima und den Planeten. Für uns, aber auch für unsere Kinder.“

NEIN:
Josef Herk, Präsident
Wirtschaftskammer Steiermark

„Die rasche und einfache Erreichbarkeit ist ein wesentlicher Standortfaktor, gerade in einer international vernetzten Wirtschaft. Umso mehr sorgen die jüngst neuerlich kolportierten Aussagen von Verkehrsministerin Leonore Gewessler, Kurzstreckenflüge – wie die von Graz nach Wien – mit dem Ausbau der Südbahn zu verbieten, für große Unsicherheit und Sorge. Schließlich wird diese Verbindung fast ausschließlich als Zubringer genutzt. Mehr als 95 Prozent der von Graz aus nach Wien fliegenden Passagiere haben die Bundeshauptstadt nicht als finales Ziel. Hier also mit Verboten zu drohen, halten wir sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus umweltpolitischer Sicht für alles andere als sinnvoll. Denn dadurch würde nicht nur der Flughafen Graz als internationale Drehscheibe massiv an Attraktivität verlieren, sondern auch die Umwelt stärker belastet werden, weil viele Flüge dann nach Deutschland umgeleitet würden beziehungsweise Grazer Geschäftsreisende mit dem Auto nach Wien-Schwechat pendeln würden. Eine solche politische Weichenstellung kann nicht im Sinne unseres Landes sein, vor allem in Zeiten einer pandemiebedingten Wirtschaftskrise.“
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