Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 42/2020 vom 13.10.2020, Foto: mauritius images / Cavan Images / Alamy
Artikel-Bild
Menschenaffen saugen gegen Parasiten im Darm das bittere Mark des Mjonso-Baumes aus. Gesunde Tiere meiden das Gewächs, denn es ist bitter und giftig.
Tiere nutzen die Natur als Apotheke
Juckende Mückenstiche, heftiger Durchfall wegen Parasiten im Darm, Infektionen oder einfach nur Kopfweh. Beschwerden von Wildtieren sind den unseren ähnlich. Und wie wir haben auch die Tiere gelernt, sie zu bekämpfen. Denn die Natur ist eine riesengroße Apotheke. Vom Biber über den Feldhasen bis hin zum Primaten wird ganz gezielt zu gesundmachenden Pflanzen aus der Umgebung gegriffen.
Langsam entfernt sich der junge Gorilla von seiner Gruppe und sucht gezielt einen Strauch auf. Vorsichtig zupft er eines der Blätter ab, faltet es mit seiner Zunge und schluckt es unzerkaut hinunter. Bis zu 30 Blätter verputzt der Menschenaffe auf diese Weise, einige Stunden später scheidet er sie mitsamt den lästigen Darmwürmern wieder aus.

„Primaten liefern natürlich spektakuläre Beispiele, sie sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Es ist zu erwarten, dass alle heute lebenden Tiere Mechanismen entwickelt haben, sich gegen Parasiten zu schützen“, erklärt Dr. Michael Huffman. Er ist einer der Pioniere der Erforschung der tierischen Selbstmedikation, einer noch relativ jungen Wissenschaft, die „Zoopharmakognosie“ genannt wird.

Wildtiere wissen instinktiv, was ihnen guttut, zum Teil lernen sie es von Artgenossen. Doch selbst bei Haus- und Nutztieren gibt es Hinweise auf erlerntes und angeborenes Wissen über Heilpflanzen. Schafe haben zum Beispiel gelernt, dass tanninhaltige Pflanzen wie Hornklee dabei helfen, Würmer loszuwerden.

„Von Katzen und Hunden ist bekannt, dass sie ab und zu Gras fressen müssen, um ihren Magen-Darm-Trakt von Haaren zu befreien“, sagt der Experte. Doch auch Hundeartige wie der Fuchs setzen auf Gras zur Magen-Reinigung. Rebhühner oder Auerhühner fressen dagegen kleine Steine, um unverdauliche Teile ihrer Nahrung im Magen zu zermahlen.

Offenbar braucht es weder zwei Hände noch vier Beine, um Medizin zu nutzen. Manche Vögel wie etwa der Star polstert gezielt seine Nester mit dem Kraut der wilden Karotte aus. „Das darin enthaltene Beta-Sitosterol vergrämt Milben, das ist wissenschaftlich belegt“, weiß Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Eichelhäher wiederum reibt sich Ameisen gerne ins Gefieder, weil die verspritzte Säure Läuse und Milben vertreibt.
Die gleiche Wirkung hat auch Nikotin, „weswegen Spatzen manchmal Zigarettenstummel in ihre Nester legen“, weiß Calvi.

Neben Pflanzen spielt aber auch Erde eine große Rolle in der tierischen Naturapotheke. Ein Beispiel dafür sind die Aras im südamerikanischen Amazonasgebiet. Die bunten Papageien fressen besonders gern den tonhaltigen Boden der Flussufer. Die Erde neutralisiert das natürliche Gift in vielen Samenpflanzen und erweitert so das Nahrungsspektrum der Vögel. Eine ähnliche Strategie haben die Koalas in Australien. Zu ihrer Nahrung gehören Hunderte von teilweise giftigen Eukalyptusarten. Die kleinen Beutelbären wissen jedoch genau, welche Sorten sie vertragen und welche nicht. Erwischen sie doch einmal einen falschen Stängel, fressen sie Erde, um das Gift zu neutralisieren. „Wenn wir Tiere bei der Suche nach Futter in der Natur beobachten, müssen wir uns also auch fragen, ob sie in den Supermarkt oder in die Apotheke gehen“, schmunzelt Jenifer Calvi. Unbestritten ist mittlerweile, dass auch der Mensch von den Heilkünsten der Tiere lernen kann. Schließlich gehen etwa 60 Prozent aller Medikamente auf Naturstoffe wie Pflanzen, Bakterien und Pilze zurück. Von den weltweit bekannten 300.000 Pflanzen-
arten sind jedoch gerade einmal zehn bis 20 Prozent biologisch und chemisch vollständig erforscht.

„Heilpflanzen, mit denen Tiere zum Teil schon seit Jahrmillionen experimentieren, könnten sich hier als eine Art Wegweiser entpuppen“, glauben Pharmakologen. Vorausgesetzt, der Mensch lässt die Wälder und Wiesen noch lange genug stehen.
Hwie

„Zoopharmakognosie“ – ein Zun genbrecher, der ausdrückt, wie sich Tiere selbst heilen.
  • Weil kranke Pumas die Rinde des Chinarindenbaumes fressen, stellten Forscher einen Extrakt daraus her. Und entdeckten Chinin. Es wurde zum Mittel gegen Malaria.
  • Hasen nutzen eine ganze „Hasenapotheke“ – bestehend aus Löwenzahn, Fenchel oder Barbarakraut, das die Häsin dabei unterstützt, trächtig zu werden.
  • Beim Einemsen wälzen sich Vögel wie Eichelhäher im Ameisenhaufen. Die Ameisen besprühen sie daraufhin mit Säure, was Parasiten fernhält.
  • Um lästige Stechmücken zu bekämpfen, zerkauen Bären die Blätter des Ligusters, verteilen den Brei auf ihren Pfoten und reiben ihr Fell damit ein.
  • Elefanten fressen Lehm, weil er ihnen eine Quelle für Mineralien wie Natrium bietet und gut für die Verdauung ist.
  • Der Biber liebt Mädesüß und die Rinde der Weiden. Diese Pflanzen waren zu alten Zeiten auch bei traditionellen Kräuterheilern beliebt, wenn es galt, Fieber zu senken oder Kopfschmerzen zu dämpfen.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Dodoheimarie
Tiere nutzen die Natur als Apotheke
Vielleicht nicht mehr lange und wir mit Ihnen auch nicht.
Da wir ein Teil der Natur sind könnten wir, wenn wir einzig auf die innere und äußere Sauberkeit achten, bis in unser hohes Alter gesund und glücklich leben.

Das wird jedoch nie mehr sein. Wie denn? Wir leben gegen unsere innere Uhr, vorgeschrieben durch Politik, Industrie, Wirtschaft...

Dazu kommt, daß unsere Böden durch Gier kontaminiert, unbrauchbar werden durch Gülle, Glyphosat, Herbizide, Pestizide usw.
Nicht nur das. Lobbyisten der Erdölkonzerne beuten das letzte aus, verursachen dadurch Bodeneinbrüche, ja sogar Erdbeben, die es zuvor in gewissen Regionen nie gegeben hatte.

Und das schärfste für mich ist das, daß die Pharma wider die Natur handelt. Menschen anstatt gesund zu kontinuierlich ruinieren, so daß das neue Zauberwort der Verstorbenen "Multiorganversagen lautet.

Ich frage mich wie lange so manch einer von uns, das sind eigentlich 80 bis 90 % der Menschheit, dieses mitmachen wollen.

Vor einigen Tagen habe ich in einer Zeitung gelesen "dass der Mensch nicht mehr selbständig denken kann".
Das frage ich mich auch, wenn ich einige meiner Bekannten reden hören und handeln sehe...
Erwachen, erwache bevor es
Werbung