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Ausgabe Nr. 52/2020 vom 21.12.2020, Foto: Ralf Cornesse Contrastwerkstatt/stock.adobe.com
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Gutscheine müssen in der Regel mindestens zwei Jahre gelten.
Gutschein statt Packerl
Unter dem Christbaum werden heuer besonders viele Gutscheine liegen. Denn in Corona-Zeiten verzichten die Menschen auf einen ausgedehnten Einkaufsbummel vor Weihnachten. Doch die „Geschenke zum Selber-Einlösen“ haben nicht nur Vorteile. Vor allem ein Blick auf die Fristen lohnt sich vor dem Kauf.
Um rund ein Zehntel weniger werden wir heuer für das „Christkindl“ ausgeben, zeigen Prognosen für das Weihnachtsgeschäft. Doch es gibt auch Gewinner, und zwar nicht nur den Internet-Handel. „Der Trend zu Gutscheinen und Geldgeschenken, der schon in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, dürfte sich heuer wegen Corona noch einmal deutlich verstärken“, sagt Rainer Trefelik, Handels-Obmann in der Wirtschaftskammer.

Gutscheine werden immer beliebter. Schon lang gelten sie nicht mehr als „Notfalls-Geschenk“, wenn jemand keine Zeit oder Lust hatte, sich Gedanken über ein persönlicheres Packerl zu machen. Denn die Vielfalt ist groß. Vom Fallschirmsprung bis zum Geschäfts-Gutschein reicht die Palette. Schließlich liegen die Vorteile auf der Hand. Der Beschenkte kann sich zumindest beim Einkaufs-Gutschein selbst aussuchen, wann und wofür er ihn ausgeben möchte. Dass ungeliebte Geschenke nach Weihnachten umgetauscht werden, fällt somit weg.

Doch auch bei den „Geschenken zum Selber-Einlösen“ können Fallstricke lauern, etwa wenn die Einlöse-Frist zu kurz ist. „Grundsätzlich gilt für Gutscheine, wenn sie nicht befristet sind, die allgemeine Verjährungsfrist von 30 Jahren“, erklärt der Jurist Lukas Eschlböck vom „Verein für Konsumenteninformation“ (VKI). „Mit einer Frist dürfen sie nur versehen werden, wenn es sachlich gerechtfertigt ist. Weniger als zwei Jahre sind dabei aber nicht zulässig. Dazu gibt es auch Urteile, etwa bei Thermen-Gutscheinen.“

Schnell einlösen, um Probleme zu vermeiden
Eine Frist ist zum Beispiel dann erlaubt, wenn die Leistung, die der Kunde dafür bekommt, im Laufe der Jahre teurer wird. „Etwa bei einer Massage, für die heute 30 Euro zu zahlen sind, aber in zehn Jahren vielleicht 40 Euro.“ In Deutschland hingegen verjährt ein Gutschein in der Regel nach drei Jahren.
Wer bei Gutscheinen das „Verfallsdatum“ übersieht, sollte sich „auf jeden Fall zuerst an den Unternehmer wenden, oft ist eine Lösung möglich“, sagt Lukas Eschlböck vom Verein für Konsumenteninformation. „Sollte das scheitern, bleibt nur der Weg vor Gericht.“ Informationen bei „Gutschein-Schwierigkeiten“ gibt es auf jeden Fall beim VKI. Aber der Jurist empfiehlt grundsätzlich: „Wahrscheinlich ist es besser, Gutscheine schnell einzulösen, um Probleme zu vermeiden.“

Denn ein solches könnte auch bei Konkursen drohen. Geht ein Unternehmen pleite, können Gutschein-Besitzer „nur im Insolvenzverfahren eine Forderung anmelden. Dann ist halt oft die Frage, ob sich das überhaupt auszahlt“, erklärt der Jurist Eschlböck. „Denn allein die Forderungsanmeldung kostet
23 Euro an Gerichtsgebühr. Für einen Gutschein im Wert von hundert Euro würde jemand bei einer
Insolvenzquote von zum Beispiel zehn Prozent nur zehn Euro bekommen.“
Auch Fragen, was bei einer Firmen-Neuübernahme mit dem Gutschein passiert, hören Konsumentenschützer immer wieder. Dann „kommt es auf die Art des Überganges an“, ob ein Gutschein weiterverwendet werden kann. Lukas Eschlböck rät: „Bitte den Gutschein nicht gleich wegwerfen, sondern mit dem Unternehmer oder Rechtsnachfolger in Kontakt treten und versuchen, eine Lösung zu erzielen. Oft funktioniert das ganz gut.“

Aber auch bei Gutscheinen kann das Christkind ordentlich danebenliegen. Etwa wenn der Mutter mit Höhenangst eine Ballonfahrt spendiert wird. Geld statt Gutschein ist dann keine Lösung. Denn es gibt kein Recht auf Barauszahlung, es sei denn, das wurde extra vereinbart. Was aber nicht üblich ist.
Auch bei personalisierten Gutscheinen sollten die Schenker wissen, ob ihre Idee ankommt. Sie können nur von demjenigen eingelöst werden, dessen Name darauf vermerkt ist. Vor dem Kauf von Gutscheinen sollte deshalb auf die Übertragbarkeit geachtet werden.
Dass das Christkind nicht immer den Geschmack der Beschenkten trifft, ist jedenfalls bei Packerln abseits von Gutscheinen immer wieder der Fall. Fast jeder Zweite bekommt zumindests hin und wieder Präsente, mit denen er nichts anzufangen weiß. Wer ungeliebte Weihnachtsgeschenke umtauscht, bekommt oft einen Gutschein dafür. Bei ihnen darf die Einlöse-Zeit auch knapper bemessen sein. Ein Umtausch ist nur „ein Entgegenkommen des Unternehmers“, erklärt der VKI-Jurist Eschlböck. „Es gibt keinen grundsätzlichen
Anspruch darauf, ein Produkt im Geschäft zurückgeben zu können, etwa wenn man dieses Produkt gar nicht verwenden kann. Deshalb ist bei solchen Umtausch-Gutscheinen auch eine kürzere Befristung möglich.“

Das Christkind verschenkt am liebsten Gutscheine
„Zeit mit meinen Liebsten“ wünscht sich laut einer jüngsten Umfrage jede fünfte Frau zu Weihnachten. Gleich danach kommen aber schon Gutscheine. Bei Männern rangieren sie erst auf Platz vier nach Bargeld, elektronischen Geräten und „Zeit-Geschenken“. Bei den Schenkern selber liegen die „Wert-Karten“ ganz vorne. Das verschenken wir zu Weihnachten am liebsten:
  • 42,1 % Gutscheine
  • 24,8 % Kinderartikel und Spiele
  • 19,1 % (Hör-)Bücher, „E-Books“
  • 17 % Bargeld
  • 14,9 % Kosmetik- und Pflegeartikel
  • 14,5 % Selbstgemachtes
Quelle: Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen
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