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Ausgabe Nr. 17/2021 vom 27.04.2021, Foto: mauritius images / Garden World Images
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Am 1. Mai gibt es heuer wenig zu feiern.
Tag der Arbeitslosigkeit
Im Jahr 1890 gab es die ersten Kundgebungen am „Tag der Arbeit“. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der 1. Mai zum Feiertag. Heuer fallen die großen Maiaufmärsche wegen Corona zum zweiten Mal aus.
Als am 1. Mai 1890 der erste „Tag der Arbeit“ die Sozialdemokraten auf die Straße brachte, galt in den Fabriken ein Elf-Stunden-Tag. Anderswo musste noch länger gearbeitet werden.
Der Acht-Stunden-Tag war deshalb die zentrale Forderung der zehntausenden Menschen, die aus den Bezirken bei strahlendem Sonnenschein in den Wiener Prater strömten. Aber auch in Linz, Brünn und anderen Städten der Donaumonarchie kam es zu Kundgebungen.
Dass sie erfolgreich verliefen, war dem Kopf der Sozialdemokraten zu verdanken. Victor Adler (1852–1918) arbeitete als Armenarzt, bevor er die Arbeiterpartei begründete. Am Tag des ersten Maiaufmarsches saß er zwar in der Zelle 32 des Wiener Landesgerichtes, doch er konnte Aufrufe und Anweisungen aus dem Gefängnis schmuggeln.

Die Regierenden hatte Straßenschlachten und Plünderungen vorhergesagt. Das Militär war in Bereitschaft. Doch die Arbeiterschaft benahm sich „musterhaft“, wie ein Chronist am nächsten Tag berichtete. Victor Adler erfuhr erst am Abend durch einen Aufseher davon. „Es ist alles ruhig abgelaufen und großartig soll‘s gewesen sein.“
Die rote Nelke im Knopfloch, die auch für die aufgehende Sonne steht und die Parteifarbe symbolisiert, werden SPÖ-Politiker heuer vor allem im Internet „ausführen“. Die großen
Maiaufmärsche sind angesichts der Corona-Pandemie zum zweiten Mal abgesagt. Mancherorts finden kleinere Kundgebungen statt.

150.000 sind länger als ein Jahr "beschäftigungslos"
Zu feiern gibt es aber auch wenig. Nahezu eine Million Landsleute hatten zuletzt keine Arbeit oder sind in Kurzarbeit. Vor einem Jahr betraf das sogar mehr als 1,5 Millionen Menschen in unserem Land. Im März waren fast 460.000 Menschen arbeitslos oder in einer Schulung. Weitere 487.000 waren zur Kurzarbeit gezwungen.
Die türkis-grüne Regierung will mit einem „Comeback“-Plan zu wirtschaftlicher Stärke zurückkehren. 500.000 Menschen soll das wieder in die Vollbeschäftigung bringen. Das hofft jedenfalls ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz. Ein großer Teil wird durch ein Wiederaufsperren der Gastronomie und anderer Branchen ihre Arbeit und ihr Einkommen zurückgewinnen. Im vergangenen Oktober, vor dem zweiten „Lockdown“ gab es am Ende nur noch 120.000 „Kurzarbeiter“.

Der Anstieg der Langzeit-Beschäftigungslosen ist und bleibt allerdings besorgniserregend. Im März 2009 lag deren Zahl bei 34.000. Im Jänner des Vorjahres, vor der Corona-Pandemie, waren es 97.000 Menschen. Derzeit gibt es rund 150.000 Langzeitbeschäftigungslose. Dazu gehören Menschen, die länger als zwölf Monate keine Arbeit finden. Kurse werden in diese Zeit miteingerechnet.
Für 50.000 von ihnen soll es jetzt die Aktion „Sprungbrett“ geben. Die Koalition will Arbeitgeber bei den Lohnkosten unterstützen, damit sie Langzeitarbeitlose einstellen. Details und ein genaues Programm blieb sie aber bei der Vorstellung schuldig.

„In der Stadt-Hotellerie werden die Arbeitsplätze nicht in voller Höhe zurückkommen“
Herr Dr. Kopf, in welchen Branchen ist die Arbeitslosigkeit
derzeit besonders hoch?
In der Beherbergung und Gastronomie. Es ist aber auch der Handel in Westösterreich betroffen, wo viele Geschäfte von den Touristen leben. In den Innenstädten leiden etwa auch Bäckereien, weil die Menschen im „Homeoffice“ sind. Was gut läuft, ist der Bau, auch die Industrie hat sich schon erholt. Über den Daumen gepeilt haben wir jetzt insgesamt 130.000 weniger Arbeitslose oder Menschen in Schulung als vor einem Jahr. Aber noch immer 80.000 mehr als vor zwei Jahren.
Gibt es Unterschiede bei den Bundesländern?
Tirol und Salzburg geht es weniger gut, bedingt durch den hohen Tourismusanteil. Die niedrigste Arbeitslosenquote hat Oberösterreich. Das liegt an einer starken Industrie, dem Bau und einer geringeren Abhängigkeit vom Tourismus.
Derzeit gibt es rund 150.000 „Langzeit-Beschäftigungslose“, im Jänner 2020 waren es rund 100.000.
Die Regierung will Arbeitsplätze für 50.000 mit der Aktion „Sprungbrett“ schaffen. Reicht das?
Es kann immer noch mehr gemacht werden, aber auf der anderen Seite ist ein Paket von 50.000 Stellen auch nicht klein. Es ist auch eine Frage der Aufnahmefähigkeit des Marktes.
Erschreckt Sie die Zahl 150.000?
Die meisten Sorgen machen mir Personen, die schon vor Corona keine Arbeit hatten. Sie sind jetzt ein ganzes Jahr zusätzlich arbeitslos gewesen und hatten auch keine Chance, wieder hineinzukommen. Dann gibt es Arbeitslose, die haben wegen Corona die Arbeit verloren, etwa im Bereich des Tourismus. Die sind jetzt auch schon zwölf Monate arbeitslos, aber wenn der Tourismus wieder aufsperrt, glaube ich, dass davon viele wieder einen Job finden werden. Womit wir aber noch jahrelang kämpfen werden, ist der Umstand, dass auch im Konjunkturaufschwung Unternehmen langzeitarbeitslose Personen in der Regel kaum einstellen.
Warum nicht?
Lange Arbeitslosigkeit führt zu einem Verlust von Motivation und Selbstvertrauen. Die Menschen haben sich oft vorgestellt, haben immer Absagen bekommen. Sie rechnen gar nicht damit, dass sie eine Stelle bekommen und sind auch weniger gut bei Vorstellungsgesprächen. Es gibt aber auch Gründe, die liegen im Betrieb. Manche haben mit Vorurteilen zu tun, manche sind rational nachvollziehbar. Etwa wenn eine Person einen guten Eindruck macht, für die Stelle passt. Trotzdem, das ist mir schon passiert, fragst du dich während des Einstellungsgespräches als Arbeitgeber die ganze Zeit, welches Problem gibt es, das ich nicht sehe.
Soll das Arbeitslosengeld erhöht werden?
Ich bin nicht generell dagegen, das System neu zu diskutieren, aber nicht in einem Schnellschuss. Es wird immer gefordert, das Arbeitslosengeld solle statt 55 Prozent 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens sein. Schon heute gibt es bei Personen mit niedrigem Einkommen und Familienzuschlag, also etwa einem Kind, ein Arbeitslosengeld von bis zu 80 Prozent. Wenn ich das eine von 55 auf 70 Prozent erhöhe, erhöhe ich das andere dann von 80 auf 95 Prozent? Wo ist da noch der Unterschied zum Einkommen? Man muss in diese Dinge sorgsam eingreifen und nicht populistisch.
Welche Arbeitsplätze werden nach der Pandemie wegfallen?
In der Stadt-Hotellerie, bei Geschäftsreisen, beim Kongress-Tourismus werden die Arbeitsplätze nicht in voller Höhe zurückkommen. Wir haben alle gelernt, mit den Online-Werkzeugen gut zu arbeiten. Sie werden nicht alles ersetzen, aber einen Teil.
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Dodoheimarie
Sozialdemokraten! Das sind sie schon lange nicht mehr!
""Die türkis-grüne Regierung will mit einem „Comeback“-Plan zu wirtschaftlicher Stärke zurückkehren. 500.000 Menschen soll das wieder in die Vollbeschäftigung bringen. Das hofft jedenfalls ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz."" Ja dieser Kanzler. Im Vordergrund eine, für mich, Marionette in türkiser Umfärbung wo im Hintergrund die Altgranden und Wirtschaftsbosse agieren.
Die ÖVP war von Anfang an für die Wirtschaft, im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die vergessen haben wozu sie da sind und heute mit Türkis mit marschieren.

Wie kann eine Medizinerin mit Doktortitel sämtliche Warnungen der Virologen in den Wind schießen. In Grund und Boden setzen? Menschen in größte Ängste versetzen daß sie sich freiwillig als "Laborratten" zur Verfügung stellen! Nichts anderes sind wir wenn wir uns trotz der Mahnungen von Virologen und Ärzten, das weltweit, gewarnt werden uns impfen zu lassen! Sie auch noch dazu, besonders Alte, in Isolation treiben? Zu gesundheitsgefährdenden Maßnahmen zwingen auf Grund wirtschaftlicher Umstruktuierung. Alte Menschen bedürfen der Zuwendung. Alte und Kranke brauchen NÄHE und Zuwendung, die Familie! & die Enkel!
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