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Ausgabe Nr. 05/2021 vom 02.02.2021, Fotos: Posztós János - stock.adobe.com, zVg (2)
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WM-Höhepunkte der ersten Woche
So., 7.2., Eröffnungsfeier, 18 Uhr
Mo., 8.2., Frauen Kombination,
11 Uhr Abfahrt / 14.30 Uhr Slalom
Di., 9.2., Super-G Damen, 10.30 Uhr
Di., 9.2., Super-G Herren, 13 Uhr
Auf den Spuren von 007
Ganze 80 Jahre musste Cortina d‘ Ampezzo nach 1941 auf eine Austragung der Schi-WM warten, jener Nobelschiort, in dem der Geheimagent James Bond alias Roger Moore 1981 über die Filmleinwände wedelte. Ab Sonntag wird bei der 46. Alpinen Schi-WM erstmals die Rekordzahl von 13 Goldmedaillen vergeben, erstmals bleiben Corona-bedingt die Zuschauerränge leer.
Vier Mal bewarb sich der italienische WM-Veranstalter von 1932 und 1941 erneut für eine Austragung, doch erst nach 80 Jahren Wartezeit klappte es für den 6.000-Einwohner-Ort, der am Fuße der Tofana als „Königin der Dolomiten“ gilt. Das Warten hat sich gelohnt, dafür darf Cortina 2026 bei den Olympischen Winterspielen bald gemeinsam mit Mailand neuerlich eine Großveranstaltung beherbergen.
„Heuer gibt es leider Corona-bedingt keine Zuseher, ich gehe aber davon aus, dass die Italiener sichere Bewerbe veranstalten werden“, meint Peter Schröcksnadel, Präsident des heimischen Schiverbandes ÖSV. Die Sicherheitsprotokolle sind streng, alle drei Tage wird getestet, Athleten und Funktionäre dürfen die „Hotel-Blase“
nur zum Training verlassen. Trotzdem glaubt Schröcksnadel an Erfolge seiner Sportler. „Die Saison hat zwar schlecht begonnen, doch nach den jüngsten Erfolgen von Manuel Feller, Marco Schwarz, Vincent Kriechmayer oder Katharina Liensberger glaube ich, dass 2021 samt der WM unser Jahr wird.“

Die rot-weiß-rote Armada reiht sich unter rund 600 Athleten aus 70 Nationen ein, die um 39 Medaillen kämpfen, das ist Rekord. Fast wäre der Kombinationsbewerb im Vorfeld noch aus dem WM-Programm gekippt worden, doch auf Wunsch vieler Athleten wurde das verhindert. Stattdessen gibt es nun erstmals in der Geschichte einer WM je einen Einzel-Parallel-Slalom für Männer und Frauen. „Das werden extrem spannende Bewerbe, ich freue mich darauf“, meint die Schweizerin Wendy Holdener.
Der sportliche Startschuss fällt am Montag, 8.2., mit der Damen-Kombination. Cortina gehört geographisch zur Region Venetien, die Bewohner sprechen Italienisch und den romanischen Dialekt Ladinisch. Im Stadtlogo findet sich als Symboltier das Eichhörnchen, das unter dem Namen „Corty“ zum Maskottchen dieser WM erhoben wurde. Schade freilich für den Schiort und die Anhänger gleichermaßen, dass aufgrund der Pandemie Hotels und Ränge leer bleiben.

Matthias Mayer – Der Solotänzer
Privat kocht er gerne, sportlich ist Matthias Mayer, 30, in Cortina d‘Ampezzo die rot-weiß-rote Galionsfigur. Der einzige Inhaber von Einzel-Goldmedaillen im ÖSV-Starterfeld wurde zum „Solotänzer“ …
Immerhin nimmt Matthias Mayer, 30, auch die harten Zeiten gerne mit Humor. Zuletzt veröffentlichte der „Mothl“, so sein Spitzname, im Internet ein Foto, das ihn auf der Alm im Ballett-Tutu zeigt, an den Beinen klobige Schischuhe.
„Ein lustiges Scherzbild“, erklärt er lachend. Allerdings eines mit Symbolcharakter, denn der Kärntner aus dem Ort Afritz, der leidenschaftlich gerne Kasnudeln oder Pizza kocht, ist nun in Cortina als Doppel-Olympiasieger der letzte aktive Goldmedaillengewinner und damit „Solotänzer“ im schwächelnden heimischen WM-Team. „Schon im ersten Jahr nach Marcel Hirschers Rücktritt haben wir leider einen Dämpfer erhalten“, erinnert sich Mayer, dass die ÖSV-Truppe 2020 erstmals nach 25 Jahren keine einzige Kristallkugel im Weltcup gewinnen konnte.
Seit sechs Jahren geht die Erfolgskurve bergab. Gab es bei der WM 2015 in Vail (USA) noch fünf Goldmedaillen für unser
Land, eroberte der ÖSV 2017 in St. Moritz (CH) immerhin noch drei. 2019 in Åre (Schweden) bestätigte sich mit nur einem Gold dieser Abwärtstrend. Die Hoffnung, dass es nicht wie 1987 in Crans Montana (CH) zu gar keiner Goldenen reichen könnte, ruht nun auf den bisherigen Saisonsiegern Matthias Mayer, Vincent Kriechmayr, Marco Schwarz und Manuel Feller. Wobei uns Schwarz und Feller im Spezialslalom wohl bis zum letzten WM-Tag zittern lassen werden.

Durch ungewöhnliches Training zur Bestzeit
Zwei Brettln und ein g‘führiger Schnee reichen im Training schon lange nicht mehr für Spitzenzeiten. Unsere Schi-Asse rund um Manuel Feller, 28, und Tamara Tippler, 29, nutzen vom Einradfahren bis zum Boxen die ungewöhnlichsten Übungsmethoden, um fitter zu werden.
Katharina Liensberger, 23, kann auf dem Einrad herumflitzen wie eine Zirkusartistin. „Ich war früher in einem Vorarlberger Turnverein und nutze jetzt unter anderem das Einrad für mein Training“, verrät das Slalom-Ass, wie es ihr bei der WM in Cortina d‘Ampezzo helfen kann, das Gleichgewichtsgefühl auf den Schiern zu verbessern.
Ähnlich geht es Manuel Feller, 28, der schon immer etwas fürs „Seiltanzen“ übrig hatte. „Die Slackline gehört zu meinen liebsten Hobbys“, versichert er, weiß aber auch, dass ihm das Balancieren auf diesem Band auf vereisten WM-Steilhängen zugute kommen kann. Der Tiroler sieht es zudem philosophisch. „Ein Trainer riet mir einmal, mich immer nur auf die nächste Kurve zu konzentrieren“, erinnert er sich. „Balancieren auf der Slackline ist genau das, nur der jeweils nächste Schritt zählt.“ Sein Torlauf-Kollege Marco Schwarz, 25, schwingt im Training gerne die „Battle Rope“, das sind am Boden verankerte, bis zu vier Zentimeter dicke und 15 Kilo schwere Seile. Sie werden wellenartig auf und ab bewegt, um den Rumpf zu kräftigen.
Das Abfahrts-Ass Tamara Tippler, 29, wiederum benützt einen bis zu 20 Kilo schweren Wasserschlauch namens „Tidal Tank“. Wie eine Hantel hochgestemmt, wird er durch das herumschwappende Wasser zum „lebenden Gewicht“, was die Koordination verbessert. Sogar Kampfsport wie Boxen kann auf der Schipiste entscheidende Hundertstel bringen. „Ein wertvolles Ausgleichstraining“, glaubt Stephanie Venier, 27, die sich mit einigen Kolleginnen von der Kickbox-Weltmeisterin Nicole Trimmel, 38, Tipps holte. „Kickboxen ist für jeden Schiläufer effektiv, denn es schult die Hand-Fuß-Koordination und jenes feine Empfinden, das ihnen später hilft, Bodenunebenheiten auszugleichen“, erklärt Trimmel.
Allerdings schläft auch die internationale Konkurrenz nicht, was alternative Trainingsmethoden betrifft. „Ich baue im Sommer Grasschifahren und das Surfen gegen den Zug eines Gummiseiles in mein Training ein, um die Koordination zu verbessern“, verrät der Schweizer Ramon Zenhäusern. Die amerikanische Läuferin Mikaela Shiffrin wiederum schwört auf Zirkeltraining mit einem gigantischen Medizinball.
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