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Ausgabe Nr. 02/2021 vom 12.01.2021, Foto: Curtis Hilbun / AFF-USA.com / ddp
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Dolly Parton, 74, kennt persönliche Höhen und Tiefen.
Das Leben eines bunten Schmetterlings
Sie betreibt ihren eigenen Vergnügungspark, schreibt Lieder am Fließband und tritt als Schauspielerin auf. Dolly Parton, 74, scheint unverwüstlich und voller Energie. Dass sie einst aus Liebeskummer Selbstmord begehen wollte, hat sie überwunden. Daraus, dass vieles an ihr nicht echt ist, macht sie keinen Hehl, ebensowenig, dass sie ihren Mann unsterblich liebt.
Seit mehr als fünf Jahrzehnten bewegt die Country-Sängerin Dolly Parton die Herzen von Millionen Menschen rund um den Globus. Und ihr fällt immer wieder etwas Neues ein.

Im vergangenen Sommer erst trat der „Eiserne Schmetterling“, wie ihre Bewunderer die amerikanische Musik-Ikone nennen, als großer Schmetterling auf. Der Anlass war die 37 Millionen Dollar teure Erweiterung ihres riesigen Freizeitparks „Dollywood“ bei Pigeon Forge im US-Staat Tennessee. Er wird jedes Jahr von mehr als drei Millionen Touristen besucht. Bei der Einweihung der neuen Anlage erschien die Sängerin als Schmetterling verkleidet, ähnlich der großen Baumskulptur im Zentrum, an die sie 620 Acryl-Schmetterlinge hängen ließ.

Dolly Parton, die am 19. Jänner ihren 75. Geburtstag feiert, sprudelt vor Ideen. Dabei hat sie bereits 3.000 Lieder geschrieben und gesungen, sie komponiert immer noch und geht im Bus auf Gesangs-Tournee. Dass ihr Mundwerk auch ansonsten so lose wie früher geblieben ist, bewies sie bei der Vorstellung von Jennifer Anistons neuem Film „Dumplin“.
Für diese Mutter-Tochter-Geschichte (auf dem Internet-Kanal Netflix zu sehen) komponierte Parton die Film-Musik und meinte, ihr 76jähriger Mann Carl Thomas Dean sei verrückt nach Aniston: „Er war mehr davon begeistert, dass ich an einem Film von Aniston mitwirke, als davon, dass ich die ganze Musik geschrieben habe. Ich glaube, er fantasiert von einem Dreier.“

Die 51jährige Aniston nahm es mit Humor, obwohl sie zugibt: „Mir fiel die Kinnlade herunter, als ich Dollys Spruch hörte. Das war ein typischer Sager von ihr. So ist sie nun einmal – humorvoll und schlagfertig.“
Wie so oft in Dolly Partons Liedern, reflektieren ihre jüngsten Balladen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit. Dieses Mal griff sie zurück auf ihre Kindheit, in der sie davon träumte, ein bewunderter Musik-Star zu werden. Das macht im Film auch Willowdean, die Tochter einer früheren, von Jennifer Aniston dargestellten Schönheitskönigin. Die gefühlsarme Mama gab dem dicklichen Mädchen den von „Dumpling“ (Knödel) abgeleiteten Spitznamen „Dumplin“.

„Netflix hatte mich beauftragt, die Fim-Musik zu machen“, erzählt Parton, die in einer 25-Zimmer-Villa in Nashville (US-Staat Tennessee) lebt. „Als ich dann den Film sah, überwältigte mich die Geschichte. Ich sah mich selber wieder, mit all meinen Kindheitsträumen. Ich bin mir zwar bewusst, dass die Menschen mich für eine Musik-Größe halten. Aber tief in meinem Inneren bin ich doch die kleine Dolly aus den Bergen Tennessees geblieben.“

Das Komponieren fällt der 74jährigen so leicht, dass sie gleichzeitig an mehreren Liedern arbeiten kann. Die ‚Dumplin‘-Musik war noch nicht fertig, da arbeitete sie schon an der achtteiligen Netflix-Serie „Heartstrings“ (deutsch: Innerste Gefühle), die ebenfalls auf dem Internet-Kanal zu sehen ist. Parton tritt darin teilweise sogar selbst als Schaupielerin und Moderatorin auf.

Jede Folge basiert auf einem ihrer erfolgreichsten Lieder und erzählt eine eigene Geschichte. In „Coat of Many Colors“ (Musik aus dem Jahr 1971) berichtet sie über ihre ärmliche, aber trotzdem relativ glückliche Kindheit. In „These Old Bones“ (1978) stößt eine frischgebackene Anwältin bei der Rückkehr in ihr Dorf auf unerwarteten Widerstand. „Ich liebe es, Geschichten in Liedern zu erzählen“, sagt Parton. „Das begann schon ganz früh.“

Sie wuchs noch mit fünf Schwestern und sechs Brüdern in einer Hütte am Ufer des Little Pigeon Flusses in Pittman Center (Tennessee) auf. Die Behausung der armen Bauern-Familie bestand aus einem einzigen Zimmer. „Wir hatten kein fließendes Wasser und wuschen uns im Fluss. Wir Kinder teilten uns zwei Betten. Mein Vater bezahlte den Doktor, der bei der Geburt meines vierten Bruders half, mit einem Sack Mais. Aber immer gab es Musik.“ Ihr Großvater schenkte der Sechsjährigen eine selbstgebaute Gitarre, auf der sie ihre ersten eigenen Lieder klimperte. Der Pastor erkannte die Begabung seiner Enkelin und ließ sie im Gottesdienst auftreten. Mit 13 Jahren nahm ein Musikstudio im benachbarten Nashville ihre erste Schallplatte mit dem Titel „Puppy Love“ auf.

Nachdem Parton die Schule abgeschlossen hatte, zog sie nach Nashville, in die Hauptstadt der Country-Musik, um Karriere zu machen. Ihr beruflicher Aufstieg hatte gerade begonnen, als sie mit 18 Jahren beim Bügeln eines Betttuches in der „Wishy Washy“-Wäscherei den Mann traf, mit dem sie seit 53 Jahren verheiratet ist. Obgleich Carl Thomas Dean, ein früherer Bauarbeiter, das Show-Geschäft hasst und nie bei den Auftritten seiner Frau zu sehen ist, halten sie fest zusammen. „Er ist mein Schatten“, meint sie lachend. „Er kann den Promi-Rummel, der mich umgibt, meine Tourneen, die jubelnden Zuhörer sowie die Partys nicht ausstehen. Aber er gehört zu mir.“ Während seine Frau weltberühmt wurde, baute er eine erfolgreiche Konstruktionsfirma auf, was seine Berufswünsche erfüllte.

Dass die häufige Trennung des Paares zu Gerüchten geführt hat, ist nicht verwunderlich. Das lockere, sexbetonte Auftreten der wasserstoffblonden Ikone, das Präsentieren ihrer vergrößerten, voluminösen Brüste und die losen Sprüche haben nicht dazu beigetragen, sie als loyale Ehefrau darzustellen. „Ich liebe es zu flirten,“ gibt sie zu, „und ich habe nie einen Mann getroffen, den ich nicht mochte. Männer sind meine Schwäche: kleine, dicke, kahle, dünne. Aber es bleibt stets beim Flirten.“

Dennoch wurden ihr immer wieder Affären nachgesagt. Zum Beispiel mit Silvester Stallone und Burt Reynolds, mit dem sie im Jahr 1982 im Film „The Best Little Whorehouse in Texas“ zu sehen war. „Ich konnte es nicht abwarten, mit Burt ins Bett zu springen“, meint Dolly Parton. Und fügt nach einer Pause augenzwinkernd hinzu: „Natürlich nur im Film. Hahaha!“ Böse Zungen sprachen auch von einer lesbischen Beziehung zu ihrer Jugendfreundin und Assistentin Judy Ogle. Dann gab es da auch noch den Seitensprung in ihren Dreißigern – mit jemandem, dessen Namen sie nicht nennt. Vermutlich handelt es sich um ihren Bandleader Gregg Perry. Nach dem dramatischen Bruch, meint Parton, habe sie an Selbstmord gedacht. Nur weil Gott ihren Hund „Popeye“ geschickt habe, um sie davon abzuhalten, sei sie noch am Leben. „,Popeye‘ kam, als ich in meinem Schlafzimmer saß und den Revolver anstarrte, den ich zur Abwehr von Einbrechern bereithalte. Danach habe ich einen Ozean geweint.“

Das alles liegt nun viele Jahre zurück. Heute sagt die Sängerin: „Ich liebe meinen Mann über alles. Wenn er mich verlassen würde, wäre das mein Tod.“ Ihr Liebeslieder-Album „Pure & Simple“ (2016) hat sie ihm gewidmet. Sie sagt, sie mache sich nicht nur für ihr Publikum schön, sondern in erster Linie für ihren Mann. Nur 153 Zentimeter groß, spaziert sie selbst zuhause auf Stilettos umher. „Ich weiß, dass ich keine geborene Schönheit bin. Deshalb habe ich nachgeholfen, seit ich 22 war.“ An der wiederholten Vergrößerung ihrer Brüste (Spitznamen „Shock and Awe“, deutsch: Schock und Ehrfurcht) und durch andere Schönheitsoperationen hätten Chirurgen 600.000 Dollar verdient, klagte sie einmal. Weil ihre Finger kurz seien, lasse sie die Nägel wachsen. Wegen ihres dünner gewordenen Haares trage sie Perücken.
„Meine Brüste sind nicht echt, meine Haare sind nicht echt – aber echt sind meine Stimme und mein Herz“, sagt sie. Und das schlägt für Kinder. Weil sie selbst keine bekommen konnte, spendet Parton jedes Jahr Millionen von Dollar für bedürftige Buben und Mädchen.
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