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Ausgabe Nr. 02/2021 vom 12.01.2021, Foto: Asaf Kliger
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Reise in den hohen Norden
Anreise: Flug nach Stockholm (Schweden), anschließend Flug in die Stadt Kiruna (90 Minuten). Von dort fährt ein Bus direkt zum Eishotel (20 Minuten Fahrzeit). Wer möchte, lässt sich vom Hundeschlitten abholen.
Info: Tel.: 0046 980 668 00, www.icehotel.com
Ein Hotel aus Schnee und Eis
Der Fluss Torne, das arktische Klima und die Nordlichter prägen das Eishotel im schwedischen Dorf Jukkasjärvi. Dort entsteht jeden Winter ein Hotel, in dem vom Bett bis zum Luster alles aus Schnee und Eis geformt ist. Die Gäste kuscheln sich nachts in warme Schlafsäcke und Rentierfelle. Die Raumtemperatur der Eishöhle beträgt knackige minus fünf Grad.
Kein Zimmer gleicht dem anderen und keines hält länger als die Wintersaison. Im Eishotel im schwedischen Dorf Jukkasjärvi sind Boden, Decken, Wände und alle Einrichtungsgegenstände aus Eis gestaltet.

Die Unterkunft liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in der Provinz Lappland. Das 900-Seelen-Dorf ist ein beliebtes Ausflugsziel im Sommer. Im Winter liegt die Temperatur hier jedoch bei minus 30 Grad. „Mir wurde gesagt, dass der strenge, kalte Winter keine Touristen anlocken wird. Ich wollte das ändern und den Menschen zeigen, dass die kalte Jahreszeit in Schweden auch schön sein kann“, erzählt Yngve Bergqvist, 73, der das Eishotel gegründet hat.

Im Jahr 1988 flog er nach Japan, wo er in Sapporo das Schneefestival besuchte. „Ich war von den geschaffenen Figuren begeistert und wollte das in meine Heimat bringen.“ Im nächsten Jahr ließ er von japanischen Eiskünstlern ein Iglu bauen, das als Kunstgalerie diente. „An einem Abend fragte eine Gruppe Reisender, ob sie die Nacht im Iglu verbringen dürften, weil sie keine Unterkunft hatten. Ich ließ sie übernachten. Wir gaben ihnen Rentierfelle und Schlafsäcke. Am nächsten Tag waren die Besucher von diesem Erlebnis begeistert. So entstand die Idee, ein Eishotel zu errichten. Es ist übrigens das weltweit erste, das gebaut wurde“, erzählt Yngve Bergqvist.

Das Baumaterial spendet der Fluss Torne, der an dem Dorf vorbeifließt. „Das Eis wird im März aus dem Fluss geschnitten und in einer Halle gelagert. Sobald es kalt genug ist, wird es in Form gebracht“, erzählt der Schwede.

Die Innenausstattung übernehmen Künstler, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dieses Jahr zieren Elefanten, aus Schnee geformte Bäume und ein Rudel durstiger Löwen die Zimmer. Eine der zwölf geräumigen Suiten wird von Fabelwesen aus Eis bewacht, während in einem der zwanzig kleineren Zimmer ein lebensgroßer Bär den Besuchern beim Schlummern zusieht.

Apropos Schlafen. Das Bett thront auf einem Eisblock. Darauf liegen eine Matratze und Rentierfelle. Die Innentemperatur der frostigen Unterkunft beträgt minus fünf Grad. „Das klingt kalt, aber draußen sind im Winter minus 20 bis 30 Grad die Regel. Daher ist es relativ warm im Eishotel“, schmunzelt Bergqvist.
Damit den Gästen nicht kalt wird, kuscheln sie sich in warme Daunenschlafsäcke. „Wir empfehlen, sich lange Unterwäsche und warme Socken anzuziehen sowie eine Haube aufzusetzen. Einige unserer Besucher sind sichtlich nervös, bevor sie zu Bett gehen. Manche haben noch nie in einem Schlafsack oder in kalter Umgebung geschlafen. Am nächsten Tag sind sie dann überrascht, wie ruhig die Nacht war. Die Zimmerwände aus Schnee isolieren, sodass kein Schnarchen des Nachbarn die eigene Bettruhe stören kann“, erzählt Jenny Andersson, die sich um die Belange der Gäste kümmert.

In der Früh bekommen die Urlauber warmen Preiselbeersaft ans Bett serviert, ehe es anschließend zum Frühstück ins beheizte Gebäude nebenan geht. „Das Eishotel hat auch einen warmen Hotelbereich. Dazu gehören ein Restaurant, ein Informationsschalter, eine Sauna, Badezimmer und Umkleidekabinen“, sagt der Hotel-Gründer Bergqvist.
Wem das eisige Abenteuer nicht zusagt, kann das Eishotel trotzdem besichtigen. Tagsüber ist das Hotel ein Museum. Es gibt Führungen durch die Zimmer. Im Anschluss können sich die Besucher einen Cocktail in der Eisbar genehmigen. Dort ist fast alles aus gefrorenem Wasser. Von der Einrichtung bis hin zum Glas, in dem das Getränk serviert wird.

Eine Übernachtung für zwei Personen kostet im Jänner 228 Euro. Eine Nacht in der Suite schlägt sich für zwei Personen mit 426 Euro zu Buche. Die Unterkünfte haben – trotz Corona – in Schweden geöffnet. „Wir versuchen, den Aufenthalt für unsere Gäste so sicher wie möglich zu gestalten.“
Im Winter können Gäste tagsüber verschiedene Ausflüge mit dem Hundeschlitten unternehmen, auf Rentier-Safari gehen oder Eisskulpturen schnitzen. Abends sehen sie mit etwas Glück die Nordlicher am nächtlichen Himmel.

Ab Mitte April, wenn die Temperaturen in Lappland wieder steigen, zeigt sich die Vergänglichkeit des Hotels aus Schnee und Eis. Es schmilzt und ergießt sich in den Fluss Torne, wo das Eis ursprünglich herkam.

Damit Gäste auch im Sommer einen Eindruck vom Winterspektakel bekommen, hat Bergqvist ein weiteres Hotel, das ganzjährig das Übernachten in frostiger Umgebung anbietet. Im „Eishotel 365“ können Besucher auch im Sommer in einem von 18 Eiszimmern nächtigen. „Die Mitternachtssonne scheint im Sommer nahezu den ganzen Tag und produziert mithilfe von Solaranlagen die dafür nötige Energie. Im Winter ist keine zusätzliche Kühlung notwendig.“
Im Hotel gibt es auch beheizte Räume, sodass Besucher ihren Urlaub in Lappland nach einer Nacht im Eishotel fortsetzen können.
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