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Ausgabe Nr. 20/2021 vom 18.05.2021, Fotos: Studio Marco Fischer
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Ian Hooper, 34, der Sänger der „Mighty Oaks“, beklagt Einkommensverluste und will bekannter werden.
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Die gedankliche Flucht an einen mexikanischen Palmenstrand war für Ian Hooper (gr. B. Mitte) der Grund, das neue Album „Mexico“ zu benennen. Es ist bereits im Handel.
„Es ist noch viel Luft nach oben“
Wenn sich ein Amerikaner aus der Nähe von Seattle (Ian Hooper), ein italienischer Wirtschaftswissenschaftler aus Mailand (Claudio Donzelli) und ein Engländer (Craig Saunders) eher zufällig in Hamburg (D) über den Weg laufen und eine Band gründen, ist nicht unbedingt damit zu rechnen, dass dieses Trio zehn Jahre später von seiner entspannt-engagierten Folk-Rock-Musik leben kann und bereits das vierte Album, das „Mexico“ heißt, veröffentlicht. Es ist aber so. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth unterhielt sich mit dem Sänger Ian Hooper, 34, der zurzeit auch in der VOX-Musikshow „Sing meinen Song“ (dienstags, 20.15 Uhr) zu erleben ist.
Herr Hooper, Ihre Söhne sind drei und vier Jahre alt. Wie gut gelingt es Ihnen, das Leben als Vater mit dem Leben als – normalerweise – eifrig tourendem Musiker in Einklang zu bringen?
Wenn ich weg bin, und das ist ja meist gleich für ein paar Wochen, landet tatsächlich viel Arbeit rund um die Familie auf dem Teller meiner Frau. Aber wenn ich zuhause bin, bin ich wirklich da und habe Zeit für meine Kinder. Manchmal kommen sie auch mit zum Konzert. Sie finden es super, wenn ich auf der Bühne stehe und sind danach noch tagelang voll im Showmodus, springen auf den Tisch und singen lauthals drauflos.
Sie leben mit Ihrer Familie in einem Häuschen fernab des Trubels im Nordwesten Berlins (D). Ist das noch Rock ‘n‘ Roll oder schon Bürgerlichkeit?
Wenn ich mich mit meinen Freunden aus den USA vergleiche, von denen einige schon kurz nach der Schule geheiratet haben und mit Anfang 20 schon lebten wie andere mit 50, möchte ich doch betonen, dass ich mein Leben ziemlich cool finde. Klar, ich bin jetzt 34, Papa und nicht mehr der Jüngste in der Szene, aber ich habe noch immer viel zu erzählen und scheue mich auch nicht, älter zu werden. Neue Erfahrungen bringen schließlich auch viele neue Impulse.
Ist das erste Lied auf dem neuen Album „Mexico“ mit dem Titel „Land Of Broken Dreams“ Ihr Blick als Exil-Amerikaner aufs Heimatland?
Ja, und es ist ein kritischer Blick. Ich liebe Amerika, doch es ist einfach kein Sozialstaat, der mit Deutschland vergleichbar wäre. Ohne Arbeit fällst du dort schnell in ein tiefes Loch. In Deutschland bekommst du wenigstens noch Hartz IV (eine Arbeitslosenunterstützung), was so manchen Tontechniker oder Bühnentechniker aus unserem Team seit einem Jahr wenigstens halbwegs am Leben hält. Mehr noch als in Deutschland geht die Mittelschicht in Amerika rapide verloren. Das System begünstigt die, die sowieso schon viel haben.
Sind Sie deshalb im Jahr 2008 zum Studium nach Deutschland gekommen und geblieben?
Ich hatte das so nicht geplant. Ich war jung und hatte viele große Ideen, was ich mit meinem Leben machen wollte. Je länger ich in Deutschland geblieben bin, desto mehr habe ich gemerkt, dass hier auch mit wenig Geld viel möglich ist. In Amerika stehen dir alle Türen offen, wenn du reich bist. Aber ich könnte dort niemals ein Musiker sein und als Musiker leben, so wie ich es in Deutschland seit Jahren mache. Wir sind ja relativ unbekannt. Für das Leben, das ich hier führe, bräuchte ich in Amerika enorm viel Geld. Das System dort begünstigt jene, die ohnehin schon viel haben.
So unbekannt sind die „Mighty Oaks“ ja nun auch nicht …
Es gibt noch viel Luft nach oben. Und es ist wirklich so, dass uns mittlerweile seit mehr als einem Jahr das Einkommen wegfällt. Das ist ein Riesenverlust. Auch deshalb bin ich froh über die Teilnahme an „Sing meinen Song“. Auf diese Weise können wir finanziell den Ball im Spiel halten.
Manche Stücke auf dem neuen Album klingen recht düster. Unter anderem das Lied „My Demons“, singen Sie da vom Alkohol?
Es ist ein Lied für die vielen Freunde, die ich an die Drogen verloren habe. Opioide vor allem, Schmerzpillen. Ein mörderisches Zeug. Damals an der Uni in Seattle (USA) war ich immer der, den sie um Hilfe baten, wenn sie verzweifelt waren. Ich hatte zum Beispiel bei einigen meiner Freunde die Kontrolle über deren Bankkonten. Sucht ist ein trauriges Thema. Nicht allen kannst du helfen. Viele bleiben allein mit ihren Dämonen.
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