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Ausgabe Nr. 51/2020 vom 15.12.2020, Foto: Andreas Hollinger
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Das Gesäuse (Stmk.) hat den dunkelsten Nachthimmel unseres Landes.
Sternderl schauen im Nationalpark
Der Sternenhimmel über dem Gesäuse in der Steiermark ist einer der wenigen Plätze in unserem Land, wo mit bloßem Auge Tausende Sterne und die Milchstraße zu sehen sind. Im Dezember bietet sich ein seltenes Ereignis. Die Planeten Jupiter und Saturn kommen einander nahe. Tagsüber lockt der Nationalpark Gesäuse zu Schitouren und zum Langlaufen.
Orte mit einem dunklen Nachthimmel sind heutzutage selten. Künstliches Licht, das zur Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Werbetafeln eingesetzt wird, hellt den Nachthimmel derart stark auf, dass vor allem in Städten die Sterne nicht mehr zu sehen sind. „Lichtverschmutzung“ nennt sich dies in der Fachsprache.
Europa ist generell der Kontinent mit den schlechtesten Bedingungen für astronomische Beobachtungen. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung bleibt der Blick auf die Sterne verwehrt.
Eine ungetrübte Aussicht auf die kosmischen Wunder am Firmament gibt es im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark. In der Gemeinde Johnsbach wurde der dunkelste Himmel unseres Landes gemessen.

Mit bloßem Auge sind 6.000 Sterne zu sehen
„Bei uns im Gesäuse sind in einer klaren Nacht 6.000 Sterne mit bloßem Auge zu sehen. Gerade im Winter zeigt sich der Himmel in kalten Nächten sternenklar“, sagt Andreas Hollinger, Mitarbeiter des Nationalparkes Gesäuse.
Der Blick in den dunklen Nachthimmel offenbart die Milchstraße von ihrer schönsten Seite. „Es sind die hellen und dunklen Bereiche der Milchstraße zu sehen“, erzählt der Steirer. Gut zu beobachten ist auch das Sternbild Pegasus. Es stellt ein auf dem Kopf stehendes, geflügeltes Pferd dar. Vier seiner Hauptsterne bilden ein markantes Viereck.
„Wer nach oben blickt, wird auch einen auffälligen Lichtfleck entdecken. Das sind die Plejaden, die sich aus Hunderten von Sternen zusammensetzen“, erklärt Hollinger.
Neben all den Sternen drängen sich aber auch zwei Planeten in den Vordergrund. Bereits in den vergangenen Wochen sind sich Jupiter und Saturn immer nähergekommen. Die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems befinden sich in großer Konjunktion. Das bedeutet, dass sie von der Erde aus gesehen in einer Linie stehen. So nah wie jetzt werden die beiden Planeten erst wieder im Jahr 2080 sein.

Wie zu Christi Geburt – Jupiter und Saturn treffen sich
Da es dieses astronomische Phänomen auch zu Christi Geburt gegeben hat, gehen Astronomen davon aus, dass der Stern von Bethlehem eine solche „Große Konjunktion“ war.
Die beiden Himmelskörper sind nur einen Fingerbreit voneinander entfernt. Am 17. Dezember gesellt sich die schmale Mondsichel zu dem Planetenduo. Am 21. Dezember sind die beiden Planeten so knapp beieinander, dass nur noch die Mondsichel dazwischenpasst.
Am besten sind sie in der Abenddämmerung zu sehen, wo sie als leuchtendes Paar im Südwesten knapp über dem Horizont zu erkennen sind. Nach 18 Uhr sind sie nicht mehr sichtbar.
Dass der Blick in die Sterne im Gesäuse so gut möglich ist, liegt an der geringen Infrastruktur. „Wir haben keine Gondelbahnen und kein Après-Ski. Außerdem sind wir weit weg von Ballungszentren. Früher wurde die geringe Infrastruktur als Nachteil gesehen, heute ist es unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Hollinger.
Zudem wird auch seitens der Gemeinden dazu beigetragen, dass der Himmel weiterhin dunkel bleibt. Die Nationalpark-Gemeinde Admont hat ihre gesamte Straßenbeleuchtung auf LED-Beleuchtung umgestellt. „Das spart Energie und das Licht wird auf die Straße gelenkt und nicht mehr in den Himmel abgestrahlt. Um Mitternacht wird die gesamte Straßenbeleuchtung, mit Ausnahme der Hauptverkehrswege, abgeschaltet. Wer dann noch hinausgeht, braucht eine Taschenlampe“, erzählt der Nationalpark-Mitarbeiter.
In Admont befindet sich auch der Verein der Sternenfreunde Gesäuse, der sich mit Astronomie beschäftigt und nach Gleichgesinnten sucht. Beliebte Orte zum Beobachten der Sterne sind die Lauferbauerbrücke, der Buchauer Sattel oder das Hochplateau Kaiserau. „Im Grunde geht es aber überall, zum Beispiel außerhalb der Orte oder entlang der Bundesstraßen. Einfach das Auto an einem sicheren Ort abstellen und die Sterne beobachten“, rät Hollinger.
Im Jänner will der Nationalpark Gesäuse wieder Termine zum „Sternderl schauen und fotografieren“ mit maximal acht Teilnehmern anbieten. Ranger erklären Besuchern mehr über die Sternbilder und zeigen, wie sich die Himmelskörper am besten fotografieren lassen.

Schitouren und Langlaufen in einer traumhaften Kulisse
Das Gesäuse ist aber nicht nur in der Nacht reizvoll. Tagsüber locken die schroffen Kalkgipfel. „Das Gebiet eignet sich wunderbar zum Winterwandern und für Schitouren.“ Die Enns hat sich im Laufe der Jahrmillionen mit ihren Wassermassen tief in dieses Gebirge eingegraben. Sie schuf dabei ein Durchbruchstal mit bis zu 1.800 Meter aufragenden Steilwänden. Im Gesäuse befinden sich die letzten unregulierten Abschnitte dieses Alpenflusses.
Die Berge bestimmen die atemberaubende Landschaft. Nördlich der Enns befinden sich die Buchsteingruppe, südlich des Flusses erheben sich die Gipfel der Admonter-Reichensteingruppe, der Hochtorgruppe und der Zinödl-Lugauer-Gruppe.
Im Gesäuse lässt es sich auch fein langlaufen. In Hall bei Admont gibt es ein Langlaufzentrum mit Loipen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
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