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Ausgabe Nr. 11/2021 vom 16.03.2021, Foto: Deutsche Wildtier Stiftung
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Nach nur 20 Tagen Tragezeit kommen fünf bis zehn Junge zur Welt. Mit drei Wochen verlassen die Kleinen dann erstmalig den Bau.
Ausgehamstert – Kein Bett im Kornfeld
Etwa meerschweinchengroß ist er, mit flauschigem, braun-weiß-schwarzem Fell, nacktem Schwanz, spitzer Nase und geräumigen Bäckchen. Vor wenigen Jahrzehnten galt der Feldhams-
ter noch als Plage. Heute ist der „Architekt unterm Acker“ offiziell vom Aussterben bedroht.
Noch schläft er fest in den weit verzweigten Höhlen, die er für sich und seine Vorräte bis zu zwei Meter tief unter den Äckern gegraben hat. Doch schon bald endet der Winterschlaf der Feldhamster und die putzigen Tiere stecken erstmals wieder ihre Köpfchen aus dem Bau, der von außen durch große Löcher zu erkennen ist.

Vor wenigen Jahrzehnten war der „Architekt unterm Acker“ noch so allgegenwärtig, dass die Bauern ihn als Schädling bekämpften, da er sich als Wintervorrat zwei bis vier Kilo des Getreides hamsterte. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Heute lässt sich der bis zu 35 Zentimeter große Nager nicht mehr so oft blicken und gehört zu den am meisten
gefährdeten Tierarten in unserem Land“, warnen Experten des Naturschutzbundes Österreich. Im vergangenen Sommer hat auch die Weltnaturschutzunion erstmals Alarm geschlagen und den Feldhamster in ihrer Roten Liste von „nicht gefährdet“ auf „vom Aussterben bedroht“ hinaufgestuft. Seit Juli 2020 dürfen deren Bauten selbst dann nicht zerstört werden, „wenn die Tiere sie zwar gerade nicht nutzen, aber womöglich dorthin zurückkehren“.

Wie viele Feldhamster es hierzulande noch gibt, lässt sich kaum sagen. Schließlich sind sie auch heiß begehrte Beute von Raubvögeln, Füchsen oder Mardern. „Ihre Zahl schwankt je nach Jagdsaison, aber mehr als fünfstellig wird sie kaum sein“, schätzt die Feldhamster-Expertin Stefanie Monecke. Sicher ist, dass die Nagetiere rapide weniger werden. Hauptverantwortlich dafür scheint die moderne Landwirtschaft mit ihren immer weiter verbreiteten Monokulturen zu sein. „Der gesteigerte Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln und Dünger reduziert das Nahrungsangebot, Bewässerungen setzen vielerorts die Hamsterbaue unter Wasser“, sagt Monecke. Zudem werden speziell angebaute Turbosorten – etwa von Weizen – immer früher reif, auch der Klimawandel rückt Erntetermine nach vorne.

„Die starken Landwirtschaftsmaschinen sind ein zusätzliches Problem, weil damit ganze Felder innerhalb eines einzigen Tages restlos abgeerntet werden können“, erklärt die Expertin.
Aus einem Schlaraffenland für Hamster wird quasi über Nacht eine Wüste ohne Deckung vor Fressfeinden. Und das mitten im Sommer, wenn die Nager ihre Vorräte für den Winter sammeln. So bleiben Hamsterbäckchen und Vorrratskammern leer und die Tiere werden nicht mehr satt. Das schadet auch der Fortpflanzung.
Normalerweise hat ein Hamsterweibchen drei Würfe
im Jahr. Doch mittlerweile registrieren die Forscher nur
noch selten einen dritten Wurf, selbst der zweite bleibt oft aus. Zudem leiden Feldhamster in Monokulturen an Mangelernährung, es fehlen Proteine und Vitamine. „Dann fressen sie ihren Nachwuchs auf“, weiß der Tierarzt Moritz Franz-Gerstein von der Deutschen Wildtierstiftung. Die bis zu einem Kilo schweren Nagetiere verlieren ihren Lebensraum aber auch unter der Betonflut. So werden bei uns jeden Tag rund 13 Hektar versiegelt, das entspricht etwa 18 Fußballfeldern, die mit Asphalt oder Gebäuden bebaut werden. Der Lebensraum Kornfeld schrumpft somit jedes Jahr.

„Oft werden Feldhamster vor den Baumaßnahmen eingefangen und an andere Orte verbracht. Eine Notlösung, die leider allzu oft angewandt wird, doch das Überleben auf neuer Fläche ist keineswegs sicher“, kritisieren Tierschützer. Eine Kooperation mit den Landwirten zum Schutz der Feldhamster gestaltet sich ebenfalls als schwierig. Denn das bedeutet Mehraufwand und Ernteverzicht. Da gibt es etwa die Möglichkeit, das Getreide bei der Ernte knapp unterhalb der Ähren zu schneiden und Resthalme als Deckung stehen zu lassen. Oder manche Feldecken eben nicht abzuernten.
Doch dies schlägt in der Bilanz schnell mit 1.000 Euro und mehr pro Hektar zu Buche. Geld, das den Landwirten durch eine Anhebung der EU-Subventionen „rückerstattet“ werden könnte. Manche Bauern helfen zum Glück auch so – vermutlich, weil das bedrohte Tier so süße Knopfaugen hat.

Der kleine Verwandte
Ein enger Verwandter des Feldhamsters ist der Syrische Goldhamster, von dem auch unser beliebtes Haustier abstammt.
Die Wildform aber hat ein rotbraunes Fell mit grauem oder weißem Bauch. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 17 cm und einem Gewicht von 80 bis 150 Gramm ist sie wesentlich kleiner und leichter als ein Feldhamster.
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