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Ausgabe Nr. 05/2021 vom 02.02.2021, Foto: imago/SKATA
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Boris Bukowski wurde am 5. Februar 1946 in Gleisdorf in der Steiermark geboren. Nach der Matura studierte er Rechtswissenschaften. Das Studium schloss er mit dem Doktorat ab. Während der Gymnasiums- und Studienzeit übte er sich als Schlagzeuger und später auch als Sänger. In den achtziger Jahren landete er mehrere Hits, darunter „Kokain“, „Fandango“ und „Trag meine Liebe wie einen Mantel“. Sein letztes Album „Gibt‘s ein Leben vor dem Tod“ erschien 2017. Bukowski lebt heute in Stammersdorf, ist verheiratet, hat einen Stiefsohn, eine Tochter und zwei Enkerl.
„Von meinen Enkerln habe ich oft blaue Flecken“
Die Austropop-Legende Boris Bukowski wird am 5. Februar 75 Jahre alt. Und er begeht auch sein 60jähriges Bühnenjubiläum. Das wird mit Auftritten
gefeiert, sobald er wieder auf die Bretter darf. Während der Corona-Ausgangsbeschränkungen ohne Konzerte setzt Bukowski auf Sport und ist
daher in Top-Kondition.
Herr Bukowski, vorab einmal alles Gute zum 75. Geburtstag. Wie werden Sie Ihren Jahrestag verbringen?
Vielen Dank. Meine Frau wird eine Videokonferenz über das Internet für mich mit ein paar guten Freunden organisieren. Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird natürlich nachgefeiert.
Als Musiker spüren Sie die Corona-Pandemie wohl mehr als andere Menschen. Wie geht es Ihnen damit?
Mir persönlich geht es gut, aber es gibt viele Künstler, die kämpfen müssen. Viele der Allerbesten können nicht vorweisen, dass sie von der Musik leben können und bekommen daher keine Unterstützung vom Staat. Sie tun mir leid.
Haben Sie Angst vor dem Virus?
Ich habe keine besondere Angst, halte mich aber an die Maßnahmen. Ich kenne Menschen, die den Geschmackssinn durch Corona verloren haben. Virologen würden bei uns gerne alles herunterfahren wie in China, aber wir sind freiheitsliebender und nicht so diszipliniert.
Können Sie den Ausgangssperren auch etwas Gutes abgewinnen?
Ja, ich bin topfit. Jeden Tag bin ich eine Stunde im Schnellschritt unterwegs und mache eine Stunde Gymnastik. Zudem verbringe ich Zeit mit meinem Stief-
sohn. Er ist 13 Jahre alt und im Heimunterricht. Derzeit kann ich in Mathematik noch gut mithalten (lacht).
Sie haben Rechtswissenschaften studiert und mit Doktorat abgeschlossen, sind aber in der Musik gelandet. Woher kam dieser Sinneswandel?
Ich komme aus einer Juristenfamilie. Mein Vater war Rechtsanwalt. Mein Bruder war am Ende seiner Karriere Botschafter in China. Ich hingegen wollte immer Schlagzeuger und Sänger werden. Rechtswissenschaften zu studieren war nur mein „Plan B“. Zum Glück musste ich ihn nie anwenden (lacht).
Wären Sie heute ein guter Anwalt?
Ja, wäre ich bestimmt. Aber mein Studium ist lange her und ich habe keinerlei Erfahrung damit. Vor Gericht könnte ich mich nicht selbst verteidigen.
Was ist für Sie das wichtigste Gesetz?
Am wichtigsten ist unsere Verfassung mit den Gleichheitsparagraphen. Sie sind die Säulen der Demokratie, die in den USA durch Donald Trump, 74, und dessen Anhänger gerade hart beansprucht wurde.
Ihr letztes Album heißt „Gibt‘s ein Leben vor dem Tod?“. Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?
Ich glaube, du musst schon etwas tun und dich etwas trauen für ein erfülltes Leben. Für mich ist das Leben ein geiles Abenteuer mit tödlichem Ausgang. Einen solchen nimmt es immer, aber wenn du nichts tust, war es kein geiles Abenteuer.
Gibt‘s ein Leben nach dem Tod?
Ich glaube nicht an Religion und ein Leben nach dem Tod. Alles, was uns ausmacht, ist in den Genen gespeichert. Wenn wir tot sind, ist auch auf der Festplatte nichts mehr gespeichert.
Sie feiern heuer Ihr 60jähriges Bühnenjubiläum. Blicken Sie manchmal nostalgisch zurück?
Nostalgisch bin ich nicht. Musik ist eine zeitlose Sache. Die meisten Menschen bleiben bei ihrem Musikgeschmack stehen, Musiker aber nicht. Wir interessieren uns für das, was heute gemacht wird.
Sie bezeichnen sich selbst als „Bühnentier“. Wie definiert sich ein solches?
Ich liebe und genieße es, auf der Bühne zu stehen. Das geht mir natürlich ab. Wir haben aber für den Herbst bereits einige Konzerttermine geplant. Es ist schön, wenn du auf der Bühne stehst und den Menschen gefällt, was du machst. Das ist nicht vergleichbar mit Politikern, die auch in der Öffentlichkeit stehen und aufs Schärfste kritisiert werden. Ich wundere mich sehr, was in den sozialen Medien im Internet los ist. Ich habe auf Facebook 5.000 beste Freunde, die ich gar nicht kenne, die mir aber treu sind. Wenn Politiker beschimpft werden, muss den Menschen gesagt werden, halt, wir haben sie doch selbst gewählt.
Sie haben früher den Radiosender „Ö3“ kritisiert, dass er zu wenig heimische Musik spielt? Ist die Situation heute schlimmer?
Nein, es ist zum Glück wieder etwas besser geworden. In den achtziger Jahren wurde etwa ein Viertel heimische Musik gespielt, später nur noch knapp fünf Prozent. Heute ist es wieder mehr geworden. Aber immer noch zu wenig. In Schweden wird darauf geschaut, dass es eine regionale Musikindustrie gibt, die Milliarden einspielt, hier will das anscheinend niemand.
Sie sind in Gleisdorf in der Steiermark geboren. Welchen Bezug haben Sie heute zu Ihrer Heimat?
Es war schön, in einem Dorf aufzuwachsen. Heute lebe ich in Stammersdorf in Wien. Hier habe ich die Großstadt und die Natur vor der Haustür. Ich fahre gerne Rad und betreibe „Stehpaddeln“. Das ist eine Wassersportart, bei der ich aufrecht auf einem schwimmfähigen Brett stehe und mit einem Stechpaddel paddle. Außerdem kann ich im Weinort Stammersdorf gut mit einem Glaserl Wein abschalten. Die „Dealer“, deutsch Händler, habe ich gleich um die Ecke (lacht).
Ihre Mutter wurde älter als 99 Jahre. Was war ihr Geheimnis?
Mit Mitte 40 wurde ihr eine Niere entfernt, ab dann hat sie sehr auf ihre Gesundheit geachtet. Sie hat viel Bewegung gemacht, allerdings hat sie bis zu ihrem Tod auch geraucht, aber äußerst sparsam.
Sie haben zum 70. Geburtstag einen Tandem-Fallschirm-Sprung gemacht. Planen Sie zum 75er wieder so etwas?
Ich habe das früher schon einmal aus 3.000 Metern gemacht, dann sind wir aus 4.200 Metern abgesprungen. Wenn die Flugzeugtür aufgeht, riechst du das Kerosin, dann geht es mit rund 200 Stundenkilometern nach unten. Danach war mir eine Stunde lang schlecht. In Zukunft mache ich etwas anderes.
Wie geht es Ihnen als Opa?
Ich habe zwei Enkelkinder, Sammy, 8, und Arian, 4. Sie sind wilde Burschen und halten mich auf Trab. Ihr Vater war Kickboxer und sie wollen es ihm nachmachen. Ich habe oft blaue Flecken.
Dürfen wir uns irgendwann auch wieder auf ein neues Album von Ihnen freuen?
Nein, ich habe eher vor, mein Duo-Programm mit meinem Gitarristen immer mehr auszubauen. Wir stehen beide mit E-Gitarren auf der Bühne und spielen unsere besten Lieder. Dazu präsentiere ich die schrägsten Anekdoten aus meinem Leben.
Und an den Ruhestand denken Sie gar nicht?
Nur wenn sie mir die Hände auf den Rücken binden.
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