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Ausgabe Nr. 42/2020 vom 13.10.2020, Fotos: Keith Mayhew / Camera Press / picturedesk.com, Label : Island (Universal Music)
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Jon Bon Jovi.
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Jon Bon Jovi lebt mit seiner Frau und dem jüngsten Sohn in New York (USA). Seit wenigen Tagen ist sein neues Album im Handel.
"Bei meiner Tochter bin ich vorsichtig"
Zahnpasta-Lächeln, grauer Haarschopf, kein Gramm Fett am Leib. Der Rocker und Schauspieler Jon Bon Jovi ist mittlerweile 58 Jahre alt, aber er altert würdevoll und ohne Skandale. Mit seiner Band „Bon Jovi“ wollte er das neue Album „2020“ schon im April veröffentlichen, dann kam Corona und er zeigte sich einmal mehr als Wohltäter für die Armen in der Gesellschaft. Im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers erzählt er von seinen Kindern, seiner Langzeit-Ehe und seinem Lieblingswein.
Sind schwere Zeiten wie jetzt durch die Pandemie für Sie gut, um kreativ sein zu können?
Grundsätzlich bietet jeder Tag die Möglichkeit, kreativ zu sein, wenn wir Augen und Ohren offenhalten für das, was rund um uns passiert. Manchmal ist mir aber auch alles zu viel und ich schalte wegen der Reizüberflutung die Nachrichten ab und blockiere diese Eindrücke.

Während Amerika stillstand, haben Sie einmal mehr obdachlosen Menschen mit warmen Mahlzeiten ausgeholfen. Warum ist Ihnen die Arbeit mit wirtschaftlich benachteiligten Menschen so wichtig?
Es hat wohl mit einem ethischen Grundverständnis bei mir zu tun. Mir wurde die Möglichkeit gegeben, die Welt zu sehen – arm und reich, Glamour und Abgründe. Irgendwann kam ich an einen Punkt in meinem Leben, wo ich andere Dinge tun wollte als nur in einer Rock-‘n‘-Roll-Band zu spielen.

Wobei das ja eine großartige Art ist, Geld zu verdienen.
Natürlich. Aber es ist doch so: In deinen Zwanzigern und Dreißigern versuchst du herauszufinden, wer du sein willst und was dein Karriereweg ist. Wenn du 40 bist, schaust du zurück und fragst dich, ob du die Ziele erreicht hast. Jetzt mit Ende 50 geht es mir darum, ein Vermächtnis aufzubauen. Ich stehe heute mit niemandem mehr in Konkurrenz, außer vielleicht mit mir selbst. Ich gebe nichts auf den Wettbewerb im Musikgeschäft oder die Frage, wer größer oder besser ist, wer mehr Platten verkauft. Ich wollte ja ohnehin nie der „Klischee-Rockstar“ sein.

Beeindruckt Sie die junge Generation?
Oh ja. Die Jugendlichen engagieren sich immer mehr und leben viel bewusster als noch vor wenigen Jahren. Seinerzeit haben sich Jugendliche nicht so auf politische Gespräche eingelassen wie heute. Mein Sohn Jake hat im Dezember einen Protestmarsch gegen das Nichthandeln der Regierung bezüglich der Massenschießereien an amerikanischen Schulen organisiert. Und er hat in der Stadt, in der er aufs Internat geht, für das Bürgermeisteramt kandidiert – ein siebzehnjähriger Bursche. Das ist unglaublich. Inspiriert dazu hat ihn das Engagement der Schwedin Greta Thunberg. Er hat sich bei seiner Kandidatur auf das Thema Umwelt konzentriert. Ich habe ihm dafür jegliche Anerkennung gezollt. Mir wäre als 17jähriger so etwas nicht im Traum eingefallen.

Vielleicht lag‘s an der guten Erziehung zu Hause?
Vielleicht (lacht).

Was ging denn in Ihrem Kopf vor, als Sie 17 Jahre alt waren?
Ich hatte mich auf Teufel komm raus darauf eingeschossen, dass die große Musikkarriere klappen würde. Wenn du so jung bist, sagt dir natürlich jeder, dass das Quatsch ist. Deshalb war ich wohl ein wenig aufsässig. Ich hatte keinen Plan B. Musik oder gar nichts, war meine Devise.

Welche Rolle spielt der Familienzusammenhalt in diesen Tagen für Sie?
Es heißt nicht umsonst, dass Liebe alles überwindet und den Hass übertrumpft. Dieses alles umspannende Motiv ist zwar nicht neu, doch die Sehnsüchte der Menschen sind dieselben geblieben. Ganz gleich, wer wir sind, ob wir politisch unterschiedliche Ansichten vertreten oder welche Nationalflagge über unserem Haus weht – wir alle wollen in der Früh aufwachen, ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch und den Komfort und die Sicherheit unserer Familie haben. Das wird sich nie ändern. Deshalb ist es das zentrale Thema der neuen „Bon Jovi“-Platte „2020“.

Im Stück „Story Of Love“ singen Sie, dass Väter ihre Töchter so lieben würden wie die Mütter ihre Söhne. Heißt das, dass Sie zu Ihrer Tochter ein besonderes Verhältnis haben?
Auf alle Fälle. Erstens ist Stephanie mit 27 Jahren mein ältestes Kind, und zweitens meine einzige Tochter. Jeder Vater, der eine Tochter hat, kennt diese spezielle Bindung. Ich beschütze meine Tochter wie ein Juwel, denn sie ist mein Baby.

Inwiefern ist der Umgang mit Ihrer Tochter anders als mit Ihren Söhnen?
Ich bin vorsichtiger mit ihr. Väter sagen in Gegenwart ihrer Töchter sowieso eher wenig, sie beschränken sich auf: „Aha, aha, mmmh, okay …“ (lacht) Manchmal ist es auch einfacher, lieber nichts zu sagen. Denn sie ist durch und durch eine Frau und geht schnell an die Decke. Mit den Burschen kann ich schon anders umspringen, anders mit ihnen reden. Sie sind wie wilde Hunde. Ich muss sie nur dazu bringen, nicht auf den Teppich zu machen.

Fällt es Ihnen schwer, ein alternder Rocker zu sein, dem die Haare grau wurden?
Ich bin gern ein Silberfuchs. Wenn ich mir Mick Jagger ansehe, wie er sich die Haare färbt. Bono und Bruce Springsteen – sie alle tun es. So wollte ich nie sein.

Dafür mit 31jähriger Ehe …
Es ist großartig, und es wird immer besser, immer intensiver und inniger. Meine Frau Dorothea ist fabelhaft.

Das gilt auch für Ihren Wein „Hampton Water“ …
Ein herrlicher Rosé, ja. Ein Projekt meines Sohnes Jesse. Er will weitere Sorten anbieten, ich bin moralische Unterstützung und Verkoster.
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