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Ausgabe Nr. 52/2020 vom 21.12.2020, Foto: Lukas Beck(2), picturedesk.com
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Theo, 13, aus Wien, ist seit 2012 bei den Wiener Sängerknaben. Im barocken Augarten-Palais im zweiten Wiener Gemeindebezirk besucht er die vierte Klasse des Realgymnasiums.

Peter, 13, aus der oststeirischen Gemeinde Bad Blumau, ist seit 2016 bei den Wiener Sängerknaben. Er besucht die dritte Klasse des Realgymnasiums.
"Die Menschen freuen sich, uns zu sehen"
Es gibt sie seit 522 Jahren. Damit sind die Wiener Sängerknaben der weltweit älteste „Buben-Chor“. Und der wahrscheinlich fleißigste. Im Schnitt absolvieren die musizierenden Knaben rund 300 Auftritte pro Jahr. Heuer mussten nahezu alle Konzerte abgesagt oder verschoben werden. Uns haben die beiden Wiener Sängerknaben Peter (li.) und Theo (re.), beide 13, erzählt, wie sie und ihre Freunde das traditionelle Weihnachtskonzert dennoch zu den Menschen bringen, was sie sich für das nächste Jahr wünschen, wie sie ihre Stimme in Schwung halten und von welchem „altmodischen Titel“ sie sich geehrt fühlen.
Peter und Theo, wann habt ihr eure Freude am Singen entdeckt?
Peter: Ich habe das Singen immer geliebt, schon in der Volksschule. Einmal war in unserer Kirche in Bad Blumau (Stmk.), wo ich Ministrant war, ein Pfarrer zu Gast. Der hörte mich singen und hat gemeint, ich solle doch zu den Wiener Sängerknaben gehen. Dann bin ich mit meiner Familie nach Großpetersdorf zu einem Konzert der Wiener Sängerknaben gefahren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich auch dabei sein wollte. Kurz darauf bin ich mit meinen Eltern zum Vorsingen nach Wien gefahren.
Theo: Ich habe schon im Kindergarten gern gesungen. So gern, dass meine Mutter gesagt hat, dass sie mit mir bei den Wiener Sängerknaben vorbeischauen möchte. Mir hat es so gut gefallen, dass ich im Wiener Augarten, wo die Schule der Sängerknaben ist, mit der ersten Klasse Volksschule begonnen habe.
Peter: Ich bin mit neun, also in der vierten Klasse Volksschule, zu den Wiener Sängerknaben gekommen. Davor war ich in den Ferien im Sommer-Lager der Sängerknaben in Sekirn am Wörthersee in Kärnten.
Was musstet ihr vorsingen, um die Aufnahmeprüfung zu schaffen? Wart ihr aufgeregt?
Theo: Bei mir ist das schon so lange her, ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Ich bin schon seit acht Jahren bei den Wiener Sängerknaben, seit ich mit der Schule angefangen habe.
Peter: Ich habe eine Version von „Happy Birthday“ gesungen. Die ist mir ganz gut gelungen, obwohl ich schon ein bisschen nervös war.
Theo, wie schaut dein Schultag aus? Wieviel Zeit davon verbringst du mit dem Singen und Einstudieren von Liedern?
Theo: Wir stehen um kurz vor sieben auf, dann gibt es Frühstück. Danach haben wir vier Schulstunden, je 45 Minuten, um neun gibt‘s eine Jause. Um elf Uhr beginnt die Chorprobe. Im Moment proben wir mit Maske. Um ein Uhr gibt es Mittagessen, Suppe, Salat, einen Hauptgang und eine Nachspeise. Im Anschluss haben wir Freizeit. Die verbringe ich am liebsten mit meinen Freunden in unserem Park. Wenn es zu kalt ist, lese ich oder wir spielen Tischtennis oder Tischfußball. Um halb drei geht die Schule weiter, bis um zehn vor sechs. In der Zeit machen wir auch unsere Hausaufgaben, und dazwischen gibt es noch einmal eine Jause. Nach dem Abendessen haben wir wieder Freizeit. Wenn wir abends raus wollen, gibt es eine Flutlichtanlage, da kann ich auch nachts noch Basketball oder Fußball spielen. Viele üben dann auch mit ihren Instrumente. Wir proben also jeden Tag zwei
Stunden, dazu kommt Stimmbildung, und manchmal werden wir für Solo-Proben aus der Schule geholt.
Ihr seid im Internat. Peter, du musstest vom Land in die Großstadt Wien übersiedeln. Hast du Heimweh gehabt?
Peter: Am Anfang nicht, weil ich da überhaupt keine Zeit für Heimweh hatte. Es gab für mich so viel Neues zu entdecken. Und ich habe viele neue Freunde kennengelernt. Später kam dann schon ein bisschen Heimweh, aber das verging schnell wieder, weil mich meine Freunde getröstet haben.
Wie gefällt es euch, „singende Engel“ genannt zu werden?
Peter: Da fühle ich mich sehr geehrt.
Theo: Ja, aber ein bisschen kitschig und altmodisch ist es schon, wenn jemand „singende Engel“ zu uns sagt. Ich glaube, diese Bezeichnung gibt es schon sehr lange, deshalb finde ich, dass das in Ordnung ist.
Sind euch bei Auftritten schon Hoppalas passiert?
Theo: Normalerweise sollten uns keine Fehler passieren, die Stücke sind ja gut geprobt, und wir singen meistens auswendig. Ein kleines Hoppala, das dem Publikum hoffentlich nicht auffällt, kann schon einmal vorkommen. Aber dann singen wir einfach weiter.
In der Vorweihnachtszeit habt ihr die meisten Auftritte. Aus bekannten Gründen heuer leider nicht. Was habt ihr euch einfallen lassen?
Peter: Wir werden ein Live-Stream-Konzert geben, das die Menschen über das Internet miterleben können. Fröhliche Lieder wie „Heißa, Buama“ und gemütliche Lieder wie „Stille Nacht“. Das Konzert heißt auch „Stille Nacht“. Wir singen in unserem Salon im Augartenpalais. Das ist unser Wohnzimmer, in dem wir sonst auch Weihnachten feiern. Wir haben einen Christbaum, den wir mit Lebkuchen und Äpfeln schmücken. Alle vier Chöre werden abwechselnd singen. Das Konzert kann bis 31. Dezember jederzeit angehört werden. (Anmerkung: Verfügbar im Internet unter https://idag.io/VBC_SilentNight).
Wisst ihr schon, was ihr werden möchtet?
Theo: Ich möchte Journalist werden, weil ich das spannend finde. Aber ich mache sicher weiter Musik.
Peter: Ich möchte einmal Sänger oder Steward werden. Steward, weil ich da viel mit Menschen zu tun habe, weil ich da immer neue Menschen kennenlerne und gleichzeitig viel reise. Wenn ich Sänger werde, dann würde ich gerne meine eigenen Lieder schreiben. Ich mag die Musik von Ed Sheeran.
Ist es nicht manchmal auch anstrengend für euch, auf Konzert-Tournee zu gehen und Auftritte vor vielen Menschen zu absolvieren?
Peter: Nein, eigentlich ist das nicht anstrengend für mich. Wir haben unterwegs keine Schule. Dafür lernen wir auf den Tourneen vieles über die Länder, die wir besuchen. Weil wir ja als Künstler reisen, erleben wir Sachen, die wir auf einer Reise sonst nicht so sehen. Hinter der Bühne in einer Konzerthalle, wie das funktioniert, das ist schon super.Schön ist, dass wir überall begeistert begrüßt werden. Die Menschen freuen sich, wenn sie uns sehen, das freut uns dann auch.
In euren feschen Matrosen-Anzügen seid ihr ja leicht erkennbar. Mögt ihr eure Uniform?
Peter: Wenn wir auf Reisen sind, ist sie praktisch. Falls einer von uns plötzlich aus irgendeinem Grund abhanden kommen sollte, dann wird er rasch wieder gefunden (lacht). Egal, in welchem Land, im Matrosenanzug wirst du als Sängerknabe erkannt. Den blauen Anzug tragen wir, wenn wir unterwegs sind, in den weißen Gala-Uniformen treten wir auf. Ich mag den weißen lieber, der ist schöner.
Theo: Ich finde die weiße Uniform auch schöner.
Was tut eurer Stimme gut? Wie trainiert ihr sie?
Peter: Vor den Konzerten trinken wir nichts Kaltes. Im Winter trinke ich oft Tee mit Honig, das schmeckt gut und ist auch ziemlich gut für die Stimme.
Theo: In jeder Probe singen wir uns ein, meistens mit Tonleitern oder Atemübungen. So wärmen wir uns auf und trainieren die Stimmbänder. Beim Singen ist das Trainieren genauso wichtig wie beim Sport. Wir machen auch Gesangsübungen mit Bewegung.
Singen soll ja gut für unser Immunsystem sein …
Theo: Das ist gut möglich, jedenfalls fühle ich
mich wacher und frischer, wenn ich singe.
Habt ihr neben dem Singen Zeit für Sport?
Peter: Ja, doch, ich spiele im Sommer gerne Tennis, hier in der Schule spielen wir oft Tischtennis.
Theo: Ich spiele auch Tischtennis, im Sommer gehe ich schwimmen, im Winter eislaufen und Schi fahren.
Wie feiert ihr Weihnachten?
Theo: Bei uns wird gesungen. Meine Oma und mein Opa haben früher in der Wiener Volksoper gesungen. Ich spiele Klarinette und, so wie mein Opa, Dudelsack. Mein Bruder ist auch bei den Wiener Sängerknaben. „O, du fröhliche, o, du selige“ ist mein Lieblingsweihnachtslied.
Peter: Mir gefallen „Little Drummer Boy“ und „Cantique de Noël“, das ist ein französisches Weihnachtslied, am besten.
Was wird euch das Christkind bringen?
Theo: Ich lasse mich überraschen.
Peter: Ich habe mir bislang mit meinen Geschwistern ein Zimmer geteilt. Vielleicht bekomme ich zu Weihnachten jetzt ein eigenes …
Was sind eure Wünsche und Pläne für das neue Jahr?
Theo: Ich wünsche mir, dass Corona so schnell wie möglich aufhört, das wäre nicht nur für uns Wiener Sängerknaben, sondern für die ganze Welt besser. Schließlich möchten wir wieder auf Tournee gehen und auftreten. Ich habe schon oft im Wiener Musikvereinssaal gesungen und war in Deutschland, China und Amerika. Am schönsten fand ich den Auftritt in der Carnegie Hall in New York. Da war so eine besondere Stimmung – vielleicht auch, weil es ein Weihnachtskonzert war.
Theo: Ich wünsche mir, dass gute Medikamente gefunden werden, mit denen die Krankheit behandelt werden kann. Und dass unsere Japan-Tournee stattfinden kann. Wenn alles gut geht, sind wir ab Ende April zwei Monate in Japan unterwegs.
Bereitet ihr euch schon darauf vor?
Peter: Ja, wir lernen schon die Stücke. Wir haben auch schon etwas über das Land, dessen Kultur und ein paar japanische Wörter gelernt. Und wie wir auf Japanisch höflich grüßen und „bitte“ und „danke“ sagen.
Weihnachtskonzert der Wiener Sängerknaben
Im Salon des Augarten-Palais, wo die Knaben wohnen, wurde das Konzert „Stille Nacht“ aufgenommen. Verfügbar ist es bis 31.12. unter: https://idag.io/VBC_SilentNight.
Der gemeinnützige Verein freut sich über Spenden: Privatbank AG
IBAN AT76 3400 0000 0715 7985
BIC RZOOAT2L
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