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Ausgabe Nr. 44/2020 vom 27.10.2020, Fotos: AdobeStock, Lukas Beck, edition a
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Trauerredner Carl Achleitner.
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In seinem Buch widmet Trauerredner Carl Achleitner auch dem Thema „Trauer und Humor“ ein Kapitel.
Beim letzten Wort darf auch geschmunzelt werden
„Hier liegen meine Gebeine, ich wollt‘, es wären deine.“ Wie viel Humor verträgt der Tod? Tod und Humor scheinen doch die Gegensätze schlechthin zu sein. Dabei sind es oft die kleinen Anekdoten, die den Trauerschmerz erleichtern. Natürlich ohne dabei die Würde zu verletzen. Bei Grabreden darf durchaus gelächelt, bisweilen sogar leise gelacht werden.
Lieber Schurli, was für ein Lebensweg, alle Achterln!“ Mit diesen Worten brachte Carl Achleitner die trauernden Menschen am Friedhof Wien-Atzersdorf augenblicklich zum Lächeln. „Er hatte drei Frauen, sieben Kinder, und alle haben ihn geliebt. Mit Mitte achtzig ist der Schurli verstorben. Er war ein erfolgreicher Unternehmer, der sein Leben ausgekostet hat und einem guten Tropfen durchaus zugeneigt war“, erzählt der 57jährige Schauspieler. Seit neun Jahren ist der Mann mit der sanften Stimme und dem schwarzen Anzug als Trauerredner tätig.

Wie für all seine bislang 2.500 Abschiedsreden hat sich Achleitner bei Herrn Schurlis Angehörigen über dessen Lebensgeschichte, Eigenschaften und Vorlieben informiert, um den Verstorbenen mit den richtigen Worten zu verabschieden.

„Schurlis Kinder erzählten mir, dass ihr Vater beim Anstoßen in Abwandlung an ,Alle Achtung‘ immer ,Alle Achterln‘ sagte. Sein Lieblingsspruch musste also unbedingt in meinen Abschiedsworten enthalten sein“, erzählt Achleitner. „Am Ende meiner Rede habe ich mich an die Trauer-Gemeinde gewandt und gesagt, ,Gloria und Glimmer‘, worauf alle im Chor mit einem kräftigen ,So an Schurli-Bua gibt‘s nimmer‘ geantwortet haben. Das hat der Verstorbene immer dann gesagt, wenn er besonders gut aufgelegt war.“

Trauerredner Achleitner ist überzeugt davon, dass Humor dabei hilft, sogar selbst den tiefsten Trauerschmerz leichter zu ertragen. „Wenn es möglich ist, den Menschen ein Schmunzeln oder sogar ein zartes Lachen zu entlocken, tut das der Würde und dem Feingefühl keinen Abbruch“, versichert er.

Wenn zu Lebzeiten viel Liebe und Zusammenhalt war, sei es einfach, den letzten Worten einen Hauch von Humor zu verleihen. „Wenn ich zum Beispiel von Mamas legendärer Bohnensuppe erzähle, bei der sie einmal statt Paprikapulver scharfe Chili erwischte und damit der ganzen Familie die Tränen in die Augen trieb und ihre Geschmacksnerven beinahe verätzte. Als ich diese amüsante Begebenheit am Grab der Verstorbenen erzählte, konnte ich den tief trauernden Angehörigen sogar ein kleines Lachen entlocken“, erzählt Achleitner, der seine Erkenntnisse als Trauerredner in dem Buch „Das Geheimnis eines guten Lebens“ (Verlag edition a) niedergeschrieben hat. Bei seiner Verabschiedung wünscht er sich, dass, wer immer die letzten Worte für ihn sprechen mag, die Hinterbliebenen schmunzeln sollen. Als musikalischen Abschiedsgruß kann er sich den Monty-Python-Klassiker „Always look on the bright side of life“ vorstellen. „Schau immer auf auf die fröhliche Seite des Lebens, heißt es in der Übersetzung, und das ist mein Lieblingsmotto“, sagt der Trauerredner.

Anekdoten und lustige Begebenheiten am Sarg des Verblichenen zu schildern, sei natürlich unmöglich, wenn zu Lebzeiten schwierige Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen herrschten. Und natürlich dann, wenn Kinder und Jugendliche verabschiedet werden und die tieftrauernden Eltern am Grab ihres Kindes stehen müssen. „Es ist das Schlimmste überhaupt, wenn junge Menschen gehen müssen. Da muss ich schon manchmal kämpfen, die Fassung zu behalten. Schließlich ist es meine Aufgabe, den Trauernden Halt zu geben, damit sie zumindest ein bisschen aufgerichtet nach Hause gehen und weitermachen können“, sagt Achleitner.

Seinen Erfahrungen zufolge herrscht bei vielen Menschen eine große Befangenheit darüber, was bei einer Verabschiedung alles gesagt werden darf. „Erlaubt ist alles, was sich die trauernden Angehörigen wünschen“, meint er dazu. Oft seien es gerade die scheinbaren Kleinigkeiten, die wundervolle Erinnerungen bergen. „Zum Beispiel bei Ehepaaren, die 60 Jahre und länger miteinander verheiratet sind. Stirbt dann einer, zumeist ist es der Mann, der zuerst geht, ist es einleuchtend, dass in so langer Zeit nicht immer die Sonne gescheint hat. Da ist bei meinen Abschiedsworten durchaus gewünscht, wenn ich sage, dass der liebe verstorbene Pepi rasch zum Josef wurde, wenn es mit der Liebsten Streit gab. Und dass er auch stur sein konnte, der liebe Pepi. Solche Aussagen entlocken den Angehörigen, so groß die Trauer auch sein mag, immer einen kleinen Schmunzler“, weiß Carl Achleitner.

Der Tod lächelt uns ständig an. Das Einzige, was wir tun können, ist zurücklächeln.
Marc Aurel

Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht.
Herbert Grönemeyer

Manche Männer sind dafür geschaffen, eines Tages glückliche Witwen zu hinterlassen.
Robert Lembke


Dein Dackel ging voraus. Jetzt trittst du in seine Fußstapfen.
Unbekannt

Vorm Tode sich fürchten hat keinen Zweck. Man erlebt ihn ja nicht. Wenn er kommt, ist man weg.
Otto Reutter

Wie bringen Sie Gott zum Lachen? Erzählen Sie ihm Ihre Pläne.
jüdischer Witz

Man wird es in der Zeitung lesen, im besten Fall, dass wir – gewesen. Die Menschen, ungerührt, ja, heiter, sie leben ohne uns dann weiter. Sie lieben, hassen, hoffen, raufen, bis auch ihre Zeit ist abgelaufen. So gehen wir, wär‘n wir auch noch so munter, im Strom der Zeiten alle unter.
Eugen Roth

Er hat aufgehört zu existieren, beraubt seines Lebens, ruht er nun in Frieden, er hat den Löffel abgegeben, hüpfte über den Zaun, biss ins Gras, kratzte ab, atmete seinen letzten Atemzug, und ist gegangen, um eine großartige leichte Unterhaltung im Himmel zu erhalten.
John Cleese

Er lebte still und unscheinbar und starb, weil es so üblich war.
Unbekannt​

Da liegt der Xandi, die alte Diva, er wollt‘ ein Star sein, der er nie war. Jetzt ist er tot, der arme Hund. Vergesst‘s ihn nicht und bleibt‘s gesund. Er starb an einem Hirntumor, nahm es aber mit Humor.
Carl Achleitner. Aus der Trauerrede für seinen verstorbenen Freund und Kollegen Alexander Müller, der sich von ihm lustige Abschiedsworte wünschte.
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