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Ausgabe Nr. 11/2021 vom 16.03.2021, Fotos: Thomas&Thomas
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Nino de Angelo weiß, dass er im Lauf seiner Karriere viele Fehler gemacht hat.
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Auf seinem neuen Album zeigt sich Nino de Angelo mit orchestralen Melodien, aber auch mit Rockliedern und epischen Klängen. Sein Hit „Jenseits von Eden“ ist ebenso drauf.
„Ich war mit 19 Jahren Millionär – viel zu früh“
Eigentlich galt Nino de Angelo als weitgehend abgehalfterter Schlagersänger, der vom Ruhm seines im Jahr 1984 veröffentlichten Hits „Jenseits von Eden“ zehrte und ansonsten Ehefrauen sowie die eigene Gesundheit und die Reste seines Rufes verschliss. Doch nun ist der inzwischen 57jährige plötzlich wieder obenauf. Mit einer neuen Liebe, einer neuen Wahlheimat, einem relativ gesunden Lebenswandel sowie dem Album „Gesegnet und Verflucht“ (bereits im Handel). Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit ihm darüber gesprochen.
In Ihrem neuen Lied „Equilibrium“ des Albums „Gesegnet und Verflucht“ singen Sie, dass Sie auf der Suche nach der passenden Medizin oft bei Whiskey und Kokain gelandet seien. Ist das heute noch so?
Nein, so war das früher. Mit dem Kokain habe ich nichts mehr am Hut. In dem Lied geht es um das Gefühl, das ich oft in meinem Leben hatte: Ich dachte, ich wäre am Ziel – und dann ist doch wieder alles Scheiße. Ich habe oft geglaubt, es würde endlich Ruhe einkehren. Von wegen. Meistens passierte dann genau das Gegenteil und mir blieb als Möglichkeit, damit umzugehen, nur die Flucht. Meistens, indem ich mich einsperrte und abschoss.
An welchem Punkt Ihres Lebens sind Sie denn derzeit?
An einem guten. Ich habe vor drei Jahren unerwartet eine neue Liebe gefunden. Simone gibt mir Halt und Kraft. Sie ist mein Fels in der Brandung. Jetzt will ich auch beruflich wieder Gas geben. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich mit der Musik noch einmal die Kurve kriege. „Gesegnet und Verflucht“ ist ein wichtiges Album für mich. Es ist das Dokument meines Aufbäumens. Und künstlerisch ein Neuanfang.
Auch geographisch haben Sie sich neu orientiert. Sie leben jetzt im ländlichen Allgäu, im Süden Deutschlands. Wegen der guten Luft?
Wegen Simone, meiner Verlobten. Mein Mädchen kommt aus der Nähe von Ulm und hat vor Jahren im Allgäu ihre Heimat gefunden. Jetzt lebe ich seit fast drei Jahren in einem Luftkurort. Meine Lunge profitiert davon.
Sie leiden an der Lungenkrankheit COPD und kämpfen mit verengten Atemwegen. Wie geht es Ihnen?
Erstaunlicherweise ist die COPD in den vier Jahren seit der Diagnose nicht sonderlich weit fortgeschritten. Meine Gesundheit ist mir alles andere als egal. Ich höre auf meinen Körper, und wenn ich spüre, dass etwas nicht stimmt, gehe ich natürlich zum Arzt. Nur der Vorsorgetyp, der bin ich nicht. Ich habe vorher jedenfalls in Hamburg (Norddeutschland) und in Niedersachsen gewohnt, und da habe ich in der Früh immer fürchterlich gehustet. Das passiert mir hier nicht mehr. Wir leben in der freien Natur, inmitten von Wäldern. Ich gehe gern spazieren und manchmal stelle ich mich zehn Minuten auf den Balkon und atme. Auf diese Weise hat die Liebe auch etwas Positives für meine Gesundheit bewirkt.
Sie haben zwei erwachsene Kinder und ein dreijähriges Kind. Können Sie sich mit Simone, mit der Sie die Hochzeit für nächstes Jahr planen, Kind Nummer vier vorstellen?
Um Gottes willen. Ich liebe meine Kinder. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihnen. Aber noch eines muss nicht sein.
Haben Sie eine Idee, warum Ihr Leben so extrem verläuft?
Ich war stets ein Grenzgänger. Und meine Kindheit war schon nicht die beste. Als ich acht Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden und es folgte ein Hin- und Hergezerre.
Sie erhielten mit 15 Jahren Ihren ersten Plattenvertrag und hatten mit 19 einen Nummer-eins-Hit mit „Jenseits von Eden“, das in einer neuen Version auch auf „Gesegnet und Verflucht“ enthalten ist …
Da schließt sich der Kreis. Ich war mit 19 Jahren Millionär. Das war viel zu früh. Auf der anderen Seite sollte es so sein, und ich bereue keine Sekunde.
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