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Ausgabe Nr. 13/2021 vom 30.03.2021, Foto: Schabler
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Anblick des Kalvarienberges in Sankt Radegund.
Vierzehn Stationen über das Leiden Jesu
Jesus trug sein Kreuz in Jerusalem den Berg Golgotha hinauf, wo er gekreuzigt wurde und starb. An seine Leidensgeschichte erinnert der Kreuzweg. Einige wurden in unserem Land im Freien angelegt. Ein Kreuzweg aus der Barockzeit befindet sich beim Stift Heiligenkreuz (NÖ). Dort werden die 14 Leidensstationen in Kapellen dargestellt. Im steirischen St. Radegund wird die Passion Christi auf dem Kalvarienberg thematisiert. Es gibt Kapellen, eine Kirche und eine Heilige Stiege. In Osttirol befindet sich der höchstgelegene Kreuzweg der Alpen.

Rosagetünchte Kapellen zieren den Kalvarienberg in St. Radegund nahe der steirischen Landeshauptstadt Graz. Er gilt als einer der eindrucksvollsten „heiligen Berge“ unseres Landes. Auf dessen Anhöhe thront die Kalvarienbergkirche mit einer Kreuzigungsgruppe.
Die 21 gemauerten Kapellen sind mit Figuren geschmückt, die biblische Szenen nachstellen. Einige der Steinfiguren stammen vom berühmten Barockbildhauer Philipp Jakob Straub.

Am Kalvarienberg wird die Passion erzählt
Auf der terrassenförmig angelegten Anlage wird die gesamte Passion Christi in 29 Stationen dargestellt. „Darin sind die 14 Kreuzwegstationen eingebettet, die das Leiden und den Tod Christi zeigen“, erzählt Heribert Lantzberg, Obmann des Vereines zur Erhaltung des Kalvarienberges.
Bei der ersten Station werden die Hochzeit zu Kana, die Fußwaschung und das letzte Abendmahl dargestellt. Die Besucher folgen einem Pfad, der über Stufen immer weiter den Hügel hinaufführt.
Dabei werden sie mit Jesus konfrontiert, als er zum Tode verurteilt wurde, das schwere Kreuz tragen musste und schlussendlich, ans Kreuz genagelt, seinen Tod fand. „Bei jeder Station gibt es Meditationstexte und für Kinder haben wir eine kleine Broschüre gestaltet, die bei der Heiligen Stiege aufliegt.“

Der Großteil der Anlage wurde zwischen 1768 und 1773 unter Pfarrer Franz Xaver Braun errichtet. Er ließ Bergknappen aus der Obersteiermark kommen, die den serpentinenartig angelegten Weg in den Fels sprengten. Der Pfarrer ließ auch eine Heilige Stiege anlegen, in deren 14 Stufen Reliquien eingebettet sind. Bald war der Kalvarienberg ein Wallfahrtsort.
Pilger suchten Heilung in der in der Kalvarienbergkirche aufgestellten Statue des gegeißelten Heilands. Die Pfarrer der Umgebung beschwerten sich jedoch beim Bischof, weil ihre Gotteshäuser plötzlich leer blieben. Als Pfarrer Braun beim Weiterbau der Anlage ein wenig über den Pfarrgrund hinausbaute, fand die Kirchenobrigkeit einen Grund, den Pfarrer seiner Dienste zu entheben.
Nach seinem Weggang begann der Kalvarienberg allmählich zu verfallen. Seit 1972 kümmert sich der Verein rund um Obmann Lantzberg darum, den Kalvarienberg zu erhalten.

„Vor drei Jahren haben wir anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums alle Kapellen renoviert“, sagt Lantzberg, der gegen eine freie Spende auch Führungen anbietet (Tel.: 03132/3513). Zusätzlich ist in der Eremitage eine österliche Ausstellung zu sehen. Sie ist bis Ostermontag täglich von 14 bis 15 Uhr geöffnet. In der Eremitage fand Lantzberg vor Jahren durch Zufall ein hinter Ziegeln verstecktes Fresko.
Noch bevor der Kalvarienberg errichtet wurde, lebten an diesem Ort fromme Eremiten. Eine Schau-Klause und eine Eremiten-Quelle erinnern an sie.

Der barocke Kreuzweg in Heiligenkreuz
Kreuzwege wurden angelegt, weil nicht alle Menschen nach Jerusalem pilgern konnten. Deshalb wurde der Leidensweg Christi auch an anderen Orten nachgebildet. Anfangs gab es nur zwei Stationen, heute sind es 14, die singend und betend abgeschritten werden.
Ein Kreuzweg befindet sich beim Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich. Der prachtvolle barocke Kreuzweg wurde von Abt Robert Leeb vor fast 400 Jahren errichtet. Anfangs wurden die 14 Stationen durch große Holzkreuze gekennzeichnet, heute gibt es für jede Station eine Kapelle. „Jede ist mit einem Holzrelief geschmückt, das den Leidensweg Christi nachbildet“, erzählt Pater Dr. Johannes Paul Chavanne.

Zwischen den Kapellen sind am Wegesrand Statuen von Heiligen aufgestellt. Nur wenige Meter trennen die einzelnen Stationen voneinander. Die zwölfte Station befindet sich in der Hauptkapelle. Im Gotteshaus wird thematisiert, dass Jesus an das Kreuz genagelt wurde.
Am Karfreitag findet unter Einhaltung der Corona-Vorgaben um 9 Uhr ein geführter Kreuzweg, der „Kreuzweg im Freien“, statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Bergan geht es hingegen zum höchstgelegenen
Kreuzweg in den Alpen. Er befindet sich in Prägraten am Großvenediger in Osttirol. Pilger müssen mindestens drei Tage einplanen, um alle Stationen des knapp 30 Kilometer langen Weges zu begehen. Erste Station ist die Hubertuskapelle in Hinterbichl. Zwei verschiedene Wegvarianten führen hinauf zur Eisseehütte.

Die höchste Station ist auf 3.300 Metern
Die einzelnen Stationen sind Kapellen, Kreuze, Almen oder Hütten. Sie sind mit Tafeln aus Gestein markiert. Am dritten Tag erreichen die Wanderer die neunte und höchstgelegene Station auf dem Gipfel der Weißspitze. Das Gipfelkreuz, das sich auf 3.300 Metern befindet, bekommt hier eine zweite Bedeutung. An dieser Stelle geht es darum, dass Jesus zum dritten Mal unter der Last des Kreuzes zu Fall kommt.
Danach führt der Weg zur Bodenalm, weiter zur Mariahilf-Kapelle und der Pfarrkirche zum Heiligen Andreas in Prägraten. Sie ist die letzte Station des Kreuzweges.

Kalvarienberg in St. Radegund: Rundgang mit Bildern und Informationen auf www.kalvarienberg.jimdofree.com

Stift Heiligenkreuz: Tel.: 02258/8703,
www.stift-heiligenkreuz.org

Prägraten: Tel.: 050/212 530, www.virgental.at

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