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Ausgabe Nr. 22/2021 vom 01.06.2021, Foto: Tina Korhonen
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Bonnie Tyler wurde am 8. Juni 1951 in dem kleinen Ort Skewen, in der Nähe von Swansea, Wales, geboren. Ihr bürgerlicher Name lautet Gaynor Hopkins. Zum Singen kam sie, weil sie von einer Tante heimlich für einen regionalen Gesangswettbewerb angemeldet wurde. Die Teilnahme fiel Tyler schwer, weil sie schüchtern war, doch sie belegte den zweiten Platz und trat daraufhin in kleinen Lokalen auf.
Weithin bekannt wurde sie im Jahr 1978 durch den Hit „It‘s a Heartache“. Seit 1973 ist die Sängerin mit Robert Sullivan, 71, einem ehemaligen britischen Judoka, verheiratet.
„Wünsche erfüllen sich nur, wenn sie geheim bleiben“
Es gibt schlechtere Orte als ein herrliches Refugium an der Küste Portugals, um die Coronabedingten Ausgangssperren zu verbringen. Dort sieht die aus Wales stammende Sängerin Bonnie Tyler ihrem 70. Geburtstag entgegen. Sie blieb nicht untätig, sondern veröffentlichte ein neues Album und hat sich zwei Eigenschaften angeeignet.
Hallo, Frau Tyler, Sie haben sich mit dem Album „The Best Is Yet To Come“ praktisch selbst ein Geburtstags-Geschenk gemacht. Auf dem Umschlag-Bild sehen Sie topfrisch aus. Ist das ein aktuelles Bild?
Also bitte. Das Foto haben wir vor zwei Jahren gemacht, aber ich stimme zu, das Cover sieht sehr nach den 80ern aus. Na ja, es ist ein Gemälde, da sind die Falten nicht so zu sehen. Aber davon abgesehen möchte ich behaupten, dass ich für mein Alter ziemlich jung aussehe. Und auch junge Sachen mache.
Was sind junge Sachen?
Ich habe in den vergangenen zwölf Monaten zwei Fähigkeiten aus der Abteilung „Besser spät als nie“ erlernt: Kochen und Schwimmen. Es war ein gutes Jahr. Trotz der Covid-Krise.
Gewöhnlich lernen Kinder das Schwimmen …
Das war bei uns in Wales nicht so. Deshalb wurde es jetzt Zeit. Im stolzen Alter von 69 Jahren. Kann sich das jemand vorstellen?
Wer hat Ihnen das Schwimmen beigebracht?
Robert, mein Mann. Wir haben ja ein Haus an der Algarve in Portugal, und ich bin genau seit dem 15. März ohne Unterbrechung hier. Ich trat noch bei einer Show in Schweden auf, danach flog ich direkt nach Faro. Ich kann vom Haus das Meer sehen, wir machen fast jeden Tag einen Spaziergang. Wir haben die schlimmste Corona-Phase lieber hier verbracht, als zurück nach England zu fliegen. Egal, wo war ich?
Beim Schwimmen.
Richtig. Wir haben ein eigenes Becken, und es erschien mir einfach sinnvoll und angebracht, diesen blinden Fleck in meinem Leben jetzt anzugehen. Das war auch nicht so schwer. Irgendwann hat es „klick“ gemacht. Nur im Tiefen habe ich noch ein bisschen Angst. Und im Meer zu schwimmen traue ich mich auch noch nicht.
Sie werden am 8. Juni 70 Jahre alt. Haben Sie vor, groß zu feiern, sofern das möglich ist?
Gott bewahre. Ich gehe gern auf Partys, aber ich hasse es, selbst das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein. Ich werde irgendwas Schönes mit meinem Mann machen, das reicht. Die einzige Feier, die ich gern organisiere, ist das große Weihnachtsfest in unserem Haus in Swansea in Wales. Da hatte ich schon einmal 200 Menschen in der Bude. Aber das ging 2020 natürlich auch nicht. Doch ich bin kein Mensch, der sich unterkriegen lässt. Meine Lebenslust lasse ich mir von nichts und niemandem vermiesen.
Ihr Album heißt ja nicht ohne Grund „The Best Is Yet To Come“, also „Das Beste kommt noch“. Der Titel beantwortet wohl die Frage, ob Sie das Älterwerden nervt?
Tut es nicht. Mein gefühltes Alter ist 38 Jahre. Ich habe viel Energie, und ich liebe meine Arbeit, obwohl ich wegen des Geldes schon lange nichts mehr machen müsste. Trotzdem freue ich mich ganz schrecklich darauf, bald wieder auf Tour sein zu können, am liebsten gleich für mehrere Jahre in einem durch.
Sie sind unglaublich erfolgreich und hatten unter anderem mit „It‘s a Heartache“ und „Total Eclipse of the Heart“ Welthits. Wenn Sie einmal zurück­blicken, was war Ihre größte Krise?
Das war der Tod meiner Eltern. Ich hing sehr an meiner Mutter, weil ich meine Begabung zum Singen von ihr geerbt habe. Sie war eine große Opern-Liebhaberin und ging pausenlos singend durchs Haus, während sie ihre Hausarbeiten erledigte. Sie hatte eine wunderbare Opernstimme. Ich habe fünf Geschwister, drei Schwestern und zwei Brüder. Drei von ihnen singen ebenfalls. Dass meine Mutter später an Alzheimer starb, hat mir das Herz gebrochen, ich kann es nicht anders sagen. Und dass mein Hund starb, während ich in Deutschland auf Tournee war, das war auch tragisch für mich. Mein Hund hat noch auf mich gewartet, dass ich nach Hause komme, doch er hat es nicht mehr geschafft. Mein Vater hat ihn tot unter einem Baum gefunden. Ich träume heute noch von meinem Hund.
Sie haben mit 40 Jahren eine Fehlgeburt erlitten und sind kinderlos geblieben. Sind Sie darüber traurig?
Es war natürlich schon schwer, die Fehlgeburt zu verkraften, aber mein Körper wird gewusst haben, warum er kein Kind zur Welt bringen wollte. Vielleicht war ich einfach schon zu alt dafür. Es heißt ja, alles Schlechte habe auch sein Gutes, und das Gute daran ist, dass mein Mann und ich ungehindert Reisen konnten, ohne auf Kinder Rücksicht nehmen zu müssen.
Haben Sie noch Wünsche?
Ein paar neue Knie wären ganz gut (lacht). Meine sind ein bisschen abgenutzt. Aber im Ernst: Natürlich habe ich so einige Wünsche. Allerdings bin ich ganz schön abergläubisch. Ich glaube daran, dass sich Wünsche nur erfüllen, wenn sie geheim bleiben.
Den Wunsch, weiterhin eine gute Stimme zu haben, werden Sie nicht brauchen, die ist Ihnen gegeben …
Sie ist heute stärker als vor 40 Jahren. Bei manchen Künstlern ist das einfach so. Nehmen wir Tom Jones. Tom ist 80, und er singt einem immer noch den Putz von der Decke. Jedenfalls habe ich drei Mal in der Woche eine Online-Verabredung mit meinem Gesangs­lehrer in England, damit die Stimme trainiert bleibt.
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