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Ausgabe Nr. 20/2021 vom 18.05.2021, Foto: Sara De Boer/INSTAR/ddp images
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Sharon Stone (re.) sorgte sich um ihre Schwester Kelly, die an Corona erkrankte.
Der Geist von Oma Lela rettete ihr Leben
Nach außen gilt sie als strahlend schöne Frau voller Erotik. Geprägt durch ihre Film-Rollen. Doch das wahre Leben der Schauspielerin Sharon Stone ist geprägt von harten Einschnitten. Sie musste sich Brust-Tumore entfernen lassen, mehrere Fehlgeburten hinnehmen und wäre beinahe an einem Arterienriss gestorben – wäre da nicht ihre Oma gewesen.
Sie lag nach einer beidseitigen Brustrekonstruktion im Spital im US-Staat Kalifornien. „Die Ärzte haben zwei große, glücklicherweise nicht bösartige Tumore entfernt“, berichtet die 63 Jahre alte Schauspielerin Sharon Stone, die im Halbschlaf plötzlich von furchtbaren Kopfschmerzen befallen wurde. „Es war, als habe mir ein Maulesel den Schädel eingetreten.“ Und dann geschah etwas, was sie selber als schwer zu glauben bezeichnet. „Plötzlich stand meine vor 30 Jahren verstorbene Großmutter Lela an meinem Bett. Im eleganten Anzug und mit ihrem Lieblingshut. Sie sagte: ‚Wir wissen nicht, warum du Kopfschmerzen hast. Aber bewege ihn auf keinen Fall, halte dein Genick starr.“

Sharon Stone schildert diesen Vorfall in ihren soeben auf Englisch erschienenen Memoiren „The Beauty of Living Twice“ (deutsch: „Die Schönheit, zweimal zu leben“). Die Schauspielerin, die ihren Körper in jungen Jahren ohne Scheu nackt auf der Leinwand gezeigt hat, berichtet darin über ihren Aufstieg vom Kleinstadt-Mädchen zur Leinwand-Größe und zum Sex-Symbol. Über ihre Begegnung mit dem Tod, von sexueller Misshandlung, den Verlust ihrer Familie und von ihrem Weg zurück in ein neues, ruhigeres Leben.

Sie drückte den Teddybär gegen das Genick
Sie nahm die Warnung ihrer Oma ernst. „Ich hielt meinen Teddybär, der mich ins Spital begleitet hat, gegen mein Genick und rührte mich nicht, bis die Ärzte kamen.“ Bei der Untersuchung stellten die Mediziner die Ursache der Kopfschmerzen fest. „Meine krankhaft erweiterte rechte Schlagader ließ das Blut in mein Hirn rasen. Die Arterie konnte jeden Moment zerreißen. Ich hatte eine Überlebenschance von einem Prozent.“ In einer neun Stunden dauernden Operation setzte ein Chirurgenteam in die kaputte Schlagader 23 Platin-Spiralen zur Stabilisierung ein.

„Meine Großmutter hat mir das Leben gerettet“, ist Stone sicher. Dennoch erlitt die Künstlerin später noch einen nahezu tödlichen Schlaganfall. Dass sie auch diesen überlebte, schreibt sie ebenfalls ihrer Oma zu. Vor einem anderen Schock konnte sie die Enkelin allerdings nicht bewahren. Als sich Sharon Stone nach den Operationen im Spiegel betrachtete, stellte sie fest, dass die Schönheits-Chirurgen ihre Brüste ohne ihre Erlaubnis vergrößert hatten. Die Proteste der Patientin beantworteten die Mediziner mit der Erklärung, der neue Busen passe besser zu ihren weiten Hüften. Sie musste es hinnehmen, wie so vieles in ihrem Leben, das vor der breiten Öffentlichkeit verborgen blieb.
Sharon Stone, geboren am 10. März 1958, wuchs in einem großen, kalten Haus am Rand der Kohle-Stadt Meadville im US-Staat Pennsylvania auf. Ihr Vater war Fabrikarbeiter. „Aber wir hatten Milchkühe, Gemüse aus dem eigenen Garten und aßen das Wild, das mein Vater gejagt hatte.

Unser Wasser kam aus dem Brunnen vor dem Haus.“ Das Mädchen liebte das Theaterspiel. Mit zwölf Jahren baute sie mit ihren beiden Schwestern in der Auffahrt ihres Elternhauses eine kleine Bühne auf und unterhielt die Nachbarskinder. Als Teenager briet sie Hamburger im örtlichen Schnellimbiss. Die Erziehung der Eltern war streng, sie erteilten ihr wegen jeder Kleinigkeit Ohrfeigen. „Um ehrlich zu sein, ich mochte meine Mutter nicht. Sie beobachtete mich ständig und kritisierte, was ich tat. Als ich einmal verbotenerweise mit meinen älteren Schwestern zum Tanz ging, nahm mich mein Vater danach hinters Haus und verprügelte mich mit seinem Gürtel.“

Der Großvater mütterlicherseits dagegen habe wiederholt versucht, sie sexuell zu belästigen, berichtet Stone in ihrem Buch. Es blieben nicht die einzigen derartigen Vorkommnisse. Ähnliches erlebte die Darstellerin später in der Filmmetropole Hollywood. Dorthin gelangte sie nach einem Abstecher in die Welt der Fotomodelle, doch dieser Beruf behagte ihr nicht.

Der Durchbruch gelang ihr im Jahr 1992 in der Rolle der Serienkillerin Catherine Tramell in „Basic Instinct“ an der Seite von Michael Douglas. Doch das Engagement war eine schlüpfrige Rolle, wie sie berichtet. Als sie den Vertrag unterzeichnete, habe sie nicht gewusst, dass die Kameraleute ihre Vagina filmen würden, schreibt sie. „Ich wurde mit einem Trick hereingelegt: Während der Aufnahmen rief jemand: ‚Wir können nichts sehen. Ziehen Sie Ihren Schlüpfer aus. Das Weiße reflektiert das Licht zu stark.‘“ In der allgemeinen Aufregung habe sie die Anordnung befolgt. „Und so sah ich später meine Vagina zum ersten Mal – im Film. Ich ging zum Regisseur Paul Verhoeven und knallte ihm eine.“ Der behauptete, sie habe in diese intime Aufnahme unter den Rock eingewilligt. Stone sagt, sie sei sich bewusst gewesen, dass der Film sexgeladen war. Doch die Wirklichkeit habe alles übertroffen, sei grausam gewesen. „Während der Dreharbeiten hatte ich Albträume.“

Mutter von drei Adoptivsöhnen
Schlaflose Nächte bereiteten ihr auch die Fehlgeburten, die sie mehrfach erlitt. Zwei Ehen scheiterten, Stone verlor das Sorgerecht für einen Adoptivsohn.
Heute, als Erwachsener, lebt Roan mit zwei weiteren adoptierten Brüdern bei seiner Mutter in einem großen Haus in West Hollywood. „Andere Männer brauche ich nicht mehr“, schreibt Sharon Stone. Affären hatte sie ohnedies zahlreich. „Ich wohne seit 25 Jahren im selben Haus und bin glücklich, in der Früh aufzuwachen und meine Söhne zu sehen. Mein Heim und meine Familie sind endlich komplett. Meine Wunden sind geheilt. Und weil auch mein Herz komplett ist, werde ich im Rest meines Lebens Vollendung finden.“
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