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Ausgabe Nr. 08/2021 vom 23.02.2021, Foto: Karl Plescher / Picture Alliance / picturedesk.com
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Haus-frauen haben vielfältige Aufgaben.
Ein Gehalt für Hausfrauen
In einem Brief an US-Präsident Joe Biden fordern Hollywood-Darstellerinnen wie Charlize Theron ein Gehalt für Mütter und Hausfrauen. Grund ist die hohe weibliche Corona-Arbeitslosigkeit. Auch in unserem Land fordert die FPÖ einen Krisenplan für Frauen.
Die Kinder versorgen und erziehen, kochen, das Zuhause sauber halten und sich noch um kranke Angehörige kümmern, die Aufgaben einer Hausfrau sind vielfältig, verlangen Einsatz und Flexibilität sowie Können und Einfühlungsvermögen. Das sind Eigenschaften, die im beruflichen Alltag gut bezahlt werden. Eine Hausfrau und Mutter bekommt hingegen keinen Cent für den Beitrag, den sie für die Gesellschaft leistet.

Das muss sich ändern, ist die amerikanische Rechtsanwältin und Autorin Reshma Saujani überzeugt. Die 45jährige setzt sich seit Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Dazu gehört auch ihre Forderung nach einer Bezahlung der Hausfrauen. Vor allem in Krisenzeiten wie jetzt, die Frauen härter trifft als Männer, ist Saujani überzeugt.
„Die Corona-Krise hat so viele Karrieren von Frauen zerstört. Weil die Branchen, in denen mehr Frauen als Männer beschäftigt sind, wie etwa im Einzelhandel, Gesundheitswesen oder im Gastgewerbe, von der Pandemie stärker betroffen sind und weil durch die Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen viele Frauen geradezu gezwungen wurden, ihre Arbeit aufzugeben, um sich um ihre Kinder kümmern zu können. Zwischen Februar und August des Vorjahres verloren 2,2 Millionen Mütter von Kindern im Alter bis zwölf Jahren in Amerika ihre Arbeitsplätze, verglichen mit 870.000 Arbeitsplätzen, die Väter verloren haben.“

Mutterschaft ist kein Gefallen und kein Luxus. Es ist Arbeit
Jetzt hat die 45jährige Anwältin, die selbst zwei Kinder hat, einen offenen Brief an den neuen Präsidenten Joe Biden geschrieben, der in der namhaften Zeitschrift „New York Times“ veröffentlicht wurde. Es ist ein flammendes Bekenntnis zu den Werten einer Hausfrau.
„Mütter sind das Fundament der Gesellschaft. Und wir sind es leid, umsonst zu arbeiten. Wir brauchen einen Plan für Mütter – jetzt! Es ist an der Zeit, unsere Arbeit in Dollar zu beziffern. Mutterschaft ist kein Gefallen und kein Luxus. Es ist Arbeit“, schreibt Saujani. Sie fordert neben einer monatlichen Zahlung von 2.400 US-Dollar (etwa 1.900 Euro) an Mütter und Hausfrauen auch bezahlten Familienurlaub, Lohngleichheit und leistbare Kinderbetreuung. „Das sind alles Probleme, die zwar schon vorher da waren, aber durch die Pandemie verschärft wurden“, erklärt die engagierte
Anwältin.

Unterstützt wird ihr „Marshall Plan für Mütter“ von fünfzig prominenten Frauen, darunter Hollywood-Schauspielerinnen wie Charlize Theron, Alyssa Milano, Eva Longoria und Julianne Moore.
Auch in unserem Land sind Frauen von den Folgen der Corona-Krise besonders stark betroffen. Insgesamt waren im Jänner fast 470.000 Menschen beim Arbeitsmarkt-Service (AMS) arbeitslos gemeldet, weitere 67.000 nahmen an Schulungen teil. Damit waren knapp 537.000 Menschen ohne Arbeit, darunter knapp 200.000 Frauen. „Allerdings belegen aktuelle Zahlen, dass prozentuell mehr Frauen ihre Arbeit verloren haben. Im Vergleich zum Vorjahr sind jetzt um 42 Prozent mehr beim AMS gemeldet. Die ‚Corona-Arbeitslosigkeit‘ ist weiblich“, meint FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker.
Sie fordert daher einen Krisenplan für Frauen. „Es muss nun rasch gehandelt werden, denn jenen Frauen, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, droht der direkte Weg in die Armut. Daher braucht es Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen. Frauen haben schon vor der Pandemie Außergewöhnliches im Familien- und Arbeitsleben geleistet. Sie tragen die Hauptlast der Familienarbeit“, sagt Ecker.

Was die Arbeit einer Mutter wert ist, haben die Betreiber des Dienstleistungsportals „ProntoPro.at“ berechnet. Demnach müsste eine Hausfrau mindestens 3.200 Euro netto pro Monat verdienen. Bei der Berechnung wurde der durchschnittliche aktuelle Stundenlohn professioneller Dienstleister für alle Tätigkeiten der Mütter herangezogen. So erhält ein Profi-Koch rund 75 Euro netto pro Stunde, eine Reinigungskraft etwa zwölf Euro netto pro Stunde.

Mama kocht, putzt, chauffiert, ist Nachhilfelehrerin und Einkaufsberaterin
Das summiert sich rasch, weiß Silvia Wang, Mitbegründerin von „ProntoPro.at“.
„Wenn Mama für nur fünf Mahlzeiten in der Woche sorgt und sich dem Wohnungsputz widmet, sind das pro Monat bald einmal 1.600 Euro, die zu zahlen wären. Auch der Privat-Chauffeur ist unerlässlich, wenn Kinder in die Klavier- oder Turnstunde oder zu ihren Freunden geführt werden müssen. Wenn Mütter das nur einmal pro Woche übernehmen und Väter vier Mal, so addieren sich 140 Euro hinzu.

Bei den Hausaufgaben und der Vorbereitung auf die Englisch-Schularbeit sind Mamas oft als Nachhilfelehrer im Einsatz. Bei einer Stunde Nachhilfe verdient ein Privatlehrer durchschnittlich 30 Euro. Nicht zu unterschätzen ist die Rolle des Kinder-Animateurs. Für eine Stunde Arbeit berappt der Profi-Kinder-Animator durchschnittlich 50 Euro. Gemeinsames Kuchenbacken und laufende Ernährungsberatung gehören zum Standard-Repertoire des mütterlichen Alltages.
Und wie oft wird Mama zur persönlichen Einkäuferin? Der Einkaufsberater hat einen Tagessatz von 264 Euro. Das kommt locker zusammen, wenn bedacht wird, dass Mamas Rat nicht nur beim Kauf von Schuhen und Kleidern, sondern auch bei Büchern, Schreibwaren, Sportartikeln, Spielzeug und Geschenken für die nächste Geburtstagsfeier der Freunde gefragt ist.“
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