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Ausgabe Nr. 52/2020 vom 21.12.2020, Foto: Barselona Dreams/stock.adobe.com
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Im nächsten Jahr sollen Luxuskarossen höher besteuert werden, doch auch Normalverbraucher zahlen drauf.
"Stinker" werden ausgebremst
Autos, die viel klimaschädliches CO2 ausstoßen, werden teurer, da die Normverbrauchsabgabe (NoVA) steigt. Betroffen sind auch Familien, die auf große Fahrzeuge angewiesen sind. Elektroautos, die dagegen gefördert werden, machen bis jetzt nur knapp ein Prozent aller Fahrzeuge aus, werden aber immer beliebter.
Die Stinker werden teurer“, kündigte der grüne Vizekanzler Werner Kogler an. Gemeint hat er PS-starke Autos mit einem entsprechend hohen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2). Wobei schon jetzt bei der Normverbrauchsabgabe (NoVA), die beim Kauf eines Neuwagens fällig wird, und bei der motorbezogenen Versicherungssteuer der CO2-Ausstoß stärker gewichtet wird.
Mit Beginn des neuen Jahres gibt es noch mehr Verschärfungen beim Kauf eines Neuwagens. Damit will die Regierung die Belastung der Umwelt reduzieren. Das kommt freilich in der Bevölkerung nicht gut an, zumal sich Autofahrer bereits jetzt als Melkkühe der Nation sehen.

Unberechtigt ist die Kritik nicht. Denn der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) rechnet damit, dass es schon mit Jahreswechsel für rund die Hälfte der Neufahrzeuge zu einer Steuererhöhung kommen wird. „Bei den betroffenen Wagen steigt der NoVA-Satz um einen Prozentpunkt. Durch die Abhängigkeit der NoVA vom Fahrzeugpreis (exklusive Steuern) fällt diese Erhöhung unterschiedlich aus. Kostet ein Auto 30.000 Euro netto, verteuert es sich in der Regel um 300 Euro gegenüber 2020“, erklärt der ÖAMTC-Experte Martin Grasslober.
„Ab Juli 2021 gibt es dann noch einmal Verschärfungen für Autos, die mehr als 200 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Weitere Verschärfungen reichen bis 2024 und treffen fast alle Autos mit Verbrennungsmotor.“

Auch Familien zahlen drauf
Teurer wird es bereits ab einem CO2-Ausstoß von 115 Gramm pro Kilometer. Das betrifft auch das beliebteste Auto in unserem Land, den Skoda Oktavia. Er wird gerne von Familien gekauft, die nun zur Kasse gebeten werden. Mit einem 150 PS Dieselmotor hat er einen CO2-Ausstoß von 118 Gramm. Beim Kauf steigt daher die NoVA um 660 Euro.
Ein Umstand, der bereits auf die türkis-blaue Regierung zurückzuführen ist, stellt Grasslober vom ÖAMTC klar. „Sie hat die NoVA-Erhöhung im Jahr 2019 durchgepeitscht. Durch die jetzige türkis-grüne Regierung gab es noch einmal Verschärfungen.“
Denn für die grüne Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, in deren Familie es nach eigenen Angaben ein kleines Elektro-Auto gibt und die als Ministerin auf einen Dienstwagen verzichtet, steht fest: „Im Kampf gegen die Klimakrise dürfen wir nicht scheitern. Wer mit einem ,Sport Utility Vehicle‘ (SUV) mit 170 PS durch die Stadt fahren will, zahlt künftig mehr, für umweltfreundliche Autos wird es dafür günstiger.“

Dabei werden die SUVs hierzulande immer beliebter. Fiel im Jahr 2010 bei uns nur einer von acht Neuwagen in diese Kategorie, ist es heute bereits jeder Dritte. Jedoch hat nicht jedes dieser Fahrzeuge die sprichwörtliche Kavallerie unter der Motorhaube.
Das beliebteste Modell, der VW T-Roc wurde im Jahr 2019 7.180 Mal verkauft, heuer aufgrund der Corona-Krise nur rund 4.000 Mal, ist bereits mit einer Motorisierung von 115 PS zu haben. Der Benziner stößt 121 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Auch er wird sich also beim Neukauf verteuern.

Jeder dritte Neuwagen ist ein "SUV"
Dies wird vor allem die Senioren treffen, weil sie besonders gerne auf diesen Fahrzeugtyp zugreifen. Aufgrund der höheren Sitzposition können sie das Verkehrsgeschehen besser überblicken. Auch sind die SUVs für die Insassen sicherer als kleinere Autos. Freilich nicht für die Unfallgegner, weiß der Sprecher des Vereines Mobilität mit Zukunft (VCÖ), Christian Gratzer. „Bei einem Unfall zwischen einem Kleinwagen und einem SUV ist die Verletzungsgefahr für die Kleinwagen-Insassen rund vier Mal höher. Auch für Fußgänger und insbesondere für Kinder geht wegen der hohen Frontpartie der SUVs eine größere Gefahr aus.“

Gratzer verweist jedoch darauf, dass der Verkehr noch immer das Sorgenkind beim Klimaschutz ist. Die rund fünf Millionen heimischen Pkw verursachen ein Fünftel der Treibhausgase in unserem Land. Die Emissionen steigen seit Jahren. Gratzer wünscht sich daher mehr Elektro-Autos auf den Straßen. Derzeit sind hierzulande rund 41.500 rein elektrisch betriebene Pkw unterwegs. Diese Zahl hat sich seit 2018 verdoppelt. Gemessen an der gesamten PkW-Flotte beträgt ihr Anteil aber nur 0,8 Prozent. Dazu kommen noch 9.416 Hybrid-Autos, das sind jene mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Sie machen 1,6 Prozent des heimischen Pkw-Bestandes aus.
Um mehr Elektro-Flitzer auf die Straßen zu bringen, sind sie von der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Zudem werden sie hierzulande beim Neukauf seit 1. Juli 2020 mit 5.000 Euro gefördert, statt mit 3.000 Euro. Auch bei der Ladeinfrastruktur verdreifachte das Klimaschutzministerium unter Gewessler die Förderung. Käufer einer Heimladestation können sich 600 Euro abholen, statt bisher 200 Euro, für Ladestationen in Mehrparteienhäusern sogar 1.800 Euro.

Auch müssen sich Fahrer von E-Autos nicht an den „Lufthunderter“ nach dem Immissionsschutzgesetz Luft auf Autobahnen halten. Eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung gibt es etwa auf der Westautobahn (A1) bei Linz (OÖ) oder auf der Südautobahn (A2) bei Graz (Stmk.).
Angesichts der Vergünstigungen, die es in Norwegen gibt, verblassen die heimischen Maßnahmen aber. Norwegische E-Auto-Fahrer zahlen weder die Mehrwertsteuer von 25 Prozent, noch die Sondersteuer für Autokäufer, die sich nach Motorisierung und Abgaswerten richtet. Teils können sie in Parkhäusern auch gratis Strom tanken. Auch von Mautgebühren sind sie meist befreit.
Diese Regelungen führten dazu, dass mittlerweile in Norwegen sechs von zehn Neuwagen E-Autos sind. Das Land ist damit Vorreiter in Europa, vor Island und Schweden.
„Die Gesamt-CO2-Bilanz der Elektro-Flitzer, inklusive Batterie- und Fahrzeugherstellung, Energieerzeugung und Recycling ist deutlich besser, als viele glauben“, meint der VCÖ-Sprecher Christian Gratzer.

Mehr Reichweite für E-Autos durch neue Batterien
„Während ein Diesel- und Benzin-Pkw im Schnitt 217,5 Gramm CO2 pro Personenkilometer verursacht, sind es bei den E-Pkw mit 96,9 Gramm nicht einmal die Hälfte. Wird Ökostrom getankt, etwa aus Wind- und Wasserkraft, sinken die Emissionen auf rund ein Viertel.“
Der Anstieg der Elektromobilität führt jedoch auch zu einem Anstieg des Stromverbrauches.
„Er ist aber nicht so groß, wie oft angenommen wird“, erklärt der Mobilitätsexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Herwig Schuster. „Wären alle fünf Millionen heimische Pkw elektrisch betrieben, würden sie in Summe nicht eimal ein Zehntel des heimischen Gesamtstromes verbrauchen. Wir werden zwar nicht ohne zusätzliche Windkraftwerke oder Photovoltaikanlagen auskommen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die E-Flitzer immer energieeffizienter werden.“
Derzeit sind die Hersteller noch auf Lithium-Ionen Akkus, wie sie auch in Mobiltelefonen zu finden sind, angewiesen. Lithium wird etwa in Südamerika abgebaut, wo Dörfern durch den Abbau das Wasser geraubt wird.

Die nächste Akkugeneration soll jedoch Magnesium statt Lithium enthalten. Es ist weltweit in fast unerschöpflichen Mengen vorhanden. Zudem erhoffen sich Forscher durch Magnesium-Batterien eine bis zu vier Mal größere Reichweite bei E-Autos als mit Lithium-Ionen Akkus. Die jetzige Technik wird uns aber noch einige Jahre erhalten bleiben, sind sich Experten einig.

Das ist die Erhöhung der Normverbrauchsabgabe (NoVA)
  • Die Normverbrauchsabgabe, die einmalig beim Kauf eines Neuwagens zu bezahlen ist, wie auch die motorbezogene Versicherungssteuer, die gemeinsam mit der Haftpflichtprämie gezahlt wir, werden nun laufend jährlich erhöht. Die NoVA steigt dadurch zum Jahreswechsel meist um einen Prozentpunkt. Bei verbrauchsstarken Fahrzeugen gibt es zusätzliche Verschärfungen.
  • Die motorbezogene Versicherungssteuer (mVSt) fällt für fast alle Autos, die ab 1. Jänner 2021 erstmalig zugelassen werden, um 34,56 Euro pro Jahr höher aus als bei einer Erstzulassung heute. Nur bei effizienteren beziehungsweise leistungsschwächeren Pkw kommt es zu einer geringeren oder gar keiner Steuererhöhung. Für bereits zugelassene Fahrzeuge ändert sich nichts an der Besteuerung.
  • Künftig sind neben Pkw auch Klein-Lkw (bis 3,5 Tonnen) NoVA-pflichtig. Also auch zum Beispiel die sogenannten „Pick-Ups“ und Kastenwagen.
  • Ab Juli 2021 gilt bei der NoVA für Motorräder ein Höchststeuersatz von 30 Prozent, statt wie bisher 20 Prozent.
  • Positives zur NoVA gibt es für Menschen mit Behinderungen: Ab 1. Juli 2021 ist bei Vorliegen einer Befreiung auch das „Leasing“ eines Neufahrzeuges NoVA-befreit möglich. Bislang ist dies nur beim Kauf möglich.
  • Elektro-Fahrzeuge sind ebenfalls von der NoVA befreit. Hybridfahrzeuge, also solche mit Verbrennungs- und Elektromotor, allerdings nicht. In der Regel fällt aber vor allem für „Plug-In-Hybride“ (das sind jene, die auch an der Steckdose geladen werden können) aufgrund der geringen CO2-Emissionen keine NoVA an.
  • Weil die Berechnung der NoVA nicht ganz einfach ist, stellt der ÖAMTC ab 1. Jänner einen NoVA-Rechner im Internet unter www.oeamtc.at zur Verfügung.
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