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Ausgabe Nr. 17/2021 vom 27.04.2021, Fotos: Michael Hochfellner Photography
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Der Garten von Angelika Ertl ist jedes Jahr eine Augenweide.
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„Angelikas bunte Kräuterwelt“, 325 Seiten, Kräuterwissen und Rezepte, Oliva Verlag, erhältlich um 38,50 Euro im Fachhandel und auf www.angelikaertl.at.
Unser schönes Landleben
„Ich pflanze Kräuter und koche mit Blüten“. Der eigene Garten ist für viele Menschen ein Ort der Erholung. Einige nutzen ihn auch, um Gemüse und Obst anzubauen. Wir zeigen, welche prominenten Menschen sich selbst versorgen. Die Gärtnerin Angelika Ertl baut in ihrem Garten eine Vielzahl an Kräutern und Gemüse an. Die farbenfrohen Blüten der Pflanzen kommen bei der Steirerin auf den Teller.
Im Sommer ist es möglich, dass Angelika Ertl von ihrem Garten förmlich verschluckt wird. Wilde Malven, Sonnenblumen, Cosmea und Liebstöckel wachsen der Steirerin über den Kopf. Derzeit sind die Pflanzen noch klein, aber bald wird sich ihr Garten wieder in eine blühende Oase verwandeln.
Ihr blumenreiches Idyll befindet sich in Feldkirchen bei Graz in der Steiermark und war ursprünglich ein Baumgarten. „Mammutbaum, Zimtrindenahorn und Wehmouth-Kiefern sowie eine 60jährige Magnolie zieren meinen Garten“, erzählt Angelika Ertl. Neben den Baumriesen setzt die Steirerin aber vor allem auf Kräuter und Gemüse. Sie hat ihren Garten in einen Selbstversorgergarten verwandelt.
„Das Schöne an Kräutern ist, dass sie völlig unkompliziert sind. Alles, was sie brauchen, sind ein halbschattiger bis vollsonniger Standort“, sagt die 43jährige.

Die Kräuter können im März und April vorgezogen oder im Mai direkt im Freiland gesät werden. „Die Aussaat im Freiland ist einfach und macht am wenigsten Arbeit. Der beste Zeitpunkt dafür ist nach den Eisheiligen (11. bis 15. Mai). Schnittlauch, Dill, Petersilie und Basilikum eignen sich gut zur eigenen Ansaat. Die Pflanzen sollten nicht zu dicht gesät werden, damit sie sich gut entwickeln können“, erklärt die Gärtnerin, die ihr Wissen auch in ihrem neuen Buch „Angelikas bunte Kräuterwelt“ niedergeschrieben hat.
Beim Anbauen ist es wichtig zu wissen, welchen Boden die Pflanze braucht. „Thymian, Basilikum und Ysop vertragen keine Staunässe. Sie bevorzugen eine Mischung aus Erde und Sand. Pfefferminze, Schnittlauch und Petersilie benötigen einen nährstoffreichen Boden.“
Einige Kräuter wie die Zitronenverbene und der Rosmarin sind bei uns im Topf zu halten. Sie lieben ein helles Plätzchen und dürfen keinen Frost bekommen. „Nach den Eisheiligen können sie wieder an die frische Luft gestellt werden“, sagt die Steirerin.

Die Blätter der Kräuter erntet sie kurz vor Mittag an einem sonnigen Tag, dann enthalten sie die meisten ätherischen Öle. „Kurz bevor die Kräuter ihre Blüte ausbilden, ist das Aroma am besten ausgeprägt“, gibt Ertl einen Tipp.
Die Kräuter sprießen bei der Steirerin zwischen dem Gemüse, denn der Duft der Kräuter verteibt so manchen Schädling. Dazwischen legt Ertl auch einen „essbaren Blühstreifen“ an. Sie sät einjährige Blumen wie blaublütige Kornblumen, orangefarbene Ringelblumen und rosablühende Cosmea, auch Schmuckkörbchen genannt.
„Der Blühstreifen wird an Ort und Stelle ausgesät. Vorne kommen die niedrigsten Pflanzen hin und hinten jene, die am höchsten wachsen.“ Diese Blumen sind schön fürs Auge und bekömmlich für den Gaumen.

Was andere Menschen in die Blumenvase stellen, kommt bei der Gärtnerin auf den Teller. „Im Sommer gehe ich eine halbe Stunde durch den Garten und sammle mein Mittagessen“, schmunzelt Ertl. Das Gärtnern ist ihre Berufung, das Kochen ihre Leidenschaft.
In der Pfanne landen auch die Blüten ihres Blühstreifens. Den Kürbissalat garniert sie mit Wildkräutern, auf die Eierspeise kommen Gurkenkraut- und Lauchblüten. Aus dem Rosmarin macht sie Öl, Thymian wird bei ihr getrocknet und als Tee gegen Halsschmerzen und einen Kater getrunken und aus der Gundelrebe zaubert sie „After Eight“. Dafür werden die Blätter, die nach Minze schmecken, getrocknet und durch flüssige Schokolade gezogen.
„Ich finde, das größte Geschenk ist zu wissen, wie etwas wächst. Wie ich eine Pflanze anbaue, ernte und schließlich beim Kochen verarbeite“, sagt Ertl. Gutes Essen war bei ihr daheim eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin auf dem Hof meiner Tante Grete sowie in der elterlichen Gärtnerei aufgewachsen, die aber mittlerweile geschlossen ist. Bei uns war alles, was auf unseren Tellern landete, entweder aus eigenem Anbau oder vom Greißler nebenan.“

Heute bedauert die Gärtnerin den Einheitsbrei, den wir im Supermarkt angeboten bekommen. „Die weltweite Gemüseproduktion und damit der Großteil des Angebotes werden von einigen wenigen Saatgutfirmen gesteuert. Bei diesen hochwertigen Züchtungen geht meist das Wesentliche verloren und zwar der Geschmack. Ein Beispiel ist die sogenannte ,Ewige Tomate‘ aus Israel, die 40 bis 60 Prozent weniger Kalium und Kalzium enthält. Das ist eine rote Zuchtbombe, die sich Gemüse nennt. Sie hält ungefähr fünf Wochen und verändert sich in der ganzen Zeit nicht. Hier ist uns die Vielfalt abhandengekommen“, klagt Ertl.
In ihrem Garten wachsen deshalb alte Sorten wie das „Ochsenherz“. Das ist ein Fleischparadeiser, den es in verschiedenen Varianten gibt. „Meine Lieblingssorte ist das ,Herz aus Zagreb‘. Dieser Paradeiser schmeckt einfach wunderbar“, schwärmt Ertl, die auch Führungen in ihrem Garten anbietet.

Die rote Frucht darf sich im Beet auf Gesellschaft freuen. Ertl kombiniert Gemüse, Kräuter und Blühpflanzen. Die bunte Mischung ist eine praktische Zweckgemeinschaft. Mischkulturen unterstützen sich gegenseitig. „Die Ringelblume und die Kapuzinerkresse gehören zu den Apothekerpflanzen. Sie helfen gegen Blutläuse und Fadenwürmer. Die große Blattmasse der Kapuzinerkresse wirkt zudem wie eine lebende Mulchschicht“, erklärt die 43jährige.

Erdbeeren vertragen sich gut mit Knoblauch. Erbsen geben Karotten und Radieschen Kraft zum Wachsen. Sellerie und Kohl freuen sich über Paradeiser in der Nähe. „Ich lege ausgegeizte Paradeiserblätter gerne auf den Boden und auf die Gehwege bei den Kohlarten. In den Blättern ist Tomatin, das ist ein natürliches Raupengift“, erzählt die Gärtnerin.
Chemie kommt der Steirerin jedoch nicht ins Beet. Alle Pflanzen dürfen sich bei ihr frei entfalten. Aus diesem Grund breiten sich in ihrem Garten auch Wildkräuter, gerne auch Unkräuter genannt, aus. „Wildkräuter sind gesund. Zum Teil haben sie ein Zigfaches mehr an Mineralstoffen als unser Kulturgemüse. Das Franzosenkraut etwa enthält drei Mal mehr Eisen als Spinat“, erklärt Ertl.

Bittere Wildkräuter sorgen für Wohlbefinden
Einige Wildkräuter haben beim Verzehr einen bitteren Beigeschmack. Beifuß, Löwenzahn, Schafgarbe, Wegwarte und Wermut gehören zu den Bitterkräutern.
„Bitterstoffe sind die Motoren unserer Organe. Sie reinigen und geben Kraft. Bitterkräuter wirken auf den Verdauungstrakt und regen die Körperflüssigkeiten an. Der Darm ist der Hauptsitz unseres Immunsystems“, erzählt Ertl.
Ein Heilkraut, das sich im Frühjahr flächenartig im Gemüsebeet ausbreitet, ist die Vogelmiere. Ihr mildwürziger Geschmack macht sich gut in Salaten. Nicht nur Menschen lassen sich das zarte Kraut schmecken, auch Hühner sind verrückt danach.

Jede Menge Federvieh wuselt auch in Ertls Garten umher. Derzeit ist die Hühnerschar klein, denn ein Marder hat ein paar Hennen und den Seidenhahn „Pascal“ gerissen.
„Wir bauen nun einen Hochsicherheitstrakt“, scherzt Ertl. „Bald werden wieder zehn Hühner im Garten unterwegs sein. Ich halte Sulmtaler, Altsteirer, Seidenhühner und Brahmas, das sind Riesenhühner“, sagt Ertl. Zudem sorgen vier Laufenten für einen schneckenfreien Garten. Die Tiere haben aber abgegrenzte Bereiche. Denn Huhn und Ente hätten auch den Salat zum Fressen gern.

Für das nächste Jahr hat sich die Steirerin einer neuen Herausforderung angenommen. Sie möchte einen „Market Garden“ betreiben. „Ich werde auf einer kleinen landwirtschaftlichen Fläche Gemüse anbauen, um 80 bis 100 Familien in der Nähe von Graz mit frischem Gemüse versorgen zu können. Der Kunde muss zwar ein paar Euro mehr bezahlen als im Supermarkt, dafür gibt es aber Gemüse in Bio-Qualität“, sagt Angelika Ertl.

Auf gute Nachbarschaft
Diese Pflanzen fördern einander im Beet

ZUCCHINI
Paradeiser und Rote Rüben

KÜRBISSE
Mais, Bohnen, Basilikum

PARADEISER
Lauch, Petersilie, Mangold, Knoblauch, Sellerie, Kohl, Gurkenkraut, Tagetes, Kapuzinerkresse

SALATE
Radieschen, Zwiebeln, Karotten, Fenchel und Gurken
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