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Ausgabe Nr. 17/2021 vom 27.04.2021, Foto: imago/ZUMA Press
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Ryan O’Neal, 80, vermisst seine große Liebe.
„Ich war weder ein guter Ehemann, noch ein guter Vater“
Zwei Liebesgeschichten machten Ryan O’Neal berühmt. Eine auf der Kino-Leinwand und eine im echten Leben. Mit dem Melodram „Love Story“ rührt der Schauspieler bis heute zu Tränen. Denen ist er selber nahe, wenn er an seine unvergängliche Liebe zu Farrah Fawcett denkt. Traurig ist der 80jährige deshalb, weil er zu spät erkannt hat, was er in seinem Leben alles falsch machte.
Jeden Tag in der Früh, wenn die Sonne den Pazifischen Ozean versilbert, spaziert ein alter Mann am Strand von Malibu im US-Bundesstaat Kalifornien entlang. Mit seinen zwei Hunden, gebückt und gestützt auf einen Stock.
„Hallo, Ryan“, ruft eine junge Frau aus der Nachbarschaft, während sie an ihm vorbeigeht. Nach einer Stunde kehrt der Mann heim in sein Haus am Strand. Dort leisten ihm nur seine Hunde Gesellschaft. Und verstaubte Filmrollen sowie zahlreiche Fotos an den Wänden, die ihn an seine Karriere erinnern.

Der Einsame ist Ryan O‘Neal, vor Jahrzehnten einer der weltweit beliebtesten Schauspieler. „Mein Alter ist eine Ziellinie, die viele meiner Freunde nicht erreicht haben“, sagt O‘Neal, der am 20. April 80 Jahre alt wurde. Einst hat er gefeiert, geflirtet und getrunken. O‘Neal sah umwerfend aus, die Frauen himmelten ihn an, die Männer beneideten ihn. Als er seine Kollegin Ali MacGraw, 82, auf der Leinwand küsste, schmolzen die Herzen der Kinobesucher. „Love Story“ hieß das Melodram im Jahr 1970. Die Liebesgeschichte zweier Studenten bringt die Zuschauer heute noch zum Weinen. Sie erzählt von einem Mädchen aus der Arbeiterklasse, das von der reichen Familie ihres Liebsten abgelehnt wird.

Seine "Love Story" im wahren Leben war Farrah Fawcett
Ryan O‘Neal war damals 29 Jahre, McGraw 31, und ihre Leidenschaft schien mehr zu sein als nur Schauspiel.
Die beiden wurden danach immer wieder gemeinsam gesehen. Doch es blieb bei Gerüchten. Vielleicht lag es daran, dass MacGraw zu jener Zeit mit Robert Evans verheiratet war, dem mächtigen Chef der Filmgesellschaft, die „Love Story“ produzierte.

Dass die beiden einander noch im hohen Alter freundschaftlich zugetan sind, zeigte sich erst im Februar dieses Jahres. Beiden wurde auf dem Hollywood-Boulevard in Los Angeles der Ruhmes-Stern verliehen. Pandemie-bedingt konnten sich die Kollegen nur via Video-Telefonie sehen und einander virtuelle Küsse schicken. „Sie haben mich von Ali weigreißen müssen“, scherzt Ryan O‘Neal über seine damalige Verliebtheit. „Ja, wir waren verknallt, aber es war eine verrückte Form von Liebe“, erinnert sich Ali MacGraw.
Eine Frau spielte für Ryan O‘Neal allerdings eine wesentlich bedeutendere Rolle. Sein „Hollywood-Stern“ ist just neben jenem dieser Frau eingebettet. Die Rede ist von der Liebe seines Lebens, von Farrah Fawcett („Drei Engel für Charlie“), der langbeinigen Schönen mit dem goldblonden Haar.

Alkohol, Affären, Drogen, bis er seine große Liebe traf
Bevor sich die Wege des Traumpaares kreuzten, war der Schauspieler, der Boxer werden wollte, bereits zwei Mal geschieden. Zum ersten Mal heiratete er mit 21 Jahren, wurde Vater von Tatum (1963), ein Jahr später kam Sohn Griffin zur Welt. Mit 26 Jahren heiratete er zum zweiten Mal. Aus der Ehe stammt Sohn Patrick.
Neben zahlreichen Affären mit Ursula Andress, Barbra Streisand, Anjelica Huston, Diana Ross und Bianca Jagger gab sich O‘Neal immer häufiger dem Alkohol und den Drogen hin. „Ich war kein guter Partner“, ist ihm heute bewusst. Der frühe Ruhm sei ihm gewaltig zu Kopf gestiegen. Für die Rolle in „Love Story“ hatte er noch 25.000 Dollar erhalten. Für die folgenden Rollen in den Filmen „Is‘ was, Doc?“, „Paper Moon“ und „Barry Lyndon“ kassierte er Millionen Dollar an Gagen.

Ruhe in sein unstetes Leben sollte seine große Liebe bringen. Ryan O‘Neal und Farrah Fawcett lernten einander im Jahr 1979 kennen und lieben. Fawcett trennte sich für ihn von ihrem Mann Lee Majors. Es wurde eine ebenso traumhafte wie turbulente Beziehung. Daraus ging 1985 Redmond, O‘Neals viertes Kind, hervor. Das schöne Paar stritt sich, liebte und hasste sich. Bis es Fawcett schließlich zu viel wurde. Nachdem sie ihren Partner beim Liebesspiel mit einer anderen Frau ertappt hatte, jagte sie den Untreuen nach fast zwanzig Jahren Partnerschaft aus dem Haus.
Vier Jahre später, 2001, wurde bei Ryan O‘Neal, damals 54, Leukämie festgestellt. Die Liebenden fanden wieder zueinander, weil Fawcett ihm verzieh und den als schwierig geltenden Mann wieder aufnahm. Fünf Jahr später erkrankte sie selbst an Krebs. Den Kampf gegen das Leiden verlor Farrah Fawcett am 25. Juni 2009. Kurz davor machte ihr Ryan O‘Neal noch einen Heiratsantrag. Gezeichnet vom Leiden, willigte die 62jährige in die Ehe ein. Kurz vor der Hochzeit starb sie jedoch in seinen Armen. Das hat ihn gebrochen.

„Es ist traurig, dass sie nicht mit mir meinen runden Geburtstag feiern konnte. Ich vermisse meine Farrah, es wäre für mich das Schönste, wenn sie neben mir auf dem Sofa sitzen könnte. Farrah ist der Grund, warum ich keine Angst vor dem Tod habe. Sie ist die Liebe meines Lebens, sie wartet auf mich“, trauert der Schauspieler noch immer um sie. Der Verlust seiner Geliebten habe ihn damals erneut in die Alkoholsucht getrieben, meint er. Und im Streit mit seinem Sohn Griffin habe er auf ihn geschossen, um sich selbst zu verteidigen, behauptete er. Vor der Auseinandersetzung hatte Griffin öffentlich erzählt, sein Vater habe ihm, als er elf Jahre alt war, Drogen gegeben.
Reich an Konflikten war auch die Beziehung zur Tochter. Als Tatum O‘Neal zehn Jahre alt war, spielte sie in der Tragikomödie „Paper Moon“ gemeinsam mit ihrem Vater. Während Tatum für ihre Darbietung einen „Oscar“ erhielt, ging Papa Ryan leer aus. Woraufhin er so eifersüchtig wurde, dass er das Mädchen misshandelt habe, behauptet die inzwischen 57jährige, die erst vor Kurzem den Streit mit dem Vater beigelegt hat. Ausgesöhnt hat sich der 80jährige auch mit seinen Söhnen Griffin, 56, Patrick, 53, und Redmond, 35.

"Hin und wieder besuche in eine Box-Veranstaltung"
„Ich war egoistisch und selbstverliebt. Weder war ich ein guter Ehemann, noch ein guter Vater. Als ich das festgestellt habe, war es jedoch schon zu spät“, blickt Ryan O‘Neal auf sein bewegtes Leben zurück. Nun sei er alt, kämpfe gegen Blut- und Prostatakrebs und leide an Herzschwäche. „Mein Haus verlasse ich nur noch, um am Strand zu spazieren. Hin und wieder besuche ich eine Box-Veranstaltung“, beschreibt der einst gefeierte Schauspieler seinen einsamen Lebensabend.
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