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Ausgabe Nr. 05/2021 vom 02.02.2021, Fotos: GPA, Wilke
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Barbara Teiber, Günter Stummvoll
Ist eine Vermögenssteuer bei uns notwendig?
Rund 255 Millionen Vollzeit-Arbeitsplätze sind in der Corona-Krise bisher verloren gegangen. Vier Mal so viel wie in der Finanzkrise 2009. Andererseits vermehrten allein in Deutschland die zehn reichsten Personen ihr Vermögen zwischen Februar 2019 und Ende 2020 um mehr als ein Drittel. Bei uns hat sich Arbeitsminister Martin Kocher gegen eine alleinige Vermögenssteuer ausgesprochen. Ex-ÖVP-Staatssekretär Günter Stummvoll fordert „Hände weg vom Eigentum“.
JA:
Barbara Teiber,
Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA)

„Die zehn reichsten Männer der Welt sind in der Krise um fast eine halbe Billion Dollar reicher geworden. Für uns Normalsterbliche ist nicht vorstellbar, wie viel Geld das ist. Man könnte damit die ganze Welt gegen das Corona-Virus impfen und hätte immer noch etliche Milliarden übrig. Auch in Österreich geht es den Reichsten der Reichen nach wie vor sehr gut. Das reichste eine Prozent der Haushalte besitzt fast 40 Prozent des Vermögens, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung gemeinsam etwa 2,5 Prozent besitzt. Nicht nur, dass das Vermögen extrem ungleich verteilt ist – es wird in Österreich auch kaum besteuert. Kaum ein anderes Land in Europa verlangt so wenig Steuern auf Vermögen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tragen etwa vier Fünftel aller Steuern. Da liegt der Schluss nahe, dass es auch wieder Beschäftigte, Pensionistinnen und Pensionisten sein werden, die zum Handkuss kommen, um die enormen Krisenkosten zu bezahlen. Das lässt sich nur vermeiden, indem Millionäre ihren gerechten Beitrag leisten.
Wir als Gewerkschaft GPA haben ein Modell vorgelegt, das nur vier Prozent der Haushalte trifft – und zwar jene, die es sich locker leisten können.“

NEIN:
Günter Stummvoll,
Initiative Standort

„Nach der Corona-Krise, die den stärksten Wirtschaftseinbruch in der Geschichte der Zweiten Republik ausgelöst hat, müssen wir alles tun, um mit einer Wachstumsstrategie die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen. Neue Steuern wären Gift für die Wirtschaft und der Tod für den Aufschwung. Wir haben schon die sechsthöchste Steuer- und Abgabenquote in der EU. Eine Vermögenssteuer wäre eine Steuer auf Eigentum und der Beginn einer schrittweisen Enteignung. Bei uns werden ohnehin praktisch alle Vermögenserträge besteuert, ob dies nun Sparbuchzinsen sind, Dividenden von Wertpapieren, Immobilienerträge, Mieten oder Pachten. Das Argument, dass eine Vermögenssteuer nur die Super-Reichen treffen würde, ist eine Manipulation mit den Fakten. In Wirklichkeit würde eine Vermögenssteuer mit voller Wucht den Mittelstand treffen. Auch das Argument der Verteilungsgerechtigkeit ist geradezu pervers. Denn jemandem etwas von seinem Eigentum wegzunehmen, soll gerecht sein? Eigentum ist ein Grundwert in einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, ist Voraussetzung für Freiheit und Unabhängigkeit. Daher: Hände weg vom Eigentum.“
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Dodoheimarie
Ist eine Vermögenssteuer...
Es wäre sicher eine notwendig!
Doch bereits unter Kreisky hatte man vorgesorgt: man bunkert sein Geld in Stiftungen! Andere Menschen verlegen ihren Wohnsitz ins Ausland und ganz gewievte horten ihr Geld in Steueroasen! Nicht nur steinreiche Leute sind hier dabei.

Zudem zahlen Reve & Co ihre Steuern im Ausland. Großkonzernen werden doppelte und dreifache Vergünstigungen gewährt und nimmt man ihnen diese gewinnen sie wiederum und ziehen in den billigen Osten. Das ist unsere Regierung!

Doris Eberhardt
Moosburg
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