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Ausgabe Nr. 43/2020 vom 20.10.2020, Fotos: GPA, WKÖ/Nadine Studeny
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Barbara Teiber, Rainer Trefelik
Soll es gesetzlich geregelte Maskenpausen geben?
Gesichts-Visiere und Kinn-Schilde sind in die Kritik geraten, weil sie etwaige Infektions-Tröpfchen weniger gut „einfangen“. Im Handel und anderen Bereichen müssen Mitarbeiter bei Kundenkontakt aber einen „Mund-Nasen-Schutz“ tragen, wenn es keine „geeignete Schutzvorrichtung zur räumlichen Trennung“ gibt. Gewerkschaft und SPÖ wollen deshalb eine viertelstündige bezahlte Maskenpause alle zwei Stunden. Wirtschaftsvertreter und Regierung sind dagegen.
JA:
Barbara Teiber,
Gewerkschaft der Privatangestellten

„Es waren richtig viele, die am Balkon gestanden sind und für die Corona-Helden und -Heldinnen geklatscht haben. Durch die Krise haben wir auf einen Schlag vor Augen geführt bekommen, wer unsere Gesellschaft am Laufen hält. Eine große Gruppe, die für unseren Alltag unverzichtbar ist – gerade während einer Krise – ist jene der Handelsangestellten. Trotz Ansteckungsgefahr, trotz anfänglichen Sturmes auf die Filialen: Die Beschäftigten im Handel waren da und haben Unglaubliches geleistet, damit die Bevölkerung weiter versorgt wird. Ist ihre Leistung jetzt plötzlich vergessen? Die Arbeit mit Maske ist oft unangenehm. Die Angestellten schlichten Regale ein, stehen bei der heißen Theke oder kassieren hunderte Kundinnen
und Kunden. Wer eine solche Arbeit einmal gemacht hat, weiß, welche Belastungen dabei zum Tragen kommen. Wir alle kennen das Gefühl, wenn wir die Maske tragen müssen: Es ist anstrengend, man bekommt etwas schwieriger Luft, bei Bewegung kommt man schnell ins Schwitzen. Die Handelsangestellten tragen die Maske den ganzen Tag. Da kann eine Viertelstunde bezahlte Maskenpause nach zwei Stunden Arbeit mit Maske nicht zu viel verlangt sein.“

NEIN:
Rainer Trefelik,
Handels-Obmann Wirtschaftskammer

„Den Arbeitgebern im Handel ist der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter und natürlich auch der Kunden ein großes Anliegen. Beide sollen sich bestens geschützt fühlen. Der Einführung einer verpflichtenden Maskenpause steht der Handel in
unserem Land aber aus guten Gründen ablehnend gegenüber, denn Maskenpausen funktionieren in der betrieblichen Praxis gut. Und das auch ohne gesetzliches Korsett. Es ist außerdem nicht so, dass Arbeitnehmer den ganzen Tag lang die Maske nie abnehmen könnten. Und es gibt Alternativen zur Maske wie etwa Schutzwände im Kassenbereich. Die Plexiglas-Abtrennungen und ruhigere Momente machen zudem ein kurzes Absetzen auch zwischendurch immer wieder möglich. Einen kleinen Händler mit fünf Mitarbeitern würden außerdem
verpflichtende Maskenpausen alle zwei Stunden unnötigerweise mit jeder Menge Verwaltungs-Mehraufwand sowie 14.000 Euro Mehrkosten pro Jahr belasten. Den gesamten Lebensmittelhandel würde eine Verpflichtung mit 20 Millionen Euro mehr im Jahr treffen. Diese zusätzliche finanzielle
Mehrbelastung ist in Zeiten wie diesen nicht vertretbar.“
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