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Ausgabe Nr. 44/2020 vom 27.10.2020, Fotos: imago images/Mary Evans, Knaur
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Schauspielerin Monika Baumgartner, 69, die Mama des Fernseh-„Bergdoktors“.
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Autobiografisches Buch von Monika Baumgartner.
Die zwei tiefsten Täler in ihrem Leben
Als „Lisbeth Gruber“, die Mama des „Bergdoktors“, hat sie sich in die Herzen der Zuseher gespielt. Monika Baumgartner, die vielseitige Volksschauspielerin, erzählt in ihrem autobiografischen Buch über ihr Leben vor und abseits der Kamera. Von ihrer Kindheit zu fünft auf 42 Quadratmetern über ihren beruflichen Werdegang bis zu den zwei tiefsten Tälern. Dort bekam die 69jährige die Schattenseiten des Lebens zu spüren.
Der Bergdoktor‘ ist deshalb so erfolgreich, weil bei den Grubers Heimat und Familie im Mittelpunkt stehen. Werte, nach denen sich die Menschen umso mehr sehnen, je wilder die Welt wird. Und eine Mama wie ,Lisbeth Gruber‘ schafft es, die Familie zusammenzuhalten“, sagt Monika Baumgartner. Die 69jährige steht gerade für die neuen Folgen der 14. Staffel als Mama des von Hans Sigl verkörperten „Bergdoktors“ vor der Kamera.

Der Erfolg der Familienserie geht so weit, dass manche Menschen nicht mehr zwischen der Schauspielerin und ihrer Rolle unterscheiden. „Wenn ich beim Einkaufen als ,Frau Gruber‘ angesprochen werde, belasse ich das so und grüße einfach freundlich zurück“, nimmt sie die Verwechslung gelassen hin. So etwas falle in die Kategorie „schauspielerisches Schicksal“, was bei langjährigen Serien-Rollen nicht ungewöhnlich sei.

"Vater kochte und half Mutter im Haushalt"
Es war im Sommer 2007, als sie in der ersten „Bergdoktor“-Staffel als Lisbeth Gruber Gas auf dem Traktor gab. Mutig tuckerte sie die kurvenreiche Strecke oberhalb des Hintersteiner Sees nahe des Wilden Kaisers in Tirol bergab. „Vielleicht habe ich ja auch nur deshalb die Rolle bekommen, weil ich so gut Traktor fahren kann. Obwohl das Gefährt alt war, die Kupplung ein Eigenleben hatte und ich Zwischengas geben musste, ist alles gut gegangen“, erzählt sie. Am Traktor ist sie tatsächlich schon in jungen Jahren gesessen. „Ich war oft bei Freunden meiner Eltern auf einem Bauernhof im bayerischen Erding. Damals haben sie mir was aufs Gaspedal gelegt, damit ich überhaupt mit meinen Füßen runterreiche. Und Kühe melken habe ich dort auch gelernt“, erzählt die Tochter eines Postlers und einer Buchhalterin.

Am 19. Juli 1951 geboren, wuchs Baumgartner mit ihrem älteren Bruder Joseph und der jüngeren Schwester Traudi in einer 42-Quadratmeter-Wohnung in München (D) auf. „Viel Platz hatten wir nicht, aber eine glückliche Kindheit. Mein Vater, der im Schichtdienst arbeitete und tagsüber oft daheim war, hat für uns Kinder gekocht und unserer Mutter im Haushalt geholfen. Was für damalige Zeiten äußerst ungewöhnlich war“, erinnert sich die Schauspielerin in ihrem eben im Droemer Knaur-Verlag erschienenen Buch „Alles eine Frage der Einstellung – Mein Leben zwischen Berg und Tal“.

Große Lust hätte Baumgartner, wieder einmal Theater zu spielen. Dort liegen ihre schauspielerischen Wurzeln. Nach ihrer Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München stand sie mehrere Jahre auf deutschen Bühnen, seit Ende der 1970er Jahre immer häufiger vor der Filmkamera. Einem größeren Publikum bekannt wurde die Münchenerin in dem Fernsehfilm „Die Rumpelhanni“ (1981). Es folgten Serien-Rollen in „Unsere schönsten Jahre“, „Rosowski“,
„Derrick“, „Der Bulle von Tölz“, „Unter Verdacht“ und „Monaco 110“. Für das Mutter-Tochter-Drama „Sau sticht“ wurde sie 1996 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Obwohl sie in bislang 150 Filmen und Serien mitgespielt hat, bleibt die Rolle der „Bergdoktor“-Mama die, mit der sie am meisten in Verbindung gebracht wird.

Wenn sie nicht zwischen ihrem bayerischen Wohnort Gröbenzell und dem Tiroler „Bergdoktor“-Drehort Ellmau pendelt, kümmert sich Baumgartner um ihre 92jährige Mutter, die in einer betreuten Wohneinrichtung lebt. „Meine Mutter hat sich die Hüfte gebrochen, sitzt seither im Rollstuhl und braucht Unterstützung“, sagt sie.

Was es heißt, gesundheitlich angeschlagen zu sein, spürte Monika Baumgartner am eigenen Leib. „Ich war 18 Jahre alt, als mein rechtes Bein irrsinnig zu schmerzen begann. Ich war bei zahlreichen Ärzten und Wunderheilern. Niemand wusste mir zu helfen, ich war verzweifelt und schaffte den Alltag meist nur mit starken Schmerzmitteln“, beschreibt sie einen Tiefpunkt ihres Lebens. Erst nach einem 15 Jahre langen Leidensweg wendete sich alles zum Guten. Dank der damals neuen Untersuchungsmethode, der Computer-Tomografie, wurde bei ihr ein fünfeinhalb Zentimeter großer Tumor in der Leiste gefunden und entfernt.

Wenn Monika Baumgartner von einem zweiten „tiefen Tal“ in ihrem Leben spricht, meint sie damit ihren ersten Mann. „Neil hat mich nach 13 Jahren Glück, ein Jahr davon waren wir verheiratet, verlassen. Für eine Frau, die 15 Jahre jünger war als ich und schwanger von ihm war. Wir hatten gemeinsam eine Bühnenbaufirma, die Neil verkaufte. Nach der Scheidung zog er in seine irische Heimat zurück, wie ich später erfuhr“, schreibt die Schauspielerin in ihrem Buch, damals brach für sie eine Welt zusammen. Nach Tagen, in denen sie sich in einer Schockstarre befand, half ihr die Arbeit, wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen.

„Ganz langsam erholte ich mich von der tiefen Wunde, die Neils Verhalten hinterlassen hatte. Ich müsse mich schnell wieder verlieben, wurde mir geraten, was ich nicht so sah“, schildert sie. Letztlich sollte es sieben Jahre dauern, bis sie noch einmal „ja“ zu einem Mann sagte. „Hans und ich sind seit zwanzig Jahren glücklich miteinander, einen Trauschein brauchen wir nicht“, ist sie fest überzeugt.

Ihre Liebe zum Handwerk und ihr Talent für Dekorationen lebt sie im Münchener Raumausstatter-Laden „Hermanas“ aus. Den betreibt sie mit ihrer Schwester Traudi. „Den Laden gibt es jetzt bald ein Vierteljahrhundert lang“, sagt sie stolz. Am Anfang ist sie selbst auf Montage gefahren, das Auto voller Stoffe, Vorhang-Schienen und Werkzeug. „Manchmal denke ich mir, das alles würde es mit meinem Ex-Mann Neil nicht geben. Wie immer hat alles im Leben zwei Seiten, und was wir daraus machen, ist Einstellungssache.“
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