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Ausgabe Nr. 05/2021 vom 02.02.2021, Fotos: Ringo Starr/Sony Music, zVg
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Die Band rund um Frontmann Dave Grohl (Mitte).
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Das neue Album der „Foo Fighters“ ist ab Freitag, 5. Februar, im Handel. Es ist ihr zehntes Album und ein „tanzbares Rockwerk“, wie es die sechs Musiker bezeichnen.
Stark sein mit dem Wir-Gefühl
Für die seit dem Jahr 1994 tätige amerikanische Rockband „Foo Fighters“ gab es in diesem noch jungen Jahr bereits einen Grund zum Jubeln. Donald Trump ist weg und Joe Biden ihr nächster Präsident. Damit ist für den Frontmann Dave Grohl, 52, zwar noch nichts gewonnen, aber immerhin ein verheißungsvoller Anfang zu einer besseren Demokratie gemacht, wie er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt hat.
Herr Grohl, Sie haben bei der Fernseh-Feier nach der Amtseinführung von Joe Biden den Klassiker der „Foo Fighters“ „Times Like These“ gespielt. Wird mit dem neuen US-Präsidenten jetzt alles besser?
Das hängt von uns allen ab. Das Wichtigste, was wir in der momentanen Situation brauchen, ist Nächstenliebe. Wir müssen wieder lernen, aufeinander zuzugehen. Ein grundlegendes Verständnis für die Belange und Bedürfnisse des anderen muss in allen Teilen der Gesellschaft neu entfacht werden.
Sind unter Donald Trump die Grundlagen des zivilen Miteinanders verloren gegangen?
Rücksicht und Mitgefühl sind in der jüngeren Vergangenheit schon auf der Strecke geblieben, aber ohne geht es nicht. Das wird jetzt in der Pandemie besonders deutlich. Um so gesund und sicher wie möglich durch diese Zeit zu steuern, müssen wir aufeinander Acht geben. Und zusammenhalten. Es hilft meiner Meinung nach nicht, jetzt permanent auf die Rückkehr der sogenannten Normalität zu hoffen. Wir sollten uns lieber anpassen und dabei neue Wege finden, das Leben lebenswert und schön zu machen.
Auch Sie lässt die Pandemie nicht ungeschoren. Ihr neues Album „Medicine At Midnight“ ist seit dem vergangenen Frühjahr fertig. Corona hat Ihnen einen dicken Strich durch Ihre große Jubiläums- und Tourneepläne gemacht …
Stimmt, leicht ist es nicht. Wir hatten uns ein halbes Jahr lang nicht gesehen und waren überglücklich, als wir endlich wieder im selben Raum zum Proben zusammenkamen. Mir fehlt auch extrem das Fitnessprogramm, das mir eine Tour bietet. Im Konzert tobe ich drei Stunden jeden Abend über die Bühne. Ich bin nie der Typ gewesen, der Hanteln stemmt. Körperlich und mental ist die Zeit für uns alle hart, auch für mich. Doch wie gesagt: Wir müssen uns arrangieren. Ich mache jetzt eben Nachmittagsausflüge in die Natur.
Sind Sie derzeit gar nicht in Los Angeles (US-Staat Kalifornien)?
Wir haben die Stadt verlassen. Meine Frau Jordyn, unsere drei Töchter und ich sind in Utah (US-Staat), weil hier die Luft einfach gesünder ist und wir draußen sein können. Wir unternehmen fast jeden Nachmittag irgendetwas in den Bergen. Meine Töchter Violet, 14, Harper, 11, und Ophelia, 6, machen vormittags ihre Aufgaben für die Schule, danach steigen wir aufs Rad oder gehen spazieren. Ich liebe es, für meine Familie zu kochen und mag meine Kinder. Ich bin mit ihnen befreundet (lacht).
Nervt es Sie, wenn Sie ein graues Barthaar kriegen?
Nein, ich liebe es. Ich bin stolz auf jedes einzelne, hart erworbene graue Haar. Älterwerden ist sowieso „cool“, finde ich. Menschen, die dazu stehen, nicht perfekt zu sein, haben mehr Würde. Ich werde irgendwann einmal wie ein verrückter Alchemist aussehen. Und ich freue mich darauf.
Weniger rosige Zukunftsaussichten beschreiben Sie allerdings in dem neuen Lied „Waiting On A War“, nicht wahr?
Oh, ja. Ich bin Jahrgang 1969. Als Teenager, der unweit der Hauptstadt Washington aufgewachsen ist, hatte ich Angst vor dem Krieg. Ständig gab es irgendwo auf der Welt einen bewaffneten Konflikt. Ich stellte mir vor, wie mir die Bomben direkt auf den Kopf fallen würden. Ich träumte von Raketen. Und dann kam meine elf Jahre alte Tochter Harper zu mir, weil sie im Fernsehen einen Beitrag über die Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA gesehen hat, und fragte mich: „Papa, gibt es Krieg?“ Ich habe sie natürlich beruhigt, aber allein die Tatsache, dass wir 30, 40 Jahre später kein bisschen weiter sind, hat mich deprimiert.
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