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Ausgabe Nr. 53/2020 vom 29.12.2020, Foto: imago/Florian Schuh
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Die Perchten ziehen durch die Orte, um böse Geister zu vertreiben.
Das Geheimnis der Raunächte Teil 3
Die Percht ist unterwegs. Die Raunächte dauern zwölf Tage und sind eine geschenkte Zeit, die zum Innehalten genutzt werden soll. Dem Volksglauben zufolge steht in dieser Zeit das Tor zum Geisterreich offen. Eine Gestalt, die sich während dieser Zeit herumtreibt, ist Frau Percht. Die letzte Raunacht ist der Percht gewidmet und wird deshalb als Perchtnacht bezeichnet. In unserem Land gibt es unterschiedliche Perchtengruppen, die von Haus zu Haus ziehen, um Glück zu bringen.
Die stillste Zeit im Jahr ist gleichzeitig auch die lauteste. Wenn das alte Jahr zu Ende geht, wird es bunt am Nachthimmel. Vielerorts lassen die Menschen Raketen steigen. In diesem Jahr ist das Abschießen von Feuerwerken zwar größtenteils verboten, doch der Hintergrund des Lärmens hat eine lange Tradition.
Mit Kuhglocken, Schellen und Rasseln vertreiben die Perchten böse Geister. Im Mittelpunkt des Treibens steht die Percht. Mit ihrem Gefolge, den Perchten, zieht sie wild und lärmend durch die Ortschaften, um die Dämonen des Winters zu verjagen.
Auch das Böse im Menschen vertreiben die Perchten durch einen leichten Schlag. Sie sehen zwar furchteinflößend aus, haben aber gute Absichten. Wer mit einem Schweif, der meist aus Tierhaaren besteht, geschlagen wird, wird mit Glück und Fruchtbarkeit gesegnet.

„Frau Percht ist eine aus einer christlichen Prägung heraus entstandene Gestalt. Sie trat erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich in Erscheinung. Frau Percht war, wie alle Sagengestalten, für die Bevölkerung ein Teil ihrer Wirklichkeit“, erzählt Karl C. Berger, Leiter des Tiroler Volkskunstmuseums.
Die Percht ist eine zwiespältige Gestalt. „Sie ist streng, aber gerecht, sowohl erbarmungslos als auch milde. In den Erzählungen erscheint sie alleine oder als Anführerin einer Schar ungetaufter, verstorbener Kinder. Manchmal folgte ihr die ,Wilde Jagd‘, eine ebenfalls aus unerlösten Seelen bestehende Gruppe. Für ihren bemitleidenswerten Tross legte die Bevölkerung Milch, Krapfen oder Brot als Stärkung und Wegzehrung vor die Tür oder ließ Essensreste auf dem Tisch liegen“, erklärt Berger.
Als Figur ist die Percht im Spätmittelalter im Zusammenhang mit der „Erscheinung des Herren“, auch „Epiphanie“ genannt, entstanden. Dieses Fest zelebriert die katholische Kirche am 6. Jänner. An diesem Tag wurde ursprünglich die Geburt Christi gefeiert, das änderte sich aber durch die Kalenderreform.

Für das Fest sah das kirchliche Ritual Lichter vor. Das Bedürfnis nach Licht war in der spätmittelalterlichen Welt groß. Berger zeichnet ein düsteres Bild. „Damals wohnte der Mensch in dunklen, kalten Häusern. Um den Wärmeverlust geringzuhalten, waren die Räume
niedrig. Die Fenster waren klein gehalten, Glas war unerschwinglich, weshalb die Fenster im Winter durch Holzschieber geschlossen wurden. Den Winter verharrten die Menschen in stetiger Dunkelheit.“

Die letzte Raunacht ist der Percht gewidmet
Mit Licht wird auch die Percht in Verbindung gebracht. Ihr Name leitet sich vom althochdeutschen Wort „perath“ ab, das „hell“ oder „glänzend“ bedeutet. Die Percht steht somit für die Glänzende, die jedes Jahr in den Raunächten das Licht in die Welt zurückbringt. Die Nacht vom 5. Jänner auf den 6. Jänner wird als „Perchtnacht“ bezeichnet. In dieser Nacht geht Frau Percht häufig um, heißt es im Volksglauben.
Der Brauch, als Perchten verkleidet durch die Straßen zu ziehen, findet sich in Tirol erstmals im späten 16. Jahrhundert. Die Bräuche waren regional unterschiedlich und sind es bis heute geblieben. Im Bundesland Salzburg gibt es zum Beispiel „schöne“ und „schiache“ Perchten.

Im Pongau (S) ist der Perchtenlauf in zwei Gruppen unterteilt. Die einen werden von den Schönperchten mit tafelartigem Kopfputz angeführt. Die andere Seite ist von den „Schiachen“ vertreten. Die beiden Seiten der Frau Percht symbolisieren
Licht und Schatten, Gut und Böse.
Im Raurisertal (S) sind am 5. Jänner die Schnabelperchten unterwegs. Sie ziehen mit einem „Ga Ga Ga“ durch die Gassen und überzeugen sich davon, dass die Häuser geputzt sind. Der Schnabel wird aus langen Holzstäben und Bauernleinen gebunden. In Golling (S) marschieren die Perchten zu Trommelschlägen von einem Bauernhaus zum nächsten. Frau Percht wird in die Stube gelassen und spricht „Glück hinein, Unglück hinaus, die Percht kommt ins Haus“.

Glöckler tragen kunstvolle Gebilde auf ihrem Kopf
Eine andere Form der Perchten sind die Glöckler. In einigen Orten des Salzkammergutes sind am 5. Jänner weißgekleidete Männer mit beleuchteten Kappen auf dem Kopf unterwegs. An ihren Gürteln hängen Glocken und Schellen.
Die meisten Figuren werden heute von Männern dargestellt. Das war aber nicht immer so. „Im 17. und 18. Jahrhundert haben auch Frauen teilgenommen. Im 19. Jahrhundert waren sie nur noch vereinzelt festzustellen. Das dürfte im Zusammenhang mit der kirchlichen Verordnung der strikten Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum stehen“, sagt Berger. Das führte dazu, dass Frauen als Maskenträger ausgeschlossen wurden und der Brauch zu einer männlichen Domäne wurde.
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