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Ausgabe Nr. 42/2020 vom 13.10.2020, Foto: DGW
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Dr. Martina Gredler auf dem Weg zu Patienten. Die Behandlungskoffer sind immer mit dabei.
Schmerzfreie Zähne im Alter Teil 2
Wenn Krankheit oder Pflegebedürftigkeit den Besuch in der Zahnarzt-Ordination schwer oder unmöglich macht, kann ein Haubesuch die Lösung sein. Auf diesem Weg kann kranken oder betagten Menschen bei nicht allen, aber bei vielen Zahnproblemen geholfen werden.
Seit geraumer Zeit ist Elfriede Nowak auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Pflegerin hilft ihr im Alltag, betreut sie und umsorgt die neunzigjährige Seniorin, die sich über Besuche freut und gerne ein paar Worte mit anderen wechselt.

Arzt-Termine wahrzunehmen, fällt der betagten Frau aus Gesundheitsgründen aber schwer, so auch ein Besuch beim Zahnarzt. Doch Frau Nowak hat Glück. Gibt es Probleme mit den Zahn-Prothesen, ist die mobile Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Dr. Martina Gredler aus Wien für sie da. So wie an diesem Donnerstag, an dem die Zahnärztin auf Hausbesuch kommt.

„Meine Patientin drückt eine Stelle in der Oberkiefer-Prothese“, verrät sie auf dem Weg in die helle, freundliche Wohnung. Elfriede Nowak sitzt an ihrem Esstisch, durch die großen Fenster erhellt die Oktobersonne das geräumige Wohnzimmer. Die Zahnärztin legt ihren kleinen rosa Behandlungskoffer ab und wechselt Worte der Begrüßung mit ihrer Patientin, die sie seit mehr als dreißig Jahren kennt.

Die Corona-Maßnahmen verlangen von ihr, in einen Ganzkörper-Schutzanzug zu schlüpfen und Maske zu tragen. Ihr Anblick entlockt Frau Nowak ein Lächeln. „Es ist wichtig, mit pflegebedürftigen Patienten eine persönliche Ebene herzustellen. An einem Tag geht es ihnen besser, an einem anderen schlechter. Ich muss mich auf ihre Befindlichkeit einstellen, sonst ist eine Behandlung nicht möglich“, erklärt Dr. Gredler.

Den mobilen Zahnarztdienst bietet die Zahnärztin seit rund zwölf Jahren an, und sie absolviert in manchen Wochen bis zu elf Hausbesuche. „In den meisten Fällen gibt es Probleme mit den Prothesen. Es quälen Druckstellen, manche Prothesen sind gebrochen oder es muss ein Abdruck für eine neue Prothese gefertigt werden. Alle sechs Jahre sollte eine Zahnprothese neu angefertigt werden, doch Menschen, die alt, krank und gebrechlich sind, tragen ihre Prothesen manchmal zehn, zwanzig Jahre“, erzählt die Zahnärztin.

Bei den Patienten oder in Ordinationsräumen in Pflegeheimen können kleine Eingriffe vorgenommen werden. „Ist der Patient in der Lage, seinen Kopf ruhigzuhalten, kann er schlucken und ausspucken und meinen Anweisungen folgen, ist es möglich, einen lockeren Zahn zu ziehen, die Mundhygiene durchzuführen oder, aber das ist selten, eine kleine Füllung zu machen. Jede andere Behandlung, etwa ein abgebrochener Zahn, ein Röntgen oder eine Kariesbehandlung, muss in der Ordination durchgeführt werden. Das ist aus hygienischen Gründen vorgeschrieben und medizinisch notwendig. Dafür werden Patienten mit einem Krankentransport zum Zahnarzt gebracht, obwohl das für gebrechliche oder demente Menschen äußerst belastend ist.“

Bei Frau Nowak hat sich eine Druckstelle entwickelt. Mit einer Tastuntersuchung und optischen Begutachtung findet Dr. Gredler die schmerzende Stelle schnell und kann helfen.
Danach überreicht sie eine neue Prothesen-Zahnbürste. „Das tägliche Reinigen der Prothese ist wichtig, damit es nicht zu Entzündung durch Speisereste kommt oder sich Druckstellen entwickeln“, informiert sie die Pflegerin, bevor der Hausbesuch endet. Dr. Gredler verspricht ihrer langjährigen Patientin, wieder zu kommen. Elfriede Nowak nickt, und ihr sanftes Lächeln sagt leise „Danke“.

Sie suchen einen Zahnarzt, der Hausbesuch anbietet? Fragen Sie bei Ihrem Zahnarzt nach oder bei der Österreichischen Zahnärztekammer (Tel.: 050511).

Hilfe bei der täglichen Zahnpflege von
Demenz-Patienten

Beginnende Demenz
  • Ablauf des Zähneputzens und Mundausspülens immer auf gleiche Weise durchführen
  • äußere Reize (laufender Fernseher, lautes Radio …) ausschalten
  • Ruhe und Geduld bewahren
  • keine Neuerungen (etwa elektrische Zahnbürste oder Munddusche) anbieten)
  • Patienten wiederholt motivieren und diskret überwachen.
Mittleres Stadium
  • Zahnputz-Utensilien im Badezimmer auf Augenhöhe platzieren
  • Bei der Morgentoilette anwesend sein und freundlich unterstützen („Hier ist deine Zahnbürste mit Lacalut“)
  • immer wieder sanfte Hinweise einfließen lassen.
Spätes Stadium
(eigenes Reinigen der Zähne ist nicht mehr möglich)
  • Vorsichtig und einfühlsam vorgehen
  • meist hilft die Anweisung „Bitte Mund aufmachen“
  • mit Geste unterstützen, etwa die eigene Zunge herausstrecken
  • eine Dreikopfzahnbürste reinigt alle drei Zahnflächen eines Zahnes auf einmal (diese Bürste wird nur sanft vor- und zurückgeschoben).

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