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Ausgabe Nr. 03/2021 vom 19.01.2021, Foto: babiradpicture/Chr.Stiefler
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Ingrid Steeger wurde am 1. April 1947 in der deutschen Hauptstadt Berlin geboren. Sie kam als drittes Kind einer Kaufmannsfamilie zur Welt und hieß mit bürgerlichem Namen Ingrid Anita Stengert. Bekannt wurde sie später durch Sex-Filmchen und Klamauk-Sendungen. Auch mit dem Entertainer Harald Juhnke drehte sie einige Sketche. Steeger war zwei Mal verheiratet, sie blieb kinderlos und lebt heute zurückgezogen in Mitteldeutschland.
„Ich war schon tot"
Auf das Jahr 2020 wird Ingrid Steeger nur ungern zurückblicken. Machte schon das Corona-Virus das Leben schwer, sorgten Herzprobleme bei der 73jährigen deutschen Schauspielerin, die einst in der Fernsehserie „Klimbim“ blödelte, sogar für lebensbedrohliche Situationen, wie sie der WOCHE-Reporterin Maike Schuster erzählt hat.
Frau Steeger, ein gutes neues Jahr! Was wünschen Sie sich für 2021?
Dass sich die Situation rund um das Corona-Virus beruhigt, dass die Theater wieder aufmachen, dass ich endlich wieder auf die Bühne kann. Für die ganze Welt wünsche ich mir, dass es mit dem Corona-Virus bald vorbei ist. Ich werde mich auch impfen lassen.
Sind Sie an Corona erkrankt oder kennen Sie jemanden, der daran erkrankt ist?
Nein, weder noch.
Sie sind also bislang verschont geblieben?
Na ja, ich war im vergangenen Jahr lange im Spital – wegen meines Herzens. Ich lag vier Wochen auf der Intensivstation und war schon klinisch tot. Seit ein paar Monaten wohne ich jetzt mit meiner Schwester zusammen. Auch mein Hund ist bei mir.
Wann waren Sie im Spital?
Ich war im Jänner und Februar im Krankenhaus und bekam einen Defibrillator eingesetzt. Es hat ziemlich lange gedauert, bis sich mein Körper daran gewöhnt hat. Das zog sich lange hin. Und die Stromstöße, die ich bekam, waren heftig. Das war alles nicht komisch, sondern ein Kampf mit diesem Gerät.
Und Sie waren klinisch tot?
Ja, ich hatte einen Herzstillstand, der mehrere Minuten andauerte.
Hatten Sie ein Nahtoderlebnis – sahen Sie einen Tunnel oder ein Licht?
Nein. Vielleicht haben mich die Ärzte zu schnell reanimiert. Auf jeden Fall war das Jahr 2020 für mich die Hölle. Erst meine Herzsache, dann kam Corona dazu und alle Theater wurden zugesperrt, es war nur schrecklich.
Wovon leben Sie derzeit?
Ich bekomme eine Rente, meine Schwester bekommt auch eine Rente, uns geht es soweit ganz gut. Und da wir jetzt zusammenleben, ist ja auch alles nicht mehr so teuer. Wir hatten uns ja schon immer vorgenommen zusammenzuleben. Jetzt tun wir das seit ein paar Monaten.
Sind Sie zu ihr gezogen?
Nein, sie ist zu mir gekommen, nach Bad Hersfeld in Mitteldeutschland, nordöstlich von Frankfurt.
Und Ihrem Hund geht es auch wieder gut?
„Eliza“? Ja. Sie wurde ja im Jahr 2019 entführt und war ein halbes Jahr verschwunden. Dann habe ich sie endlich wiederbekommen.
Könnten Sie derzeit überhaupt arbeiten, wenn die Theater geöffnet hätten?
Ja, weil ich keine Stromstöße mehr bekomme. Davor wäre an Arbeit nicht zu denken gewesen.
Müssen Sie immer wieder ins Spital zur Kontrolle?
Natürlich. Ich war zunächst vier Wochen lang auf der Intensivstation, später haben die Ärte versucht, das Gerät richtig einzustellen. Dann war ich noch einmal fünf Tage in der Klinik. Jetzt muss ich wieder hinein, dann kontrollieren die Ärzte die Batterie. Alles ist ja unter der Haut eingepflanzt.
Stimmt es, dass es Ihrer Schwester ebenfalls nicht gut gegangen ist?
Sie hatte Brustkrebs, doch es scheint nun alles in Ordnung zu sein.
Wie haben Sie den Jahreswechsel verbracht?
Ich habe bis kurz vor Mitternacht geschlafen. Mein Hund und ich mögen diese Knallerei sowieso nicht. Gewöhnlich bin ich ja zu Silvester immer auf der Bühne gestanden. Meistens hatte ich am 31. Dezember sogar drei Vorstellungen. Das war allerdings schon ziemlich viel. Jetzt hat mir die Arbeit aber gefehlt. Ich würde gerne wieder auf die Bühne zurückkehren.
Was macht denn Ihr Gewicht? Sie haben ja immer unglaublich wenig gewogen – zuweilen gerade einmal 45 Kilo. Sie hatten mit Blutanämie zu kämpfen, haben Sie das denn jetzt im Griff?
Ja, die Ärzte haben meine Herzkrankheit lange Zeit nicht erkannt. Meine Probleme kamen alle vom Herzen. Der Defibrillator regelt nun mein Vorhofflimmern. Ich nehme natürlich auch Herztabletten und Blutverdünnungsmittel ein.
Sind Sie denn jetzt etwas stabiler mit Ihrem Gewicht? Haben Sie zur Abwechslung einmal ein bisschen zugenommen?
Ich will nicht zunehmen. Ich will nicht fett werden. Ich war noch nie dick, und ich will das auch nicht. Und ich bin kein großer Esser, niemand kann zum Essen gezwungen werden. Außerdem esse ich nicht gerne. Ich habe noch nie gern gegessen. Schon als Kind wurde ich immer zur Kur geschickt, weil ich zu dünn war. Der Regisseur Michael Pfleghar hat auch immer geschimpft, dass ich zu dünn sei, aber wenn ich heute die dicken Frauen auf der Straße sehe, bin ich froh, dass ich nicht so dick bin.
Und was machen die Männer in Ihrem Leben?
Soll ich mich übergeben? Ich bin jetzt 73 Jahre alt, was soll ich da noch mit so einem egoistischen Kerl? Nein. Wenn sich da noch einmal etwas ergeben sollte – das wäre ein Wunder. Ich habe meinen Hund hier, meine Schwester und Freunde.
Sie haben ziemlich schlimme Erfahrungen mit Männern gemacht …
… stimmt, ich wurde mehrfach vergewaltigt. Auch von Kollegen. Aber ich würde nie mit einem Namen an die Öffentlichkeit gehen.
Hat sich je ein Mann bei Ihnen für sein Vergehen entschuldigt?
(lacht) Nein, wirklich nicht. Die Männer wollen doch so etwas vergessen und reden nicht drüber. Darüber redet keiner, da entschuldigt sich auch keiner. Das ist ganz klar. Ab und zu kommen diese Erlebnisse wieder in mir auf, aber dann versuche ich, sie zu verdrängen. Es ist lange her. Nur der amerikanische Indianer (die Ehe mit Tom LaBlanc dauerte von 1992 bis 1995, Anm. der Redaktion), der sollte mir nicht mehr über den Weg laufen. Der hat mich benutzt, ausgenutzt. Auch finanziell hat er mich benutzt.
Haben Sie Angst vor dem Alter?
Ich möchte nicht im Pflegeheim enden, aber vor dem Tod fürchte ich mich nicht. Alt zu werden macht aber keinen Spaß.
Es lässt sich nicht verhindern …
Leider. Deshalb möchte ich wieder auf die Bühne zurückkehren, sonst verblöde ich auch noch.
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