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Ausgabe Nr. 47/2020 vom 17.11.2020, Foto: AdobeStock
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Für einen Antigen-Test ist ein Nasen-Rachen-Abstrich nötig.
"Drittes ,Zusperren' ist vorprogrammiert"
Corona-Massentests kündigt ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz an. Die Zuverlässigkeit der dafür vorgesehenen „Antigen-Tests“ ist aber umstritten. Auch ob es genügend Personal gibt, ist fraglich. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner ortet einen Kontrollverlust der Regierung.
Zum zweiten Mal wurde das Land weitgehend zugesperrt. Massentests sollen folgen. ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz möchte im Dezember möglichst viele Menschen auf das Corona-Virus testen. Als Vorbild dient die Slowakei, die zwei Drittel der Bevölkerung testen ließ. „Zehntausende Infizierte wurden dort deshalb in Quarantäne geschickt“, sagt der Kanzler.

In der Slowakei wurden alle Menschen, die zwischen zehn und 65 Jahre alt sind, getestet. Bei einem Prozent, also bei 38.000 Personen, wurde das Corona-Virus entdeckt. Der Test war verpflichtend. Wer sich weigerte, durfte für einige Tage das Haus nicht mehr verlassen.

„Bei uns wird der Test aber auf freiwilliger Basis sein“, verspricht Sebastian Kurz. Zum Einsatz kommen Antigen-Tests. Das sind Schnelltests, die binnen weniger Minuten ein Ergebnis liefern. Sie weisen Eiweiße von der Oberfläche des Virus nach, im Gegensatz zu den PCR-Tests, wo das Erbgut des Virus nachgewiesen wird.

Eine Testreihe am Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie in Graz (Stmk.) zeigte aber, dass bei Antigen-Tests nicht alle Infektionen aufgespürt werden. „Bei einer hohen Virenkonzentration wurden 83 Prozent der Infektionen entdeckt. Für Schnelltests sind Antigen-Tests aber durchaus geeignet, weil so Menschen mit einer hohen Virenlast eruiert werden können“, sagt Dr. Eva Schmon, eine der Test-Autoren.

Bei den Tests in Graz wurden nicht Patienten getestet, sondern es wurden Covid-19-Proben verwendet. Für einen Antigen-Test ist derzeit ein Nasen-Rachen-Abstrich notwendig. Zudem sind Massentests ein großer logistischer Aufwand.

„Ich befürchte aber, dass wir weder die personellen noch die organisatorischen Ressourcen haben“, kritisiert die SPÖ-Bundesvorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Zudem seien die Masstentests nur eine „Momentaufnahme“, sie müssten regelmäßig wiederholt werden. Rendi-Wagner plädiert für „eine kluge Teststrategie, die dort ansetzt, wo Infektionen zu vermeiden sind, um vor allem unsere ältere Generation besser zu schützen. Bei Pflege- und Altersheimen, in Spitälern, aber auch bei Lehrern.“

Die SPÖ-Chefin verweist darauf, dass die neuen Antigentests schnell gehen, in wenigen Minuten gibt es ein Ergebnis, und sie können selbst zu Hause durchgeführt werden.

„Wenn wir Menschen, die viele Kontakte haben, einmal wöchentlich testen, könnten wir viel wirtschaft-
lichen, gesundheitlichen und sozialen Schaden abwenden und die Schulen offenhalten. Denn wenn sie zusperren, hat das große Nebenwirkungen.“

Die Regierung sieht sie im „Blindflug“. „Wenn sich das Corona-Management jetzt nicht dramatisch verbessert, werden die Zahlen nach dem zweiten ‚Zusperren‘ wieder stark ansteigen. Dann ist der dritte ‚Lockdown‘ vorprogrammiert.“
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