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Ausgabe Nr. 05/2021 vom 02.02.2021, Foto: Ruben Mario Ramos/stock.adobe.com
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Viele Frauen, die schwanger sind oder werden wollen, sind unsicher.
Das macht uns Sorgen
Die Impfbereitschaft in unserem Land ist laut einer aktuellen Umfrage eines Forschungszentrums der Universität Wien unter 1.500 Bewohnern gestiegen. Knapp jeder Zweite ist bereit, sich gegen Corona impfen zu lassen. Dennoch ist jeder Zehnte unentschieden und jeder Dritte ,,wenig bis nicht bereit“, sich impfen zu lassen. Die Gründe sind Unsicherheiten und Befürchtungen über (mögliche unerwünschte) Wirkungen.
Die Einstellungen der Menschen in unserem Land zur Corona-Schutzimpfung werden seit Mai 2020 vom „Vienna Center for Electoral Research“, einem Forschungszentrum der Universität Wien, ermittelt.
Gegenüber den 47 Prozent der impfwilligen Befragten in diesem Jänner zeigt mit 37 Prozent noch immer etwas mehr als ein Drittel der 1.500 Befragten eine ablehnende Haltung. Mit ein Grund für eine anhaltende Skepsis ist die Unsicherheit über mögliche unerwünschte Wirkungen durch die Corona-Impfung. Experten beantworten die am häufigsten gestellten Fragen zur Corona-Impfung.
Ein Verdacht lautet, die Covid-Impfung könne unfruchtbar machen. Wie groß ist die Gefahr?
„Menschen, die das fürchten, sprechen die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein des Corona-Virus (mit dem es an unsere Zellen andockt) und dem körpereigenen Protein Syncytin-1 an. Bei gebärfähigen Frauen ist Syncytin-1 etwa für die Bildung der Plazenta, den Mutterkuchen, verantwortlich. Über sie wird das Kind in der Gebärmutter mit Nährstoffen versorgt. Skeptiker fürchten, wenn nach einer Impfung eine Immunabwehr gegen das Corona-Spike-Protein bestehe, weite sich diese Reaktion auf Syncytin-1 aus und verhindere die Bildung der Plazenta“, sagt Prof. Dr. Ingo Drexler. Virologen betonen, dass es jedoch keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen gebe. „Eine Kreuzreaktion des Impfstoffes ist, so weit wir heute wissen, unmöglich“, sagt Dr. Annette Beck-Sickinger, Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig (D). Käme es zu einer solchen erweiterten Reaktion, hätte bereits eine Covid-Erkrankung schädliche Auswirkungen auf Schwangere. In Studien zu Sars-CoV-2 wurde keine erhöhte Zahl an Fehlgeburten oder Komplikationen festgestellt.
Bin ich, mit dem mRNA-Impfstoff geimpft, beim PCR-Test positiv ?
„Diese Befürchtung ist aus mehreren Gründen falsch“, sagt Dr. Daniel Wallerstorfer, Geschäftsführer von Novogenia, einem Salzburger Biotechunternehmen. „Zum einen zielen die PCR-Tests fast ausschließlich auf RNA-Sequenzen (= Gen-Information) ab, die nicht im Impfstoff enthalten sind. Zum anderen enthält die Impfung keine normale RNA, sondern eine veränderte Form, die sich vom echten Virus unterscheidet. Eine Impfung wird kein falsch-positives PCR-
Testergebnis liefern.“
Ich bin schwanger. Die Impfung kann sich auf die Gesundheit meines ungeborenen Kindes auswirken.
Schwangere sollten sich vorerst nur im Ausnahmefall impfen lassen, denn in den Studien zu den Corona-Impfstoffen waren Schwangere ausgeschlossen. Aufgrund dieser fehlenden Daten ist eine generelle Impfung von Schwangeren derzeit nicht empfohlen. Ausnahmen sind Frauen, die aufgrund ihrer Berufstätigkeit oder von zusätzlichen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko einer Corona-Infektion haben. Bei ihnen kann der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegen. Schwangere, die versehentlich geimpft wurden, müssen die Schwangerschaft deswegen nicht abbrechen. „Frauen, die sich impfen lassen wollen, wird empfohlen, dies vor der Schwangerschaft zu tun“, sagt DDr. Michael Feichtinger, Leiter des Wunschbaby Institutes Feichtinger in Wien.
Der Impfstoff von AstraZeneca wirkt bei Menschen ab 65 Jahren kaum.
Einige deutsche Zeitungen veröffentlichten kürzlich Beiträge, in denen vor einer geringen Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes bei Menschen jenseits der 65 Jahre gewarnt wird. Der Impfschutz bei dieser Altersgruppe läge nur bei acht Prozent, hieß es darin.
„Diese Meldungen sind falsch“, sagt der AstraZeneca-Geschäftsführer Pascal Soriot und weist diese Angaben zurück. Richtig sei hingegen, dass ältere Studienteilnehmer erst spät in die Impf-Studien einbezogen wurden, sodass es derzeit zu wenige Daten aus dieser Altersgruppe gebe. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat daraufhin beschlossen, dass der Impfstoff zwar freigegeben ist, jedes Land aber selbst bestimmen kann, welche Altersgruppen mit ihm geimpft wird. Am Sonntagabend hat das Nationale Impfgremium in unserem Land einstimmig beschlossen, dass der Impfstoff bei Menschen von 18 bis 64 Jahre empfohlen ist.
In Norwegen sind mehrere ältere Menschen kurz nach der Impfung gestorben …
Am 15. Jänner hat die norwegische Arzneimittelbehörde bestätigt, dass 23 alte und kranke Menschen in Pflegeeinrichtungen ein paar Tage nach der Impfung verstarben. Die norwegischen Behörden sehen derzeit keine Belege für einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Impfung, änderten aber die Impfrichtlinien. Die norwegische Gesundheitsbehörde warnt nun, dass die Nebenwirkungen der Covid-Impfstoffe für hochbetagte und schwerkranke Menschen riskant sein könnten.
Was passiert, wenn ich zum Zeitpunkt der Impfung symptomlos Corona habe?
Diese Frage stellen sich viele Menschen. Die Corona-Impfstoffe sind neu und es liegen aufgrund der schnellen Marktzulassung keine Langzeitstudien-Ergebnisse zu diesen Impfungen vor.
Prof. Lukas Weseslindtner, Facharzt für Virologie, Laborleiter Serodiagnostik der Med-Uni-Wien, erklärt den heutigen Wissensstand. „Die Impfung gegen Covid-19 kann bei einem Menschen mit einer aktuellen, asymptomatischen Sars-CoV-2 Infektion keinen Schaden verursachen. In Anbetracht der unglaublichen Menge von viraler RNA, mit der ein Mensch bei der echten Infektion (auch ohne Symptome) überflutet wird, fällt die winzige Menge der RNA in der Impfung nicht ins Gewicht. Bei der Abwehr der echten Virusinfektion bemerkt das Immunsystem nicht, dass noch eine Impfung dabei war. Es ist, als ob ich, nachdem ich den ganzen Tag eine Sachertorte nach der anderen gegessen habe, überlege, ob ich einen Teelöffel Zucker in den Kaffee geben soll. Es kann keine Interaktion zwischen dem echten Virus und der Impf-RNA geben. Dafür fehlt dem Virus die Ausrüstung.“
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