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Ausgabe Nr. 22/2021 vom 01.06.2021, Fotos: Warner Music/Sven Sindt, zVg
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„Die Prinzen“ haben sich für ihr neues Album frische Kräfte von außen geholt, erklärt Sebastian Krumbiegel.
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Das Album besteht aus einem Mix aus neuen Lieder und alten, aufgepeppten Stücken. Humorvoll und gesellschaftlich relevant sind „Die Prinzen“ geblieben.
„Wir wollen nicht wie alte Säcke klingen“
Sie feiern bereits ihr dreißigjähriges Jubiläum. „Die Prinzen“ aus der deutschen Stadt Leipzig rund um den Sänger Sebastian Krumbiegel (3. v. li.) machen das mit einem neuen Album. „Krone der Schöpfung“ ist seit Freitag im Handel. Im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt Krumbiegel, der am 5. Juni seinen 55. Geburtstag feiert, warum er und seine Kollegen Kindsköpfe geblieben sind und er sich mit der geschlechterspezifischen Sprache schwer tut.
Herr Krumbiegel, „Die Prinzen“ haben 30 Jahre auf dem Buckel. Das Alter ist ihnen auf „Krone der Schöpfung“ aber gar nicht anzuhören?
Danke. Fakt ist, dass wir tatsächlich keine Lust haben, wie alte Säcke zu klingen. Wir hatten einen Plan und der hieß: Eine geile Platte machen. Unsere neue Plattenfirma hat uns überredet, Lieder mit anderen Textern zu schreiben und ein bisschen frische Luft in das Prinzenschloss hineinzulassen. Ich war gegen diese Idee, schließlich waren wir immer eine autarke und selbstständige Band, aber im Nachhinein weiß ich, dass die Entscheidung, eingefahrene Wege zu verlassen, eine gute war.
Sind Sie und Ihre Kollegen überhaupt noch die Alten?
Wir haben alle eine Schönheitsoperation hinter uns – nein, natürlich nicht. Es wäre Quatsch zu sagen, wir sind noch die gleichen Menschen wie vor 30 Jahren. Wir alle ändern uns. In manchen Beziehungen entwickelst du dich in unterschiedliche Richtungen und lebst dich auseinander, wir hingegen haben es geschafft, unsere Liebe füreinander frisch zu halten. Wir alle haben Kinder, haben Familie, da verschieben sich die Prioritäten. Die Band ist nicht mehr alles. Trotzdem wissen wir, dass „Die Prinzen“ unser künstlerisches Zuhause sind.
Im Lied „Das sind wir“ heißt es: „So viele Jahre und noch immer von ganzem Herzen Spinner“. Sie sind Mitte 50 und noch ein Spinner?
Unser Beruf ist dafür geeignet, den Kindskopf in sich zu bewahren. Wir sind aus gutem Grund keine Steuerberater oder Handwerker geworden, sondern Künstler. Wir stellen uns auf die Bühne und wollen beklatscht werden. Ein weiteres neues Lied heißt „Dumme Ideen“. Wir empfinden es als Privileg, unsere dummen Ideen umsetzen zu können. Wir werden immer dankbarer und demütiger, was für einen Hammerberuf wir haben. Das Einzige, was mir gerade wirklich fehlt, ist das Adrenalin, das du bekommst, wenn du live spielst.
Für das neue Album wurden auch alte Lieder aufgepeppt. „Deutschland“ wird immer wieder von Rechts­gesinnten gegrölt …
… deshalb haben wir das Lied bei den Neubearbeitungen der alten Hits auch bewusst außen vorgelassen. Natürlich wissen wir, dass ein Satz wie „Darf man Frauen überhaupt noch Komplimente machen?“ problematisch sein kann. Deshalb haben wir darauf geachtet, dass die letzte Strophe klar auf die Querdenker und kruden Verschwörungstheoretiker zielt. Mit diesen Menschen haben wir nichts gemeinsam.
Wo ist für Sie als Künstler, der mit Sprache spielt, Schluss mit lustig?
Ich gebe zu, mit dem Gendern tue ich mich schwer. Ich sage lieber „Taxifahrerinnen und Taxifahrer“ als „Taxifahrer*innen“. Und wenn ich mit meinen Eltern rede, die 85 und 80 Jahre alt sind und sich bester Gesundheit erfreuen, dann kommen da auch Sager, bei denen ich schlucken muss. Etwa, wenn meine Mutter sagt: „Ich habe immer Mohrenkopf gesagt, und ich werde auch weiterhin Mohrenkopf sagen.“ Ich habe ihr versucht zu erklären, dass sich Menschen durch das Wort beleidigt fühlen könnten. Es ist ein schmaler Grat zwischen überzogenem Moralisieren und alles durchgehen lassen.
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