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Ausgabe Nr. 47/2020 vom 17.11.2020, Fotos: privat, Parlamentsdirektion/Simonis
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Univ.Prof. Peter Markowich, Beate Meinl-Reisinger
Schulen schließen im Kampf gegen Pandemie?
„Alle Schulen sofort schließen“, forderten der Mathematiker Peter Markowich und drei andere Wissenschaftler schon in der vergangenen Woche. Denn die Schließung der Schulen sei „eine der effektivsten Einzelmaßnahmen überhaupt“. Die drei Oppositions-Parteien, SPÖ, FPÖ und NEOS, haben sich gegen das Ende des regulären Unterrichts in den Klassen ausgesprochen. Doch die Regierung hat auch die Volks- und Mittelschulen sowie die Gymnasiums-Unterstufen jedenfalls bis 6. Dezember auf Fernlehre umgestellt.
JA:
Univ.Prof. Peter Markowich,
Mathematiker

„Exponentielles Wachstum heißt, dass ein Phänomen, jetzt das Wachstum der Infektionszahlen, auf einmal mit ganz großer Wucht kommt. Genau das haben Intensivmediziner in anderen Ländern in ihren Stationen gesehen. Und wenn das Gesundheitssystem einmal kollabiert, leiden alle darunter. Im Sommer wurde von politischer Seite keine Vorbereitung geleistet. Es wurden weder die Schulen pandemiefest hergerichtet, noch in den Spitälern hinreichend aufgestockt. Jetzt sind wir am letzten Drücker, um den Reproduktionswert, das ist die Zahl, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt, unter eins zu senken. Und den muss man herunterprügeln, den kann man nicht streicheln. Dazu gehört etwa, den Babyelefanten zu einem großen Elefanten mit mindestens zwei Meter Länge wachsen zu lassen. Und die Schulen zu schließen für einen beschränkten Zeitraum. Aber auch diese Zeit zu nutzen, um die Schulen pandemiefest zu machen, mehr Abstand zu ermöglichen. Ich glaube, dass es ein Problem ist, die Schulen zu schließen, in sozialer und lerntechnischer Hinsicht, vor allem für die sozial schwächeren Schichten. Aber ich denke, für die Kinder ist die Angelegenheit in ein, zwei Jahren kein Thema mehr.“

NEIN:
Beate Meinl-Reisinger,
NEOS-Parteichefin

„Das Ende des Unterrichts in der Schule ist nicht der Beginn des Unterrichts zu Hause. Es ist das Ende des Unterrichts, das Ende von Bildung und das Ende von sozialen Kontakten für die Kinder. NEOS waren bereit, alles zu tun, was nötig ist, auch einen neuerlich verschärften ,Lockdown‘, wenn die Schulen mit Regelunterricht offen geblieben wären. Es ist ein Fehler, Schüler erneut in den Fernunterricht zu schicken. Es können gelindere Maßnahmen gesetzt werden, die offene und sichere Schulen möglich machen. Keine Frage: Infektionen machen nicht am Schulportal halt, aber sie können durch regelmäßige Tests rasch isoliert werden. Weiters müssen alle Lehrer mit FFP2-Masken ausgestattet werden, neue, größere Räumlichkeiten gefunden, zur Not Klassen geteilt werden. Auch über einen Mund-Nasenschutz für Kinder während des Unterrichts kann man reden. Schulschließungen hätten der allerletzte Weg sein sollen, wenn sonst nichts mehr geht. Abgesehen von Neuinfektionen muss die Regierung bei unseren Kindern einen balancierten Blick bewahren, wie geht die Bildungsschere auseinander, was sind die psychischen Auswirkungen, welche wirtschaftlichen Folgen haben Schulschließungen, wie wirkt sich das auf Unternehmen und Arbeitnehmer aus.“
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