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Ausgabe Nr. 45/2020 vom 03.11.2020, Fotos: Walter Pernkopf / picturedesk.com, zVg
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Ewald Pfleger, Texter der Kult-Band „Opus“, über das neue Album und den Abschied.
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Am 13. November kommt das letzte Album von „Opus“ auf den Markt.
"Wir wollen nicht davonschleichen"
Die steirische Band „Opus“ auf nur ein einziges Lied, und zwar auf „Live Is Life“ zu reduzieren, ist zwar ein bisschen ungerecht, aber auch verständlich. Immerhin schafften die vier Musiker damit einen Welthit. Nun haben sie ihren Abschied angekündigt. Im nächsten Jahr wollen sie eine letzte Tournee spielen, am 13. November erscheint das voraussichtlich letzte Album „Opus Magnum“. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat sich darüber mit Ewald Pfleger, 65, dem Mitbegründer, Gitarristen, Sänger und Texter von „Opus“ unterhalten …
Herr Pfleger, so Corona will, spielen Sie Ihr letztes „Opus“-Konzert am 21. Dezember 2021 in der Oper Ihrer Heimatstadt Graz. Warum hören Sie schon auf?
(lacht) Schon? Die Band hat mein Leben bestimmt. Ich bin 65 Jahre alt, „Opus“ gibt es seit 47 Jahren.

Eben. Die „Rolling Stones“ zum Beispiel sind gut zehn Jahre älter als Sie …
Unser Sänger Herwig Rüdisser hatte voriges Jahr eine schwere Herzoperation. Er ist wieder voll hergestellt, und wir sind ja auch alle irgendwie jung geblieben. Dennoch. Wir haben uns entschieden abzutreten, solange wir noch voll bei Kräften sind. Wir möchten nicht irgendwann am Stock auf die Bühne humpeln.

Sie reizen das Abschiedsjahr immerhin aus.
Ach, wenn wir uns schon verabschieden, dann möchten wir das auch gründlich und gebührend feiern. Wir wollen uns nicht davonschleichen.

… und haben Ihr neues Album monströs „Opus Magnum“ genannt?
Das war die Idee unseres Tontechnikers. „Opus Magnum“ ist ein Titel, der uns dem Anlass angemessen erscheint. Das wird unser letztes großes Album, mit elf neuen Titeln und elf alten Raritäten aus unserer Schatztruhe. Es gibt davon sogar 111 durchnummerierte Exemplare der „Limited Fanbox Deluxe“.

Wie ist denn so ein Anhänger von „Opus“?
Die meisten sind etwa in unserem Alter. Aber es gibt auch viele jüngere Menschen, die unsere Musik mögen. Die Anhängerschar konzentriert sich nicht nur auf den deutschsprachigen Raum, sondern ist international. Zu unseren regelmäßigen Orchester-Konzerten in Graz unter dem Titel „Tonight at the Opera“ kommen auch Menschen aus Schweden, Irland oder Griechenland. Besonders viele Anhänger haben wir übrigens in Lateinamerika, speziell in Mexiko. Von dort kommt die höchste Zahl an Zugriffen auf YouTube und Spotify weltweit.

Warum haben die Mexikaner „Opus“ so gern?
Das hat wohl vor allem historische Gründe. Der Erzherzog Maximilian aus Österreich war einmal Kaiser von Mexiko im 19. Jahrhundert. Österreich und alles, was aus unserem Land kommt, hat in Mexiko einfach ein gutes Image.

Dennoch wurde Maximilian hingerichtet. Sind Sie einmal in Mexiko aufgetreten?
Ja, das sind wir. Und zwar im Jahr 1985 in Mexiko City. Das war der Wahnsinn. Am Flughafen haben wir die größte Pressekonferenz unserer Karriere gegeben. 200 Journalisten und 20 Kamerateams waren dort – nur wegen uns.

Ihr Welthit „Live Is Life“ ist 36 Jahre alt, doch er klingt im Ohr wie am ersten Tag. Hatten Sie eine Ahnung davon, was mit der Nummer passieren würde?
Nein, gar nicht. Ich hatte das Lied einfach für ein Live-Konzert geschrieben und mir nicht viele Gedanken dabei gemacht. Niemand hat sich erträumen können, was daraus wird. Die Menschen verbinden fröhliche Ereignisse mit dem Lied. Après-Ski, Ballermann, die Fußballweltmeisterschaft …

Das gibt es derzeit alles nicht. Merken Sie das an den Tantiemen-Abrechnungen?
Kaum. Wir verdienen immer mehr durch Streaming, also im Internet. Und Corona selbst wird jetzt auch schon mit „Live Is Life“ verbunden. Das ergibt ja auch Sinn. So ist das Leben. Wir können es nicht ändern, nur hoffen, dass es vorübergeht.

Letztes Album, Abschieds-Tour – gehen Sie dann eigentlich Ende nächsten Jahres in Pension?
Nein, nein. Mein musikalisches Leben geht weiter. Ich habe ein großes Studio in Graz, da hat jetzt im Sommer Stefanie Werger ihr neues Album eingesungen. Manchmal trete ich auch mit meinem Sohn Paul und seiner Band „Stereoface“ auf.

Und was machen Sie am 22. Dezember 2021?
Ausschlafen.
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