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Ausgabe Nr. 01/2021 vom 04.01.2021, Foto: Cynthia Stippich
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Lisa Brandstätter ist bei der Hebamme Andrea Murer in guten Händen.
Immer mehr Hausgeburten
Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus veranlasst immer mehr Frauen, ihre Kinder daheim, in den eigenen vier Wänden, zur Welt zu bringen. Vor allem, weil dann auch der Partner mit dabei sein kann. Das ist derzeit im Spital nicht möglich.
So, und jetzt langsam einatmen und wieder ausatmen“, sagt die Hebamme Andrea Murer, 55. Während sie ihre Anweisungen gibt, umfasst sie mit ihren Händen sanft den Bauch von Lisa Brandstätter. Die 28jährige Kärntnerin erwartet Ende März ihr erstes Kind und bereitet sich schon seit Wochen mit Murer auf dieses Ereignis vor.

„Es wird ein Mädchen und ich freue mich unglaublich darauf“, meint die 28jährige. „Ich will mein Baby unbedingt daheim auf die Welt bringen. Denn aufgrund der strengen Corona-Regeln darf Karl, 26, der Vater meines Kindes, im Spital nicht bei der Geburt dabei sein. Doch wir wollen gemeinsam dieses Ereignis durchstehen und deshalb kommt für mich nur eine Hausgeburt in Frage.“
Was früher gang und gäbe war, hat sich durch die gute Ausstattung der Spitäler sowie einen regelrechten Trend hin zu Kaiserschnitt-Geburten gewandelt. Von den 84.950 im Jahr 2019 in unserem Land geborenen Kindern kamen etwa 1.200 durch Hausgeburten zur Welt. Aber jedes dritte Kind wurde durch Kaiserschnitt geboren. Deren Anzahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Die Corona-Pandemie hat im abgelaufenen Jahr jedoch dazu geführt, dass sich immer mehr Frauen entschlossen haben, daheim zu entbinden. „Die Hausgeburten machten etwa 1,5 Prozent aller Geburten in unserem Land aus“, weiß Beate Kayer vom Österreichischen Hebammen-Gremium. „Durch Corona stieg der Anteil. Genaue Zahlen für das vergangene Jahr liegen zwar noch nicht vor, doch wir gehen von einem Ansteig auf mehr als zwei Prozent aus.“

Verantwortlich dafür ist die Angst der Mütter, ihr Baby könnte sich mit dem Virus infizieren. Dies ist jedoch relativ unwahrscheinlich. „Es sind nur wenige Fälle bekannt, dass sich bereits Babys mit dem Corona-Virus angesteckt hätten. Auch wenn die Mutter Corona-positiv wäre oder die Erkrankung gerade durchmacht, bekommt das Baby Antikörper über die Muttermilch. Der sogenannte Nestschutz bewahrt Babys anfangs vor vielen Krankheiten“, sagt Kayer.
Konkrete Nachweise, dass sich das Corona-Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind überträgt, gibt es laut Medizinern nicht. „Unter den Tausenden von Babys, die von Müttern mit Covid-19 geboren wurden, sind nicht mehr als ein oder zwei Prozent positiv auf das Virus getestet worden und noch weniger zeigten ernsthafte Symptome. Eine Schwangerschaft mit Covid-19 ist kein signifikanter Risikofaktor für die Mutter oder deren Baby“, erklärt die Medizinprofessorin Marian Knight.

Allerdings spricht viel für eine natürliche Geburt, denn durch Kaiserschnitt entbundene Kinder leiden häufiger an chronischen Krankheiten, wie etwa Diabetes oder Asthma, als vaginal entbundene Babys. Weil bei einer natürlichen Geburt lebenswichtige Bakterien den Körper einschließlich Darm, Haut und Lunge besiedeln. Im Gegensatz dazu ist die Immunstimulation bei Kaiserschnittkindern viel geringer.

Oft verläuft die Geburt sogar schmerzfrei
Die Ursachen für den Anstieg der Kaiserschnittrate sind etwa höhere Leistungseffizienz im Spital bei geplanten Schnittentbindungen und der Erstkontakt mit der Hebamme erfolgt zu spät, oft erst im Kreißsaal.
Freilich, es gibt Ernstfälle, da sind die Ärzte in den Spitälern unerlässlich. Wie bei der 30jährigen Ludovika Bauer aus Klagenfurt (K). Die Entbindung ihres ersten Kindes, Tochter Maria vor zwei Jahren, war ein traumatisches Erlebnis. „Die Geburt musste eingeleitet werden, weil ich bereits 40 Stunden in den Wehen lag und mein Baby bereits Fruchtwasser eingeatmet hat. Die Gefahr war zu groß, dass mein Kind eine Lungeninfektion bekommt. Als sie geboren wurde, hat sie nicht geschrien und musste umgehend mit Sauerstoff versorgt werden. Es ist dann Gott sei Dank alles gut ausgegangen, aber im Spital war es ziemlich stressig und beängstigend für mich, weil überall nur schreiende Frauen zu hören waren. Meine zweite Tochter Ilse, die jetzt in der zweiten Zusperrphase zur Welt gekommen ist, habe ich bei mir zu Hause auf die Welt gebracht. Das war gar kein Vergleich zur Geburt im Spital. Alles war total entspannt und in vier Stunden war die Kleine auf der Welt“, erzählt Bauer, die ebenfalls von Hebamme Murer begleitet wurde.

Die 55jährige hat 30 Jahre lang im Klinikum Klagenfurt als Hebamme gearbeitet und sich vor acht Jahren mit „HypnoBirthing“ selbstständig gemacht hat. „HypnoBirthing“ ist eine entspannende und stressfreie Geburtsmethode für Mutter und Kind. Sie basiert auf dem Glauben, dass es für Babys am besten ist, in einer angenehmen, ruhigen und freudvollen Atmosphäre auf die Welt zu kommen, sowie darauf, dass starke Schmerzen eine Geburt nicht natürlicherweise begleiten müssen. Wenn sich eine Mutter körperlich, mental und geistig sorgfältig auf die Geburt vorbereitet, kann sie die Freude erleben, ihr Baby leicht und angenehm zu gebären. Oft verläuft die Geburt sogar schmerzfrei“, erklärt Murer, die ihre Vorbereitungs-Kurse in St. Filippen (K) anbietet (www.geburtsvorbereitung-am.at oder unter der Tel.Nr.: 0650/7208018).

„Dieser Geburtsvorbereitungskurs ist sowohl für Frauen, die im Spital gebären, als auch für Hausgeburten geeignet. ,Hypno-Birthing‘ bringt viele Vorteile mit sich. So wird unter anderem die erste Phase der Geburt um mehrere Stunden verkürzt und die Müdigkeit während der Wehen vermieden, sodass die Mutter frisch und wach bleibt und Energie für die eigentliche Geburt hat.“
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