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Ausgabe Nr. 12/2021 vom 23.03.2021, Fotos: imago images/Future Image, zVg
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Das neue Album hat Quatro mit ihrem Sohn Richard eingespielt. Es ist einmal rockig, dann voller Blues und ab Freitag, 26. März, im Handel erhältlich.
„Ich habe die Leber eines Babys“
Sie rockt wie eh und je. Dass Suzi Quatro mit 70 Jahren noch immer voller Energie steckt, beweist sie mit ihrem neuen Album „The Devil In Me“. Doch der Teufel steckt in diesem Fall nicht nur in ihr, sondern auch in ihrem Sohn und Gitarristen Richard Tuckey, mit dem sie das neue Werk eingespielt hat. Daheim im englischen Essex, fern von ihrem Mann, der im deutschen Hamburg lebt. Eine Trennung, die durch die Corona-Pandemie bedingt ist. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth sprach mit ihr.
Sie sind in England, Ihr Mann Rainer Haas hat seinen Lebensmittelpunkt in Hamburg, im Norden Deutschlands. Fällt Ihnen die Trennung schwer, Susan Kay oder besser Suzi Quatro?
Wir sind seit 28 Jahren verheiratet, und es war immer ein fröhliches Hin und Her. Ich fand das super. Ich wollte nie weg aus England. Doch jetzt merken wir, dass unser Lebensmodell an seine Grenzen stößt und für uns derzeit alles andere als schön ist. Früher mochten wir diese Unabhängigkeit, weil wir die Wahl hatten. Aber ich will nicht jammern, viele Menschen sind in einer vergleichbaren Situation.
Wann waren Sie zuletzt zusammen?
Das war zu Weihnachten. Rainer war zwei Wochen bei mir. Ich komme aus Großbritannien sowieso kaum noch raus, immerhin haben wir es etwas leichter, da wir verheiratet sind. Aber es ist trotzdem ein Brimborium aus Tests und Quarantänen.
Zieht es Sie nicht nach Hamburg?
Nein, denn mein ganzes Leben und meine gesamte berufliche Infrastruktur sind hier in Essex. Meine Band, mein Studio, auch mein Sohn Richard, mit dem ich das neue Album „The Devil In Me“ aufgenommen habe. Wir müssen uns einfach mit der Situation arrangieren.
Sie haben das Eingesperrtsein auch zum Thema Ihres Liedes „Isolation Blues“ gemacht …
Die Idee zu dem Stück hatte mein Sohn. Von ihm stammt das Gitarrenspiel und der Titel – witzigerweise hatte er sich beides schon vor Corona einfallen lassen. Ich schrieb dann noch einen aktualisierten Text, während die Entwicklung rund um die Pandemie immer beängstigender wurde. Auch die Zeile „Give me one more Gig before I die“, also „lasst mich noch einmal ein Konzert spielen, bevor ich sterbe“, ist nah dran an meinen Empfindungen.
Welche Empfindungen sind das?
Ich bin immer wieder ziemlich bedrückt. Zugleich ist es nicht meine Art, dauerhaft betrübt zu sein. Ich bin an sich ein Das-Glas-ist-halb-voll-Mensch, und das hat sich auch nicht geändert. Ich neige von meinem Charakter her grundsätzlich zum Optimismus. Aber auch ich habe Phasen der Verzweiflung, in denen ich vor Wände renne und kaum noch aufstehen will.
Was machen Sie in so einer Krise?
Den Schmerz und die Einsamkeit zulassen, innehalten, nach Luft schnappen und mich zwingen, mit dem Tag weiterzumachen. Das wirkt für mich am besten. Was mir extrem hilft, ist auch meine Kreativität. „My Heart And Soul“ vom neuen Album ist meiner Meinung nach einer der besten Songs, die ich je geschrieben habe. Er entsprang aus dem Gefühl, dass ich meinen Mann vermisse. Ich nahm das Negative und machte einen positiven, zeitlosen Weihnachtssong daraus – der das gesamte Jahr über relevant ist. Du kannst schließlich auch im Juni sagen „Ich möchte dich zu Weihnachten zu Hause haben“ (lacht).
Im Lied „Isolation Blues“ sprechen Sie auch das Thema Alkohol an …
… weil ich beobachtet habe, dass so gut wie alle Menschen, die ich kenne, deutlich mehr trinken als gewöhnlich.
Sie auch?
Ich fürchte ja. Aber von einem niedrigen Niveau aus. Mit Alkohol kann mich sowieso niemand großartig locken. Ich brauche nicht viel, um lustig zu sein. Ich habe die Leber eines Babys. Das Lied basiert vor allem auf meinen Beobachtungen, die ich auf meinen fast täglichen fünf Kilometern zum Einkaufen gemacht habe. Die Mülltonnen der Menschen gehen über mit Flaschen aller Art – Bier, Wein, Wodka, Scotch. Ich kann die Menschen verstehen. Außer Saufen können wir ja zurzeit nicht viel machen.
Was trinken Sie denn am liebsten in der quasi Quarantäne?
Champagner! Ich habe einen teuren Geschmack, und wenn ich mich schon isolieren muss, dann bitte mit Stil (lacht).
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