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Ausgabe Nr. 45/2020 vom 03.11.2020, Foto: EvgeniyQW - stock.adobe.com
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207 Kilometer pro Stunde war 2007 die Spitzengeschwindigkeit von „Kyrill“, dem stärksten Orkan, der je in unserem Land gemessen wurde.
Der Atem der Götter
Herbstzeit ist Sturmzeit. Und damit ist nicht der in Gärung befindliche Wein gemeint, sondern das Unwetter, das jetzt im November öfter und auch heftiger auftritt. Wind ist eine der großen Kräfte der Natur und in unserem Alltag so präsent, dass er eine nähere Betrachtung verdient.
Bevor er wissenschaftlich erklärt werden konnte, dachten einige Völker vor 3.000 Jahren, dass der Wind entsteht, wenn die Erde ein- und ausatmet. Andere waren sich sicher – er ist der Atem der Götter.

„Ehecatl“ hieß der Wettergott der Azteken, der im Wortsinn den Dingen Leben einhauchte. „Anemoi“ wurden in der griechischen Mythologie die Götter des Windes genannt, die meist als geflügelte Personen oder Pferde dargestellt wurden.

Die Menschen hatten also schon seit jeher viel Respekt vor dem Wind, weil sie wussten, dass er das Wettergeschehen antreibt und als Energielieferant das Leben auf der Erde überhaupt erst möglich macht. So bringt er Regen oder vertreibt die Schauer. Lässt die Sonne scheinen oder treibt die Wolken an.

Luft ist zudem fast immer in Bewegung – und das ist für Pflanzen von Bedeutung. Denn der Wind trägt Pollen von Blüte zu Blüte. „Für uns Menschen ist er eine Gewalt und eine Temperatur zugleich. Im Sommer gern gesehene Abkühlung, im Herbst wiederum lässt er uns frösteln, obwohl es sich in beiden Fällen um dasselbe Phänomen handelt“, weiß der Meteorologe Matthias Habel.

Und wie viele andere Abläufe in der Natur beginnt auch die Geschichte des Windes mit der Sonne. Was sich besonders gut anhand des an den Küsten verbreiteten Land-See-Windes veranschaulichen lässt.

„Wenn die Sonne tagsüber das Land aufheizt, steigen die Luftmoleküle auf. Über dem Land fehlt daraufhin sozusagen die Luft und es herrscht tiefer Luftdruck. Über dem Meer hingegen bleibt die Luft tagsüber
kühler, dort sinken die Moleküle ab. Unten sind dort folglich mehr Luftmoleküle und es herrscht hoher Luftdruck. Um den Druck auszugleichen, wandern die Moleküle vom Hoch zum Tief. Diese Bewegung macht sich als Wind bemerkbar“, erklärt der Fachmann. Vereinfacht ausgedrückt ist Wind also nichts anderes als die Bewegung der Luft, die dazu dient, Luftdruckunterschiede auszugleichen. „Ähnlich wie bei einem aufgeblasenen Luftballon, aus dem die Luft entweicht“, sagt Habel.

Je größer also der Unterschied zwischen den Luftdrucken ist, umso heftiger strömen die Luftmassen in das Gebiet mit dem niedrigeren Luftdruck und umso stärker ist der aus der Luftbewegung entstehende Wind. Wegen der Erdrotation geschieht dies aber nicht geradlinig, son-dern winkelförmig abgelenkt. „Auf diese Weise entstehen überall auf unserem Planeten ständige Luftbewegungen und auch unterschiedlich starke Winde“, weiß der Meteorologe.

Die Windstärke lässt sich dabei anhand der 13-stufigen Skala des Seefahrers Francis Beaufort (1774–1857) von der Flaute (Stufe 0) bis hin zum Orkan (Stufe 12) klassifizieren.
Im Binnenland weht meist nur eine leichte Brise, also Windstärke zwei oder drei. Doch wenn der Wind richtig aufdreht, kann es schnell ungemütlich werden. Dann können Orkane ganze Bäume entwurzeln, Häuser zum Einsturz bringen und Flutwellen von mehr als zehn Meter Höhe vor sich hertreiben. Der Wind ist somit Schöpfer und Zerstörer in einem.
  • Hierzulande gibt es mehr als 1.300 Windkraftanlagen. Sie deckten 2019 etwa elf Prozent unseres gesamten Stromverbrauches ab.
  • 207 Kilometer pro Stunde war 2007 die Spitzengeschwindigkeit von „Kyrill“, dem stärksten Orkan, der je in unserem Land gemessen wurde.
  • 90 Milliarden Euro Schaden verursachte der Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 in New Orleans (USA). Dabei verloren mehr als 1.800 Menschen ihr Leben.
  • Ein Wind mit einer Stärke von 75 Kilometer pro Stunde ist ein Sturm. Das ist so schnell, wie ein Vogel Strauß laufen kann.
  • Die heftigsten Orkane unseres Sonnensystems gibt es auf dem Saturn. An den Polen werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 1.880 km/h erreicht – schneller als die Schallgeschwindigkeit auf der Erde.
  • Ab 6 km/h Windgeschwindigkeit wird ein Ahornblatt weggeweht, ab 100 km/h ein Mensch.
  • Tausend Tonnen kann eine Quellwolke schon wiegen. Würde bei einem Sturm das ganze Wasser auf einmal vom Himmel fallen, würde uns also der Inhalt eines ganzen Schwimmbades auf den Kopf platschen.
  • Eine Milliarde Liter Wasser enthält ein Gewitter durchschnittlich. Diese gigantische Menge fließt alle sechs Minuten über die 57 Meter tiefen Niagarafälle.
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