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Ausgabe Nr. 45/2020 vom 03.11.2020, Fotos: Astrid Knie, Landwirtschaftskammer/Schedl
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Pamela Rendi-Wagner, Ferdinand Lembacher
Sollen wir Glyphosat im Alleingang verbieten?
Die Mehrheit hierzulande ist für ein Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat. Doch das im Vorjahr ohne die Stimmen der ÖVP beschlossene Verbot trat nach einem formalen Fehler nicht in Kraft. Ob ein Glyphosat-Bann bei uns nach EU-Regeln überhaupt möglich ist, darüber gibt es Diskussionen. Luxemburg jedenfalls hat laut Greenpeace allen glyphosathaltigen Produkten einzeln die Zulassung entzogen. Restbestände dürfen noch bis Ende 2020 aufgebraucht werden.
JA:
Pamela Rendi-Wagner,
SPÖ-Vorsitzende

„Glyphosat ist ein gefährliches Umweltgift. In der Landwirtschaft wird es eingesetzt, um Unkraut zu vernichten. Doch Glyphosat gefährdet nicht nur Bienen. Es schadet auch uns Menschen. Über das Wasser und unser Essen landet das Gift in unserem Körper. Dabei wissen wir um die Gefahren von Glyphosat längst Bescheid. Zahlreiche Studien belegen, dass Glyphosat mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs verursacht. In den Vereinigten Staaten mussten Chemiekonzerne auch schon hohe Entschädigungen an Glyphosat-Opfer zahlen. Das alles ist für mich Grund genug, ganz klar zu sagen: Ich will kein Gift auf unseren Tellern. Ich will, dass sich meine Töchter gesund ernähren. Und ich will allen Kindern eine intakte und lebenswerte Umwelt weitergeben. Durch eine vernünftige Landwirtschaft statt Glyphosat und Pestizide. Darum habe ich im Parlament schon vor mehr als einem Jahr ein Glyphosat-Verbot durchgesetzt. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die ÖVP über ihren Schatten springt und das Verbot auch endlich umsetzt. Denn es geht um unsere Gesundheit. Und die Gesundheit unserer Kinder und Enkelkinder.“

NEIN:
Ferdinand Lembacher,
Landwirtschaftskammer-Generalsekretär

„In Österreich findet Pflanzenschutz sehr verantwortungsvoll statt. Wir verlassen uns dabei auf das strenge, wissenschaftsbasierte Zulassungsverfahren auf EU- und nationaler Ebene. Niemand hat ein größeres Interesse an der Sicherheit der Mittel als jene, die direkt damit arbeiten, und das sind unsere Bäuerinnen und Bauern. Einseitige nationale Verbote bringen auch dem Konsumenten keinen Nutzen, weil die Grenzen für den freien Warenverkehr offen bleiben. Sie bedeuten Wettbewerbsverzerrung und führen nur dazu, dass weitere heimische Familienbetriebe ihre Tore für immer schließen. Daher hat auch die EU-Kommission einem nationalen Alleingang eine Abfuhr erteilt. In Österreich herrschen punkto Glyphosat bereits deutlich strengere Bestimmungen als in anderen Ländern. Nutzpflanzen werden hierzulande nicht mit Glyphosat behandelt. Die Konsumenten können daher sicher sein, dass diese keine Glyphosatspuren enthalten. Bei vielen Importwaren ist das anders. Das Mittel ist bei verantwortungsvollem Einsatz, etwa in stark erosionsgefährdeten Gebieten zur Unkrautbekämpfung, ökologisch vorteilhaft und alternativenlos. Glyphosat national zu verbieten, Importe aber weiter hereinzulassen, wäre für uns inakzeptabel.“
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