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Ausgabe Nr. 41/2020 vom 06.10.2020, Fotos: Carsten Windhorst / Camera Press / picturedesk.com, RCA
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Melanie C.
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Es trägt ihren Namen und ist von ihrer Persönlichkeit geprägt. Seit Freitag ist das neue Album von Melanie C im Handel.
"Ich mag es, große Muskeln zu haben"
Von den fünf ehemaligen „Spice Girls“ legte sie die erfolgreichste Solo-Karriere hin. Gut 20 Millionen Platten hat Sporty Spice, heute Melanie C und bürgerlich Melanie Chisholm, 46, bislang verkauft. Mit dem neuen Werk „Melanie C“ (seit Freitag im Handel) werden es um einige mehr werden. Über ihr achtes Album, aber auch über die Kraft der Frauen, ihre Depressionen und ihre Oberarmmuskeln hat die Engländerin mit der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers gesprochen.
Frau Chisholm, in Ihrem neuen Lied „Who I Am“ singen Sie darüber, endlich Ihre Identität gefunden zu haben. Warum war das lange schwer für Sie?
Ein „Spice Girl“ zu sein und ab dem Alter von 22 Jahren von der Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden, war irritierend. Da wurde über mich geschrieben, als wäre ich eine andere Person. Ich selbst hatte andere Vorstellungen. Du kannst Meinungen anderer Menschen über dich nicht kontrollieren. Du kannst nur dir selbst treu bleiben. Ich hatte mich auf dem Weg ein bisschen verloren und es hat lange gedauert, um zu erkennen, dass ich all diese verschiedenen Personen bin. Es ist schön, das Gefühl zu haben, angekommen zu sein.

Wie haben Sie das schließlich erreicht?
Im Sommer des Vorjahres mit den „Spice Girls“ auf Tournee durch Großbritannien gewesen zu sein, hat mich geheilt. Die Tour hat mir deutlich gemacht: Ich bin immer noch „Sporty Spice“. Das ist nicht meine Vergangenheit, sondern meine Gegenwart. Diese Tatsache endlich annehmen zu können, habe ich gefeiert.

Tragen Sie deshalb wieder Sportanzüge auf der Bühne – oder ist das ein Gag?
Nein. Die Sportbekleidung ist als Alltagsmode beliebt. Ich habe sie immer gern getragen, als ich jung war. Dann kam die Phase, in der ich gegen das „Sporty Spice“-Image rebellierte und mir sagte: „Ich bin jetzt erwachsen, ich muss reifer sein, weiblicher.“ Da ich heute akzeptiere, dass „Sporty Spice“ immer ein Teil von mir sein wird, trage ich wieder Sportkleidung.

Sie haben beeindruckende Oberarmmuskeln und einen straffen Bauch. Ist es harte Arbeit, „Sporty Spice“ zu sein?
Nicht nur. Es ist auch genetische Veranlagung. Ich sah Bilder von mir als Achtjährige. Da hatte ich schon ganz schön definierte Muskeln. Es ist einfach meine Art von Körper. Manchmal sagen Menschen zu mir: „Deine Muskeln sind zu groß.“ Dann denke ich: Nein, sie sind noch nicht groß genug. Aber das ist wirklich das schönste Kompliment, das mir gemacht werden kann. Ich liebe es, große Muskeln zu haben und stark zu sein und ich habe Spaß am Training. Es ist gut für meine mentale Stärke.

Sie sprechen offen darüber, dass Sie nach dem Ende der „Spice Girls“ an Depressionen und an einer Essstörung gelitten haben. Hat Ihnen die Geburt Ihrer Tochter Scarlet, 11, geholfen, die Krankheit zu überwinden?
Mein Mädchen um mich zu haben, war eine rundum positive Erfahrung – mental, körperlich und emotional. Depressionen kommen und gehen, ich hatte oft keine Kontrolle darüber. Mit bloßem Zusammenreißen ist es da nicht getan. Es ist hart. Das Gute ist: Ein Kind zu haben und damit auch Verantwortung, zwingt dich, in der Früh aus dem Bett zu steigen. Ich muss ein gutes Vorbild für meine Tochter sein.

Auf Ihrem neuen Album steht die Selbstliebe im Vordergrund …
Die Reise dorthin hat lange gedauert und war mitunter ein schmerzvoller Prozess. Es gab einfach so viel zu verarbeiten. Als es mit den „Spice Girls“ zu Ende ging, war ich erschöpft und ausgebrannt. Ich vergleiche meine Depression immer mit posttraumatischem Stress. Irgendwann kam ich zu dem Punkt, an dem ich mir sagen konnte: „Ich bin mir selbst genug.“ Auch da war das Mutterwerden eine Hilfe. Ich konnte meinen Körper plötzlich annehmen, weil ich wahrgenommen habe, wozu er fähig war. Und ich wusste: Wenn ich das Beste für mein kleines Mädchen will, dann muss ich auch das Bes-
te für mich selbst wollen.

Wie erklären Sie sich, dass Sie als einziges Mitglied der „Spice Girls“ als Solo-Künstlerin Fuß fassen konnten?
Das liegt an meiner Hingabe. Die anderen Mädels lieben Musik auch, aber sie haben weitere Leidenschaften. Victoria und ihr Durchbruch in der Modewelt zum Beispiel. Ich war immer fokussierter und leidenschaftlicher, wenn es um Musik ging.

Werden Sie die „Spice Girls“ und Ihre Solo-Karriere in Zukunft kombinieren?
Das hoffe ich doch. Wir versuchen weiterhin, auch Victoria wieder mit ins Boot zu holen. Die „Spice Girls“ pausieren aber erst einmal eine Weile. Wir können derzeit aufgrund der Corona-Pandemie ohnedies nichts planen.

Haben Sie noch berufliche Träume?
Ich möchte am Broadway in New York (USA) auftreten. Ich habe in Musicals am Londoner West End gespielt. Der Broadway würde dem noch eins draufsetzen.
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