Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 45/2020 vom 03.11.2020, Fotos: juniart - stock.adobe.com, Manz Verlag
Artikel-Bild
Das Restless-Legs-Syndrom. Der unwillkürliche
Bewegungsdrang.
Artikel-Bild
Prof. Stefan Seidel, „Der Schlaf. Warum er so wichtig ist und wie er ungestört bleibt“, Manz Verlag; ISBN: 978-3-214-18548-0, E 23,90
Wenn die Beine nicht ruhen wollen Teil 3
Ein Zucken, ein Kribbeln wie „Ameisen unter der Haut“ und der Drang, die Beine bewegen zu müssen. Wer in Ruhe unter unruhigen Beinen leidet, findet nachts oft keinen (erholsamen) Schlaf. Dahinter steckt ein neurologisches Leiden, das mit Eisenmangel zu tun hat.
Es ist in den meisten Fällen ein weibliches Leiden, in jungen Jahren und später in der Pension. Das Kribbeln in den Unterschenkeln, die Unruhe, das Zucken, das Bedürfnis, die Beine bewegen zu müssen. Und für gewöhnlich just zur Schlafenszeit.

Dieser unangehme „Schlafräuber“ hat einen Namen, Restless-Legs-Syndrom (RLS), also das Syndrom der unruhigen Beine. „Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Wenn wir auf das Alter der Patienten schauen, dann gibt es zwei Erkrankungsgipfel. Das frühe Erwachsenenalter von 20 bis 30 Jahren und Senioren zwischen 60 und 70 Jahren“, beschreibt der Neurologe und Schlafmediziner Prof. Stefan Seidel aus Wien eine Erkrankung, die bis zu 15 Prozent der Menschen im Land um die erholsame Nachtruhe bringt.

Die typischen Missempfindungen und der lästige Bewegungsdrang treten vor allem in den Unterschenkeln auf, in der zweiten Tageshälfe oder nachts im Sitzen oder Liegen. Stehen die Patienten gezwungenermaßen auf, beruhigen sich die Missempfindungen vorübergehend. Das stört in der Folge den eigenen Schlaf und den des Bettpartners.

„Das aktuelle Konzept zur Entstehung des RLS bei sonst gesunden Menschen weist darauf hin, dass ein Eisenmangel im Gehirn, vor allem im Nervenkern im Mittelhirn, besteht. Dieser ‚Gehirneisenmangel‘ kann durch regelmäßiges Blutspenden, Operationen mit größerem Blutverlust oder eine ausgeprägte Regel-
blutung verstärkt werden“, erläutert der Experte. RLS kann aber auch eine Begleiterscheinung von chronischer Nierenschwäche, Polyneuropathie, Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose sein. „Die Frage, ob Menschen durch RLS ein höheres Risiko für Parkinson oder Alzheimer haben, kann aber mit Nein beantwortet werden“, beruhigt Dr. Seidel.

Für die richtige Diagnose bedarf es eines ausführlichen Gespräches mit einem im Idealfall auf Schlafstörungen spezialisierten Arzt. Eine Laboruntersuchung und eine Nacht im Schlaflabor bringen ergänzende Erkenntnisse. „Wiederkehrende Beinbewegungen im Schlaf, die bei Erwachsenen mehr als 15 Mal in der Stunde auftreten, sind für die Diagnose ebenso wichtig wie das Wissen um eine mögliche familiäre Vorbelastung.

RLS ist keineswegs harmlos. Es verhindert einen erholsamen Schlaf, bringt Tagesmüdigkeit, Gereiztheit und Abgeschlagenheit. Die vermehrten Beinbewegungen im Schlaf führen auf Dauer zu einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, vor allem über die Erhöhung des Blutdruckes.“

Im Gegensatz zur Schlafapnoe gibt es für RLS-Patienten Medikamente. Die Therapie mit L-Dopa, einer chemischen Vorstufe des Botenstoffes Dopamin, kann die Beschwerden lindern. „Leider kommt es häufig irgendwann zu einer Verstärkung der RLS-Symptome, der sogenannten Augmentation. Die Beschwerden treten dann deutlich früher auf, breiten sich auf andere Körperteile aus oder treten rascher auf, wenn der Patient in Ruhe ist. Werden die Medikamente wieder verringert, bessern sich auch wieder die Beschwerden. Leider ist dieses Phänomen auch bei Wirkstoffen der Fall, die die Wirkung von Dopamin imitieren, darunter Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin. In der Zwischenzeit hat die medizinische Forschung jedoch weitere Substanzen gefunden, die Betroffenen helfen können. Dazu gehören Alpha-2-Delta-Liganden.“

Für den Schlafmediziner gilt daher bei der medikamentösen RLS-Therapie das Motto: „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“

Medikamentenfreie Hilfe für unruhige Beine in der Nacht
  • Pneumatische Kompressen: Hier wird von außen in regelmäßigen Abständen Druck an den Beinen aufgebaut, durch die Verbesserung der Durchblutung werden die Symptome gelindert.
  • Kälteanwendungen: lokal an den Beinen oder in einer Kältekammer (etwa 3 Minuten bei -70 Grad bis -100 Grad)
  • Yoga: vor allem Iyengar Yoga
  • Einnahme von Selen
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung