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Ausgabe Nr. 44/2020 vom 27.10.2020, Foto: stock.adobe.com/graustufen
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Bei Schlafapnoe hilft eine Schlafmaske.
Der geraubte Schlaf Teil 2
Schlechter Schlaf ist nicht immer nur durch Stress oder Sorgen verursacht. Manchmal versagt der Körper den Dienst in der Nachtruhe und hört einfach mit dem Atmen auf.
Fünf, zehn, bis zu dreißig Mal in der Stunde setzt im Schlaf die Atmung aus. Der Sauerstoff im Blut sinkt, das Kohlendioxid steigt. Im Körper herrscht Alarmstimmung. Der Puls beschleunigt, das Gehirn wird aktiv, der Blutdruck steigt. Bis ein explosionsartiges Schnarchen den Schlafenden weckt oder ihn zumindest wieder zum Atmen zwingt. „Atemstillstände im Schlaf betreffen zehn bis dreißig Prozent der Menschen, vor allem im Alter. Bei Männern treten sie doppelt so häufig auf, wobei der Anteil der Frauen ab der Menopause zunimmt“, sagt der Schlafmediziner Prof. Stefan Seidel von der Medizinischen Universität Wien.

Die Schlafapnoe ist der Atemstillstand im Schlaf. Dabei erschlaffen und verengen die oberen Atemwege. Das Atmen ist erschwert oder gar unmöglich. „Diese Form heißt obstruktive Schlafapnoe. Bei der zweiten, seltenen zentralen Schlafapnoe wird durch Schäden im Zentralnervensystem der Atemstillstand ausgelöst. Das kann bei ausgeprägter Herzschwäche, Schlaganfall oder Multipler Sklerose vorkommen.“ Häufig bemerken Betroffene nichts von den nächtlichen Aussetzern, spüren aber eine erhöhte Tagesschläfrigkeit, Gedächtnisstörungen oder erkranken an Depression. Bei Frauen kann es zu morgendlichem Kopfweh kommen.

„Die Patienten haben einen verminderten Tiefschlaf und REM-Schlaf. Dadurch werden weniger Substanzen ausgeschieden, die dem Gehirn schaden, und mehr Stresshormone ausgeschüttet. Der Körper kommt in eine chronische Entzündung“, erklärt der Schlafmediziner. Unbehandelt steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Stellen Schlafmediziner nach ein, zwei Nächten im Schlaflabor fest, dass die Atemstillstände krank machen, kann geholfen werden.

„Übergewichtige Patienten sollten abnehmen. Zu viel Fett am Hals erhöht das Risiko einer Schlafapnoe. Nikotin und Alkohol besser meiden. Sie verengen die oberen Atemwege durch Schwellungen und Erschlaffung des Gewebes. Ist die Schlafapnoe stark ausgeprägt, hilft nur die CAP-Therapie. Dabei legen die Patienten nachts eine Maske über Nase und Mund, die die Raumluft mit Überdruck zuführt. Das verhindert den Kollaps der Atemwege. Atemstillstände werden verhindert, meist auch das Schnarchen.“ Stört die Maske zu sehr, können Betroffene versuchen, die Zungen- und Schlundmuskulatur zu trainieren, den weichen Gaumen chirurgisch straffen lassen oder ein Rückenpolster verwenden. Das verhindert die Rückenlage und damit meist die Atemstillstände im Schlaf.
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Ursache und Therapie, wenn nachts die Beine unruhig sind.
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